
Wie man sich in der Londoner U-Bahn verhält
In der Hauptstadt gehört es zum Alltag – so meistern Sie das chaotische Gewirr mit so viel Gelassenheit, wie das Leben in der U-Bahn eben zulässt
- Text von: Holly Macnaghten
Wenn Sie nicht zu den wenigen Glücklichen gehören, die es geschafft haben, die Tube zu meiden – vielleicht haben Sie den Familienchauffeur geerbt oder bewegen sich einfach nur innerhalb der SW3-Blase –, dann kennen Sie das Gedränge in der Victoria, Piccadilly, Northern Line und Co. zur morgendlichen und abendlichen Hauptverkehrszeit. Gesichter, die gegen Rücken gepresst werden; das Kondenswasser der Pendler, das sich ansammelt; das unvermeidliche Flackern der defekten Waggonbeleuchtung. Es ist eher eine Frage der mentalen Stärke als ein Weg ins und aus dem Büro. (Dabei sei angemerkt, dass dieses Erlebnis nicht auf London beschränkt ist – Ähnliches ist auch in der New Yorker Subway, der Metro in Barcelona und vergleichbaren Verkehrsmitteln an der Tagesordnung.)
Die Umgangsformen in solchen Verkehrsmitteln sind eine Mischung aus Fügsamkeit, Frustration und passiver Aggressivität. Doch all jene, die daran glauben, dass sich gutes Benehmen noch immer in alltäglichen Handlungen zeigt, sollten beim nächsten Einchecken einfach diese wenigen Regeln beachten ...
1. Halten Sie sich nicht an den Zugangssperren auf
Die Kardinalsünde beim U-Bahn-Fahren besteht darin, erst umständlich nach dem Portemonnaie zu kramen, stehen zu bleiben und dann zu warten, bis sich die Schranken geschlossen haben, bevor man die eigene Karte auflegt. Das ist nicht nötig: Bereiten Sie sich rechtzeitig vor und denken Sie daran, dass Sie auch bei noch geöffneten Schranken eintreten können. Herumzutrödeln entspricht nicht der Art des typischen Londoners. Halten Sie daher Ihre Natwest-/Monzo-/Oyster-Karte frühzeitig bereit, lassen Sie die Person vor Ihnen passieren und legen Sie Ihre Karte etwa eine Sekunde später auf, wobei Sie den Arm mit der Karte voranführen sollten (wenn Sie Ihren Körper schon vor der Auflegebewegung nach vorn bewegen, kommt es aufgrund der Sensoren zu Verzögerungen).
2. Stehen Sie auf der Rolltreppe nicht auf der linken Seite
Hier verlieren selbst passiv-aggressive Briten endgültig die Fassung – stellt euch auf Flüche aller Art, bissige Seitenhiebe und messerscharfe Blicke ein, während man sich auf diesem zum Gehen freigehaltenen Stück Rolltreppe an euch vorbeidrängelt. Im Zweifelsfall schaut einfach, was die Leute vor euch machen, und reiht euch ein.
3. Helfen Sie Personen mit schwerem Gepäck
Wir sind immer wieder erstaunt, wie oft wir Menschen sehen, die sich mit schweren, aus allen Nähten platzenden Koffern kaputte Rolltreppen hinaufquälen, während alle anderen einfach an ihnen vorbeieilen. Wenn es die Zeit erlaubt, packen Sie mit an. Das Gleiche gilt für Eltern mit Kinderwagen.
4. Bieten Sie Ihren Sitzplatz an, wenn es angebracht ist
Ein wahrer Gentleman sollte (wenn er kann) jeder Frau in der Londoner U-Bahn seinen Sitzplatz anbieten – unabhängig von ihrem Alter, dem Stadium ihrer Schwangerschaft usw. Wahrscheinlich sollte er auch für ältere Männer aufstehen. Und wenn wir schon dabei sind: Eltern mit kleinen Kindern, Menschen mit schwerem Gepäck und alle, die sich offenbar irgendeine Verletzung zugezogen haben (einschließlich verstauchter Handgelenke und gebrochener Daumen), sollten ebenfalls so behandelt werden.
5. Gehen Sie im Wagen weiter nach innen
So oft es auch zur Hauptverkehrszeit über die Lautsprecher schallt, scheinen die Leute diese Grundregel des Pendelns immer wieder zu vergessen. Wir wissen, die Enden jedes Wagens sind begehrt (auch die Sitze sind wahre Throne, aber das versteht sich von selbst). Für eine angenehmere Fahrt für alle gehört es jedoch dazu, bei Bedarf in den Gang aufzurücken – selbst wenn man sich dafür zu der unliebsamen Handlung herablassen muss, sich an den Haltegriffen festzuhalten. Ebenso sind Rucksäcke stets seitlich zu tragen; mit seinem Schildkrötenpanzer überall anzuecken, gehört sich einfach nicht.
6. Keine warmen Speisen essen
Kalte Sandwiches sind in Ordnung. Protein- und Müsliriegel sind überhaupt kein Problem. Heutzutage trinken ja alle Huel, also ist das für uns auch okay, vor allem, weil es in einer Flasche kommt. Ein Döner vom Imbiss um die Ecke? Ein Whopper? Eine Leon-Box? Auf keinen Fall.
7. Halte dir die Hand vor den Mund
Haben etwa alle die Pandemie vergessen? Egal, wie weit Sie von der nächsten Person entfernt sind, und selbst wenn Sie nicht glauben, krank zu sein: Halten Sie sich beim Husten den Mund zu.
8. Drehen Sie die Lautstärke herunter
Wir lieben Wretch 32. Wir lieben Shoegaze aus den 1990ern. Stevie Wonder ist phänomenal. Bob Dylan – Daumen hoch. Aber nichts davon wollen wir aus euren blechern klingenden Handy-Lautsprechern hören. (Falls ihr etwas Hilfe braucht, schaut euch unsere Kopfhörer-Übersicht an …)
9. Nicht starren
Wenn du versuchst, vom Alltag abzuschalten, starre auf Schuhe. Alles andere Anstarren hebst du dir für den abendlichen Netflix-Marathon auf. Alle fühlen sich ohnehin schon unwohl genug.
10. Blockieren Sie nicht die sich schließenden Türen
Und zu guter Letzt: Sei nicht so einer. Wenn du mit der Victoria Line fährst, warte einfach die zwei Minuten länger auf den nächsten Zug. Bist du anderswo unterwegs, kannst du dir nur selbst viel Glück wünschen. Verspätungen gehören zur Reise dazu (hat Anthony Bourdain nicht mal so etwas gesagt?); dein Boss mit Chauffeur wird dafür sicher Verständnis haben …
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