
Der letzte Countdown: Das sind die besten Cocktails für eine Silvesterfeier
Mit einem French 75, einem Whisky Sour und einigen unserer liebsten trinkfertigen Cocktails aus der Dose und Flasche
- Text von: Guy Woodward
Cocktails an Silvester bringen die Party garantiert in Schwung. Doch welche Cocktails soll man eigentlich servieren? Und wie setzt man sie gekonnt in Szene, ohne den halben Abend damit zu verbringen, Bitter in exakten Mengen abzumessen und die perfekte Zitronenzeste zu formen?
Am einfachsten ist es, ein entsprechend unkompliziertes Getränk zu wählen. Mit einem Kir Royal zum Beispiel kann man kaum etwas falsch machen – man muss nur daran denken, zuerst die Crème de Cassis ins Glas zu geben (mir gefällt die intensiv-aromatische Variante von Harvey Nichols, die britische schwarze Johannisbeeren wunderbar samtig zur Geltung bringt). Ich würde außerdem empfehlen, statt Champagner einen französischen Crémant oder englischen Schaumwein zu verwenden (und auf keinen Fall Prosecco, dessen Süße das Getränk nur noch klebriger wirken lässt). Eine Brut-Nature-Variante eignet sich gut, und angesichts der spritzigen Säure englischen Schaumweins findet sich damit vielleicht endlich eine Verwendung für den aus Dorset stammenden Britpop Brut von Alex James.
Champagnercocktails sind dem feierlichen Anlass angemessen und haben im Allgemeinen den Vorteil, spritzig und leicht zu sein – ganz im Einklang nicht nur mit der vorherrschenden Stimmung, sondern auch mit dem eigenen Gleichgewicht an einem Abend, der mit Sicherheit lang werden wird. Ein Kir ist dabei natürlich kaum das ambitionierteste Beispiel. Ein French 75 hingegen bietet etwas mehr Komplexität und Raffinesse – und lässt sich vor allem unauffällig vorbereiten, das Geheimnis eines jeden cleveren Gastgebers.
Ein gut gemixter, ausgewogener French 75 bietet die perfekte Balance zwischen Süße und Säure, sodass die Gäste vermutlich nicht unzählige Gläser hinunterstürzen werden und die Gastgeber daher weder ständig nachschenken noch ausgelassenes Benehmen in den Griff bekommen müssen. Das Beste daran: Die Basis lässt sich im Voraus zubereiten. Einfach die Hauptzutaten (zwei Teile Gin, ein Teil Zitronensaft, ein Teil Zuckersirup) vorab mischen und den Cocktail am Abend wie einen Kir servieren (die Mischung schütteln, eine kleine Menge in eine Sektflöte gießen, mit etwa der doppelten Menge Schaumwein auffüllen und mit einer Zitronenzeste garnieren).
Wenn Sie etwas mit ein bisschen mehr Wumms suchen, das aber dennoch eher leicht und spritzig ist, dann ist ein Whisky Sour gar nicht so schwer zuzubereiten und setzt auf den klassischen Dreiklang aus Spirituose, Zitrusfrucht und Zucker. In diesem Fall bedeutet das: drei Teile Whisky, zwei Teile Zitronensaft und ein Teil Zuckersirup (wahlweise ergänzt um einen Schuss Eiweiß), alles zusammen mit Eis geschüttelt und in einen Tumbler abgeseiht. Ich mag ihn am liebsten mit einem amerikanischen Whisky statt mit Scotch (der stets hervorragende, süßlich-holzige Woodford Reserve ist derzeit in einer besonderen Feiertagsedition erhältlich) und mit ein paar Tropfen Angosturabitter obendrauf.
Dennoch ist die Zubereitung recht aufwendig, vor allem, wenn der Abend fortschreitet und Körper und Geist zunehmend unkonzentrierter werden. In einem solchen Fall ist es natürlich am einfachsten, auf trinkfertige Cocktails zurückzugreifen. Auch wenn das wie eine bequeme Ausrede klingen mag, hat sich die Qualität von RTDs in den letzten Jahren deutlich verbessert.
Ich habe eine ziemliche Schwäche für die Marke Tails, die Bacardi zunächst für die Barbranche entwickelte, bevor sie im vergangenen Jahr auch für Verbraucher auf den Markt kam. Und erfreulicherweise ist in einem Sortiment, das von einem Granatapfel-Margarita bis zu einem Espresso-Martini reicht, der Whisky Sour besonders gut. Er wird mit Dewar’s Scotch Whisky statt mit Bourbon zubereitet, was ihm eine gewisse bittersüße Note verleiht, die wiederum verhindert, dass man ihn allzu schnell trinkt. Eiweiß ist natürlich nicht enthalten, doch die empfohlene Zubereitung – auf Eis schütteln und anschließend in einen Tumbler abseihen – sorgt für den klassischen Schaum und zumindest ein wenig Show.

Und schließlich wächst die Welt der Cocktails aus der Dose stetig weiter und ist es allemal wert, einen ersten Versuch zu wagen, falls Sie das nicht ohnehin schon getan haben.
Dass RTDs inzwischen eine ernst zu nehmende Sache sind, merkt man spätestens daran, dass Ryan Chetiyawardana (alias Mr Lyan) sich mit seiner raffinierten Handschrift daran versucht. Chetiyawardana gilt als der meistprämierte Barkeeper der Welt und kreiert seit einem Jahrzehnt einfallsreiche Mixturen für die Hipster im Osten Londons. Nun hat er seine unverwechselbaren Kreationen in die Dose gebracht – allen voran einen der zeitlosesten Whisky-Cocktails überhaupt. Sein Beeswax Old Fashioned ist exklusiv bei Selfridges erhältlich und auf nur 2.000 Dosen limitiert – viel Glück also dabei, eine davon zu ergattern. Wenn es Ihnen gelingt, erwartet Sie eine Version von Mr Lyans Interpretation des Klassikers für zu Hause, den man genüsslich in kleinen Schlucken trinkt und der nach seiner charakteristischen Methode in Bienenwachs gereift ist. Sie müssen ihn nur noch in einem Tumbler auf einem großen Eiswürfel servieren.
Das Design der Dosen – entworfen von Chetiyawardanas Schwester Natasha – ist ziemlich elegant. Ob Sie die Cocktails direkt aus der Dose servieren oder sie in der Küche mit einer Orangenschale garnieren, die Beweise vernichten und sie anschließend als Ihre eigenen Kreationen ausgeben, müssen Sie ganz allein mit Ihrem Gewissen ausmachen …
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