
Dieser alkoholarme Wein ist perfekt für den Januar. Darum
„Selbst wenn er vollständig vergoren ist, erreicht er nur selten mehr als 12,5 Prozent, und die süßeren Varianten, deren Gärung frühzeitig gestoppt wird, um den Zucker zu erhalten, weisen oft einen deutlich niedrigeren Alkoholgehalt auf.“
- Text von: Guy Woodward
Jedes Jahr dreht sich ein immer größerer Teil der alljährlichen Januar-Berichterstattung über Getränke um alkoholreduzierte und alkoholfreie Angebote. Und das ist verständlich – schließlich zeigt die jüngste YouGov-Umfrage, dass sich 44 Prozent der 18- bis 24-Jährigen als gelegentliche oder regelmäßige Konsumenten von Alkoholalternativen bezeichnen (gegenüber 31 Prozent im Jahr 2022). Dieser Trend wird dadurch untermauert, dass Supermärkte ihr Sortiment an alkoholreduzierten und alkoholfreien Produkten erweitert haben.
Doch bei Gentleman’s Journal fällt es uns oft ein wenig schwer, hin und wieder auf ein Gläschen zu verzichten. Gewiss, mehrere der großen Weingüter bieten inzwischen auch eine Cuvée mit wenig oder ganz ohne Alkohol an – doch genau das ist der Punkt. Denn bei allem gebotenen Respekt vor solchen Anbietern: Streben Sie normalerweise nach Weinen von Marken wie Jacob’s Creek, Wolf Blass, McGuigan oder Brancott Estate (so solide sie auch sein mögen)? Warum also ausgerechnet den Teil ihres Sortiments in Betracht ziehen, der beinahe per Definition nur die zweite Wahl ist?
Concha y Toro, Spier und Torres gehören wohl zu den qualitätsbewusstesten Namen unter den Herstellern entalkoholisierter Weine, doch bislang haben wir noch keinen gefunden, der geschmacklich auch nur annähernd an das Original herankommt. Und schließlich geht es in dieser Kolumne darum, die besten Weine zum Trinken zu empfehlen, nicht die besten Notlösungen. So gesundheitsbewusst wir auch sein mögen: Weniger, dafür aber besser zu trinken, scheint uns die klügere Devise zu sein als weniger, dafür aber schlechter.
In diesem Sinne möchten wir Ihnen statt des „Dry January“ den „Try January“ ans Herz legen – das Konzept, einen Monat lang versuchsweise etwas Neues auszuprobieren. Eine Rebsorte, die sich für einen solchen Ansatz besonders gut eignet, ist Riesling: eine oft missverstandene und unterschätzte Traube, die in zahlreichen unterschiedlichen Stilrichtungen ausgebaut wird und sich daher hervorragend zum Experimentieren eignet.
Da Riesling eine früh reifende Rebsorte ist, die in kühlen Klimazonen am besten gedeiht, weist er von Natur aus auch einen niedrigen Alkoholgehalt auf. Selbst vollständig durchgegoren erreicht er nur selten mehr als 12,5 Prozent, und die süßeren Varianten, deren Gärung frühzeitig gestoppt wird, um den Restzucker zu erhalten, können oft deutlich darunterliegen. Diese stilistische Vielfalt ist jedoch zugleich seine Schwäche, denn viele von uns meiden eher einen Wein, bei dem man sich vor dem Entkorken (oder, wie hier wahrscheinlicher, dem Aufschrauben) der Flasche nicht ganz sicher ist, was einen erwartet. Nirgendwo zeigt sich das deutlicher als bei deutschen Rieslingen, deren oft schwer verständliche Etiketten selbst überzeugte Weinliebhaber zur Vorsicht mahnen.

Kurz gesagt: Wenn Sie eine trockene Variante suchen, achten Sie auf das Wort „trocken“, dann können Sie kaum etwas falsch machen. Danach steigt bei deutschen Rieslingen der Süßegrad von Kabinett über Auslese und Spätlese bis hin zur besonders üppigen Trockenbeerenauslese. Die besten trockenen Exemplare überzeugen mit wunderbar klaren, geradlinigen Aromen und einer steinigen, schiefergeprägten Mineralität. Noch besser: Da sie keineswegs im Trend liegen, bieten sie ein sensationelles Preis-Leistungs-Verhältnis. Ein gutes Beispiel ist der rassige Wehlener Sonnenuhr Kabinett von einem der besten deutschen Erzeuger, JJ Pruhm. Straff, präzise und mit gerade einmal 8 Prozent Alkohol besitzt er nur einen Hauch von Süße und wäre der perfekte Begleiter zu einem Thai-Curry.

Dasselbe gilt für den charakteristischen Stil Australiens, der die messerscharfe Säure des Rieslings meist mit Noten von Benzin oder Kerosin in der Nase und spritzig-herben Limettenaromen am Gaumen verbindet. Das Clare Valley, Heimat so legendärer Namen wie Jim Barry und Jeffrey Grosset, ist das Epizentrum dieses Stils, doch das etwas kühlere, höher gelegene Eden Valley kann noch einen Hauch mehr Frische bieten. Ein klassischeres Beispiel als den Pewsey Vale Contours werden Sie kaum finden. Vor der Markteinführung reift er fünf Jahre lang in der Flasche und entwickelt dabei eine üppige Frucht, ohne seine Leichtigkeit einzubüßen.

Die meisten neuseeländischen Rieslinge sind ebenfalls trocken, und es gibt zahlreiche hochwertige Vertreter, darunter Saint Clair, Prophet’s Rock und Felton Road. Zur absoluten Spitze zählt das familiengeführte Weingut Pegasus Bay, das von vier Brüdern geleitet wird und eine Vielzahl unterschiedlicher Stile hervorbringt. Sein Bel Canto ist eine ungewöhnliche Rarität, die sich durch ihre üppige Textur und Geschmacksfülle mit Noten von Orangenschale und Quitte auszeichnet. Perfekt also für alle, die im Januar weniger Dessert essen möchten. Wir haben doch gesagt, dass wir gesundheitsbewusst sind …
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