
Auto der Woche: McLaren Artura Coupé
Ich habe mich nie wirklich als McLaren-Mann gesehen. Dann verbrachte ich ein Wochenende mit dem Artura Coupé.
- Text von: Harry Jarman
Ich sollte wohl mit einem Geständnis beginnen: Ich war noch nie ein großer McLaren-Fan. Nicht etwa, weil ich je an der Ingenieurskunst gezweifelt hätte. Ganz im Gegenteil. McLaren hat einige der technisch ausgereiftesten Straßenfahrzeuge des vergangenen Jahrzehnts gebaut. Doch auf mich wirkte die Marke immer ein wenig zu technikverliebt. Zu sehr auf Zahlen, Aerodynamik und das Herausquetschen von Zehntelsekunden bei den Rundenzeiten fokussiert – und vielleicht nicht genug auf die Emotionen und die Inszenierung, die die allerbesten Sportwagen so begehrenswert machen. Das dachte ich zumindest, bis ich das Artura Coupé fuhr.

Ich holte den Wagen in McLarens außergewöhnlichem, von Norman Foster entworfenen Technology Centre in Woking ab und machte mich damit auf den Weg nach Suffolk zur Hochzeit eines Freundes. Wie sich herausstellte, bot diese Fahrt einen nahezu idealen Test: zunächst ein ordentliches Stück Autobahn, gefolgt von einigen der herrlich kurvenreichen Landstraßen Suffolks. Und irgendwo unterwegs hat mich der Artura überzeugt.

Zunächst die Zahlen. Sein 3,0-Liter-V6 mit Biturbo-Aufladung arbeitet mit einem Elektromotor zusammen und leistet insgesamt 700 PS. Von 0 auf 100 km/h beschleunigt er in 3,0 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 330 km/h. Doch ehrlich gesagt erklären diese Zahlen nicht wirklich, warum er mir so viel Freude bereitet hat.
Der Artura bietet vielleicht den größten Fahrspaß, den ich je in einem Sportwagen erlebt habe. Das Handling ist, sagen wir mal, schlichtweg verrückt. Die Lenkung vermittelt ein wunderbar direktes Feedback, und der Wagen fühlt sich bemerkenswert leichtfüßig an – etwas, das McLaren trotz der zusätzlichen Komplexität eines Hybridantriebs bewahren konnte. Auf einer guten Landstraße in Suffolk versteht man schnell, was McLarens Besessenheit von Ingenieurskunst tatsächlich bewirkt. Der Artura fühlt sich unglaublich präzise an, ohne einschüchternd zu wirken; je schneller man fährt, desto mehr Vertrauen scheint er einem zu geben. Es ist ein Auto, das zum Fahren animiert.
Die größte Überraschung war jedoch die Bremsleistung. Die Beschleunigung ist zweifellos außergewöhnlich, doch stellenweise fand ich die Fähigkeit des Artura, zum Stillstand zu kommen, noch beeindruckender. Interessanterweise hat McLaren bewusst darauf verzichtet, die Rekuperation über das Bremspedal zu steuern, und stattdessen einem gleichbleibenden Bremsverhalten und einem guten Pedalgefühl den Vorrang gegeben.

Auf der Autobahn zeigt er sich bemerkenswert entspannt. Er fühlt sich nicht wie ein Supersportwagen an, den man ertragen muss, bis man endlich eine gute Straße erreicht. Besondere Anerkennung verdient auch der Innenraum. Hier hat sich McLaren offenbar wirklich die Zeit für den Feinschliff genommen. Die Materialien wirken langlebig und hochwertig, alle Bedienelemente erfüllen klar ihren Zweck, und es vermittelt ein beruhigendes Gefühl, dass alles auf Dauerhaftigkeit ausgelegt wurde. Dabei bleibt der Innenraum konsequent auf den Fahrer ausgerichtet, ohne karg oder unnötig kompliziert zu wirken.

Diese Kombination ist vielleicht die größte Leistung des Artura. Er ist ein hochentwickelter Hybrid-Supersportwagen, der auf McLarens Kohlefaserarchitektur basiert und mit ausgeklügelter Technologie vollgepackt ist – und doch steht nichts davon der puren Freude am Fahren im Weg. Das zu erreichen, ist schwieriger als jeder noch so beeindruckende PS-Wert.

Als ich die Schlüssel zurückgab, hatte sich meine Meinung über McLaren geändert. Das Artura Coupé hat mich überzeugt. Ich bin jetzt ein Fan. Es ist hervorragend konstruiert, unglaublich leistungsfähig und macht vor allem enorm viel Spaß.
Eigentlich muss McLaren jetzt nur noch eines tun: sich darum bemühen, die richtigen Leute ans Steuer zu bringen. Denn der Artura verdient es, auch Menschen anzusprechen, die PS-Zahlen nicht auswendig herunterbeten können (bitte nicht persönlich nehmen).
McLaren Artura Coupé: Technische Daten
- Motor
- 3,0-Liter-V6-Biturbo mit Elektromotor
- Leistung
- 700 PS / 690 bhp
- Drehmoment
- 720 Nm
- 0–100 km/h
- 3,0 Sekunden
- Höchstgeschwindigkeit
- 330 km/h
- Getriebe
- 8-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
- Antrieb
- Hinterradantrieb
- Batterie
- 7,4-kWh-Lithium-Ionen-Akku
- Elektrische Reichweite
- Bis zu 21 Meilen
- Trockengewicht
- Ab 1.395 kg
- Preis im Vereinigten Königreich
- Ab etwa 200.000 £



