
Auto der Woche: Polestar 3
Die dritte Baureihe von Polestar ist alles andere als gewöhnlich
- Text von: Rory FH Smith
Man sagt, aller guten Dinge seien drei, doch ehrlich gesagt ist das nicht immer der Fall. In Hollywood ist der dritte Teil einer Filmreihe ziemlich oft grauenhaft – wer erinnert sich überhaupt noch an Home Alone 3? Eben. In Gesellschaft ist die Drei eine so ungünstige Zahl, dass sich dafür sogar die Bezeichnung „fünftes Rad am Wagen“ eingebürgert hat, und in der Autowelt braucht es genau drei Kinder, bevor die Praktikabilität über allem anderen stehen muss. Kurz gesagt: Die Drei ist oft enttäuschend, unpraktisch und problematisch – aber offenbar nicht in der Welt von Polestar.

Beim rein elektrischen schwedischen Autohersteller, der 2017 an den Start ging, bezeichnet die Drei das neueste SUV und zugleich – nun ja – das bislang dritte Modell der Marke. Auf der Straße bedeutet das: ein fünfsitziges SUV für 76.000 £ mit einer WLTP-Reichweite von 390 Meilen. Kommt Ihnen das bekannt vor? Durchaus. Während die meisten neuen Premium-SUVs nach einem ähnlichen Rezept entstehen – man denke an den Audi Q8 e-Tron, den BMW iX und das Mercedes EQE SUV –, gelingt es dem Polestar 3, sich mit cleverem Design, überraschenden Fahrleistungen und einem beeindruckenden Innenraum von den meisten Konkurrenten abzuheben.
Trotz seines Gewichts von 2,6 Tonnen und seiner Zuladung wirkt der Polestar 3 nicht wuchtig. Dank seines aufgeräumten, stilvollen Designs, der niedrigen Dachlinie und der gedrungenen Haltung erscheint er von außen deutlich kleiner, während der Innenraum optimal genutzt wird. Er ist eine konsequente Weiterentwicklung der Polestar 2 Limousine und greift vertraute Designelemente auf, etwa den bündig integrierten vorderen „Kühlergrill“ mit der neuen „SmartZone“, klare Flächen, präzise Linien und großzügige Glasflächen.
Der Polestar 3 geht noch einen Schritt weiter und verfügt über dezente aerodynamische Elemente, darunter einen in die Motorhaube integrierten Frontflügel und einen Heckflügel, der sich vom hinteren Teil des Dachs aus erstreckt. Diese dienen nicht nur der Optik, sondern tragen auch zur beeindruckenden Reichweite von 390 Meilen bei, indem sie die Luft um das Fahrzeug herumleiten, den Luftwiderstand verringern und die Effizienz steigern.
Zunächst stehen nur zwei „Launch Edition“-Modelle zur Wahl: die allradgetriebene Long-Range-Version mit zwei Motoren sowie dieselbe Variante mit Performance-Paket (Aufpreis: 5.600 £). Beide verfügen über eine nutzbare Batteriekapazität von 107 kWh. Das Standardmodell leistet 483 bhp, während das Performance-Paket weitere 27 bhp, mehr Drehmoment, eine optimierte Luftfederung, 22-Zoll-Leichtmetallräder und einige Akzente in Polestars charakteristischem Gold bietet, das unter anderem die Sicherheitsgurte und Bremssättel ziert. Das Gold setzt zwar überraschend wirkungsvolle optische Akzente, doch für die meisten bietet bereits das Standardmodell mehr als genug Leistung. Polestar hat zudem für die nahe Zukunft eine etwas günstigere Version mit nur einem Motor angekündigt. Wer also ein Modell für unter 70.000 £ sucht, sollte noch etwas warten.
So eigenständig sich der Polestar 3 äußerlich präsentiert, sein Glanzstück ist der Innenraum – wie man es von einem in Schweden entwickelten und gebauten Auto erwarten würde. Das Interieur ist reduziert, aber stilvoll. Zahlreiche hochwertige Recyclingmaterialien verleihen dem komfortablen und geräumigen Innenraum eine besondere Haptik. Neben recyceltem Kunststoff und Aluminium kommen neue Textilien wie MicroTech zum Einsatz, ein erneuerbares Vinyl- und Recyclingpolyestergewebe, bei dessen Herstellung Kiefernöl statt Rohöl verwendet wird.
Bei Fahrzeugen mit Wollpolsterung ist das Material vollständig rückverfolgbar und besteht ausschließlich aus Garn, das nach Tierschutzstandards zertifiziert ist. Das optionale Nappaleder ist ebenfalls hinsichtlich des Tierwohls rückverfolgbar und stammt vom schottischen Automobillederhersteller Bridge of Weir Leather. Kurz gesagt: Polestar nimmt Nachhaltigkeit ernster als die meisten vergleichbaren Marken – und das wird deutlich, sobald man in den Polestar 3 einsteigt.
Mehr über den schwedischen Autohersteller erfahren Sie in unserem Test des Polestar 2 ...


