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Warum Tawny der beste Portwein zu Weihnachten ist

Warum Tawny der beste Portwein zu Weihnachten ist

„Die naheliegende Wahl wäre, einfach zu gereiftem Portwein zu greifen – doch diese Weine sind wuchtig, schwer und bisweilen etwas dominant.“

Portwein ist untrennbar mit einem Hauch von Tradition verbunden – schließlich gelangt dieser Wein bereits seit mehr als 300 Jahren an unsere Küsten. Die Briten haben ihn praktisch erfunden, indem sie die Rotweine aus dem Douro-Tal mit Branntwein aufspriteten, damit sie die Fahrt flussabwärts nach Porto und von dort weiter durch die Biskaya besser überstanden.

Heute ist die Weinbereitung etwas ausgefeilter (der Branntwein wird während – und nicht erst nach – dem Prozess hinzugefügt, wodurch die Gärung gestoppt und eine gewisse Süße bewahrt wird), und das Vereinigte Königreich ist nach wie vor der größte Absatzmarkt für Portwein. Und natürlich wird der Tradition zufolge der größte Teil davon zu Weihnachten getrunken.

Ähnlich wie man es sich gemütlich macht, um der Weihnachtsansprache des Königs zu lauschen, oder mit der Familie Scrabble spielt, neigt man dazu, Portwein als etwas zu betrachten, das man nur einmal im Jahr trinkt. Doch Portwein ist weitaus vielseitiger und verdient deutlich mehr Beachtung. Schließlich gibt es verschiedene Arten, die jeweils ihren ganz eigenen Stil haben und sich für bestimmte Anlässe und Kombinationen eignen. Daher kann es durchaus schwierig sein, den Portwein zu finden, der am besten zum jeweiligen Rahmen passt.

Die naheliegende Wahl zu Weihnachten ist schlicht ein Vintage Port, der nach wie vor als ultimativer Digestif gilt. Doch diese großen, schweren und etwas dominanten Weine verlangen aufgrund ihrer Statur meist eine gewisse Ehrfurcht (und führen nach dem Essen zu einem Tief). Zudem sind sie nur begrenzt haltbar und schmecken nach dem Öffnen bereits nach drei Nächten schal und ausdruckslos.

Für mich liegt die Freude an Portwein darin, stets eine angebrochene Flasche zur Hand zu haben, aus der man über die Festtage genüsslich trinken kann – ob zum Christmas Pudding, zum Stilton oder an mehreren Abenden beim Trivial Pursuit. Und der perfekte Begleiter dafür ist ein Tawny Port.

Während Vintage Port seine komplexen Aromen größtenteils durch die Reifung in der Flasche entwickelt, reift Tawny Port überwiegend in Eichenfässern, die im Douro als „Pipes“ bezeichnet werden. Bei dieser langen oxidativen Reifung werden der Cuvée fortlaufend Weine verschiedener Jahrgänge hinzugefügt. Das verleiht Tawny Ports nicht nur eine feine, nussige Frische, sondern sorgt auch dafür, dass sie nach dem Öffnen den Kontakt mit Sauerstoff gut vertragen. Im Kühlschrank aufbewahrt, hält sich eine Flasche mehrere Wochen. Diese Weine sollten gekühlt serviert werden, denn ihre lebhafte, spritzige Säure ist der ideale Muntermacher zu den verschiedensten Snacks, die bei den Feierlichkeiten zwischendurch gereicht werden.

Tawny Ports gibt es in den unterschiedlichsten Altersstufen, von 10 bis 50 Jahren, doch meiner Meinung nach bieten 20-jährige die optimale Verbindung aus geschmacklicher Tiefe und Leichtigkeit. Graham’s 20-Year-Old ist ein hervorragendes Beispiel dafür und vereint all das und noch mehr.

Graham’s gehört neben Dow’s, Warre’s und Cockburn’s zu dem beneidenswerten Portfolio an Portweinhäusern, das die Familie Symington aufgebaut hat. Seit der damals 19-jährige Andrew James Symington 1882 dorthin zog, ist sie zum größten Weinbergsbesitzer im Douro-Tal aufgestiegen. Neben Tawnys mit Altersangabe stellt Graham’s auch solche aus einer einzigen Ernte, also einem bestimmten Jahrgang, her. Andere Häuser mit stärker portugiesisch geprägten Wurzeln nennen solche Abfüllungen Colheitas – „colheita“ ist das portugiesische Wort für „Ernte“. Ein auf diese Kategorie spezialisiertes Haus ist Quinta da Noval (das inzwischen dem französischen Versicherungskonzern AXA gehört und von dem weltgewandten Briten Christian Seely geleitet wird).

Colheitas reifen vor der Abfüllung mindestens sieben Jahre lang im Holzfass. Seely ist der Ansicht, dass die Weine dank dieses Verfahrens bereits in einem relativ jungen Stadium eine hervorragende Qualität bieten können – anders als ein Vintage Port (man könnte auch argumentieren, dass sie seltener sind: Noval hat in 30 Jahren sieben Colheitas erzeugt, während das Haus in jedem der vergangenen zehn Jahre einen Vintage deklariert hat). Nach dem Eindruck des 2007 Quinta do Noval (2021 abgefüllt) muss ich ihm zustimmen. Colheitas sind tendenziell gehaltvoller als Tawnys mit Altersangabe, und dieser hier besticht durch eine wunderbare Melange aus den Fruchtaromen eines Weihnachtskuchens – Nüsse, Rosinen und Datteln – sowie einer feinen, frischen Note von Aprikosentarte.

In den letzten Jahren ist weißer Portwein als Bestandteil eines erfrischenden Sommercocktails mit Tonic Water, Eis und einem Zweig Minze zu einem echten Renner geworden. Doch auch pur lässt sich diese Variante das ganze Jahr über genießen – insbesondere, wenn sie wie ein Tawny im Holzfass reift.

Kopke ist das älteste noch bestehende Portweinhaus und wurde 1638 gegründet. Sein 10 Jahre alter weißer Portwein wird in Edelstahltanks vergoren und anschließend wie ein Tawny lange im Eichenfass gereift. Das Ergebnis ist ein vollmundigerer, gehaltvollerer und komplexerer weißer Portwein mit würzigen Noten und Zedernholzaromen, der gekühlt zu allem passen könnte – von üppigen Vorspeisen (vielleicht Blätterteigpastetchen mit Pilzen?) bis hin zu einem wärmenden Dessert (ich denke da an einen Zimt-Apfel-Crumble). Oder natürlich zu Stilton.

Als zusätzliches Plus zeigen sich am Gaumen Noten von angeschlagenen Äpfeln und Birnen, während im Abgang eine anhaltende Grapefruitnote für eine bittersüße Nuance sorgt. Perfekt also für einen Cocktail mit Tonic und Orangenschale – so wird aus dem sommerlichen White Port mit Tonic im Handumdrehen ein winterlicher Negroni.

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