
Freundlichkeit ist immer die Antwort
Cosimo Gherardini
„Freundlichkeit ist immer die Antwort“, sagt Cosimo Gheradini, eines der Familienmitglieder hinter der beliebten Restaurantgruppe Sant Ambroeus. In einem Gespräch, das im Jumeirah Carlton Tower in Knightsbridge aufgezeichnet wurde, spricht Cosimo über seine Mailänder Wurzeln, die Zutaten, die ein wirklich großartiges Restaurant ausmachen, bevorstehende Pläne in Miami – und darüber, warum die ersten zehn Sekunden eines jeden Restaurantbesuchs die wichtigsten sind.
„Die ersten zehn Sekunden, nachdem man ein Restaurant betreten hat, prägen das gesamte Erlebnis.“
Die Geschichte von Sant Ambroeus begann 1936 in Mailand – als Café in unmittelbarer Nähe des Opernhauses Teatro alla Scala. Während die Restaurantgruppe in den vergangenen 90 Jahren stetig gewachsen ist, hat sie sich stets etwas von diesem ursprünglichen Standort bewahrt: zugleich heimelig und prachtvoll, ein Ort von kultivierter Ästhetik und wohliger Geborgenheit. Das sei vor allem den Menschen zu verdanken, die das Unternehmen führen, sagt Cosimo Gherardini, Mitglied der Sant-Ambroeus-Familie und Betriebsdirektor der Gruppe – wahre Künstler der Gastfreundschaft, die davon überzeugt sind, dass „Freundlichkeit immer die richtige Antwort ist“. Hier spricht Gherardini über seine Kindheit in New York, die Bedeutung der Beleuchtung und die bevorstehenden Pläne der Marke für Miami – und vielleicht sogar London.
Sant Ambroeus war in Mailand lange Zeit ein Treffpunkt für die einflussreichsten Menschen der Stadt – für Prominente ebenso wie für Industrielle. Mailand steht für Qualität. Die Stadt verkörpert eine kultivierte Präzision ohne Effekthascherei. Und ich denke, dieses Streben nach Exzellenz spiegelt sich auch heute in der Marke Sant Ambroeus wider – in den Produkten, der Gastfreundschaft und der Beständigkeit.
Sant Ambroeus ist mehr als nur ein Restaurant. Es verkörpert eine Lebensart. Damit gehen natürlich viele verschiedene
Verantwortlichkeiten einhergeht. Die Menschen kommen regelmäßig
aufgrund der Beständigkeit, die es bietet – vom Kaffee bis zur Begrüßung. Die Menschen spüren hier ein Gemeinschaftsgefühl, ein Gefühl der Zugehörigkeit. Es ist wirklich mehr als nur ein Restaurant – es ist zu einem festen Bestandteil ihres Alltags geworden.
Ich bin in der Gastronomie aufgewachsen. Seit ich 15 war, habe ich im Sommer jede freie Minute gearbeitet. Ich war entweder in den Küchen oder verbrachte den ganzen Sommer in unserem Restaurant in Southampton, wo ich als Servicekraft und Kellner arbeitete. Eine meiner ersten Aufgaben in Southampton war es, Gelato zu servieren. Ich bin also in diesem Geschäft groß geworden. Ich bin mit der Arbeit aufgewachsen. Doch schon davor gehörte ich zu einer Familie, die Essen, Rohstoffe und Zutaten überaus zu schätzen weiß.
Als Kind fuhr ich jeden Sommer in die Toskana, wo meine Großeltern ein Haus haben.
Ich erinnere mich, dass sie diesen Marmortisch in der Küche hatten und mein Großvater die Fischer morgens zu sich einlud. Einer von ihnen brachte dann einen riesigen Thunfisch mit, den er an diesem Morgen gefangen hatte. Mein Großvater begutachtete ihn und unterhielt sich mit dem Fischer darüber. Allein zu beobachten, welche Wertschätzung diesem auf den Tisch gelegten Thunfisch entgegengebracht wurde, hat mich geprägt.
Es gibt viele verschiedene Aspekte, die dazu beitragen, einem Raum die richtige Atmosphäre zu verleihen. Die Beleuchtung muss warm sein. Der Raum muss einladend wirken. Entscheidend sind die Mitarbeitenden und die Art, wie sie sich bewegen. Es muss natürlich wirken. Man muss das Gefühl haben, dass sie wissen, was sie tun. Ich denke, es kommt auch auf die Begrüßung an. Die ersten zehn Sekunden nach dem Betreten eines Restaurants prägen das gesamte Erlebnis.
Ich hatte das große Glück, viele Mentoren zu haben, die mich begleitet und mir so viel über die Branche und über mich selbst beigebracht haben – von meinem Onkel über meine Mutter bis hin zu Alireza Niroomand, dem Kreativdirektor von Sant Ambroeus. Erst neulich habe ich mit Ali telefoniert und wir haben über Gastfreundschaft gesprochen. Dabei zitierte er einen Satz: „Freundlichkeit ist immer die Antwort.“ Das ist eine Wahrheit, die nicht nur für die Gastfreundschaft gilt, sondern für alle Bereiche des Lebens. Dieser Satz ist mir im Gedächtnis geblieben.
New York ist ein besonderer Ort. Für mich ist es nach wie vor die beste Stadt der Welt, einfach weil sie so dynamisch ist. Man bekommt von allem etwas mit. Dort aufzuwachsen war ein Privileg, weil man mit so vielem in Berührung kommt. In der Gastronomieszene ist jede Kultur mit den Gerichten vertreten, mit denen ihre Angehörigen aufgewachsen sind; Menschen unterschiedlichster Nationalitäten bringen ihre eigene Küche auf den Markt. Das soll nicht heißen, dass es das in anderen Städten nicht gibt, aber in New York ist es wirklich fest im Stadtbild verankert.
Über einen Standort von Sant Ambroeus in London zu sprechen, ist durchaus sinnvoll. Doch London ist schwierig. Es kommt darauf an, die richtige Lage zu finden. Denn in London kann eine einzige Straße alles verändern. Und es ist wichtig, dass es sich wie eine logische Konsequenz anfühlt und nicht wie das Ausnutzen einer Gelegenheit. Es geht also darum, die passenden Räumlichkeiten zu finden. Aber wir suchen bereits.
Unsere Neueröffnung in Miami ist die nächste Herausforderung für mich, und ich freue mich wirklich sehr darauf. Es ist eine völlig neue Dynamik, ein ganz neuer Ort für mich, und ich werde mich anpassen und dazulernen müssen – darauf bin ich ausgesprochen neugierig. Aber letztlich geht es darum, die Marke zu repräsentieren, ihre Werte und betrieblichen Standards zu wahren und sicherzustellen, dass wir diese konsequent umsetzen und den Menschen auch weiterhin das Gefühl geben, zu Hause zu sein.
With thanks to and filmed at the Jumeirah Carlton Tower








