
Carlos Sainz und Alex Albon vom Atlassian Williams F1 Team über ihren Weg, Williams an die Spitze zu bringen
Für unser erstes digitales Cover des Jahres begrüßen wir die Atlassian-Williams-F1-Piloten Carlos Sainz und Alex Albon, die sich auf ihre bislang wichtigste Saison vorbereiten. Neue Regeln, neue Autos und der mutige Aufbruch in eine neue Ära für das britische Team. Wird dies das Jahr, in dem Williams endlich sein lang ersehntes Comeback feiert?
- Text von: Rory FH Smith
Rückblickend war 2024 ein schwieriges Jahr für Carlos Sainz. Obwohl der spanische Formel-1-Pilot bei Ferrari am Steuer alles gab, wurde er von der in Maranello ansässigen Marke beiseitegeschoben, um Platz für den siebenmaligen Weltmeister Lewis Hamilton zu machen. Während sich alle auf Hamiltons Wechsel zu Ferrari konzentrierten – der Beitrag, in dem er wie ein Mafiaboss vor Enzo Ferraris Haus posierte, wurde mit über 5,7 Millionen Likes zum meistgelikten Formel-1-Instagram-Post aller Zeiten –, musste Sainz über seinen nächsten Karriereschritt nachdenken. Nur wenige hätten vorausgesagt, dass der Spanier zu Williams wechseln und dort Teamkollege von Alex Albon werden würde. Noch weniger hätten jedoch damit gerechnet, dass der couragierte britische Rennstall wie Phönix aus der Asche auferstehen und sich zum stärksten Team im Mittelfeld entwickeln würde.
Doch nach einer (recht erfolgreichen) Saison, auf die sie zurückblicken können, scheinen Sainz und Albon in der Formel 1 eine einzigartige Ausgangsposition zu haben. Man könnte sagen, sie seien zur richtigen Zeit am richtigen Ort – zumindest sieht es danach aus, denn Williams befindet sich nach einem Jahrzehnt enttäuschender Ergebnisse im Aufwind. Mit Blick auf das neue Reglement für 2026, Mercedes-Power im Rücken und einer gehörigen Portion Disziplin und Optimismus von Teamchef James Vowles haben Sainz und Albon nun das Potenzial, auf der Erfolgswelle von Williams zu reiten und als jene Fahrer Geschichte zu schreiben, die das große britische Rennteam zu altem Glanz zurückgeführt haben. Ihnen im Weg stehen lediglich 20 andere Fahrer, zehn andere Teams sowie ein Jahrzehnt schwacher Leistungen und mangelnder Finanzierung. Doch Außenseiter sollte man niemals unterschätzen, oder?
„Ich war inzwischen bei fünf verschiedenen Formel-1-Teams, und ich kann Ihnen sagen: Kein Team gleicht dem anderen“, sagt Sainz, während er sich an den Tisch in seinem Motorhome lehnt, von Kopf bis Fuß in die neue Teambekleidung für die Saison 2026 gekleidet. Das strahlende Weiß des Williams-Overalls bildet einen starken Kontrast zu seiner tief gebräunten Haut und seinem frisierten schwarzen Haar. „Der Wechsel von einem italienischen Team mit einer ganz anderen Kultur wie Ferrari zu einem britischen Team mit britischen Wurzeln wie Williams war eine große Umstellung. Aber das gesamte Werk hat mich herzlich aufgenommen, und ich habe mich vom ersten Tag an wie zu Hause gefühlt.“
Zweifellos wurde er an der Tür von seinem Teamkollegen Alex Albon begrüßt. Albon, inzwischen ein erfahrener Williams-Pilot in seinem fünften Jahr beim Team, wird beim Großen Preis von Miami im Mai 2026 zum Fahrer mit den meisten Rennstarts in der Geschichte von Williams. „Ich war schon hier, als das Team wirklich ganz am Boden war“, wirft er neben Sainz ein, während die beiden bei einem Vorsaison-Shooting in einem Londoner Studio eine Pause einlegen. „Ich konnte miterleben und genießen, wie sich das Team vom zehnten Platz in der Meisterschaft zu einem Team entwickelt hat, das 2025 den fünften Platz belegte.“
Da Teamchef James Vowles nach mehreren Meisterschaftssiegen mit Mercedes zu Williams kam, Sainz von Ferrari wechselte und Albon 2022 von Red Bull stieß, wissen alle drei Führungspersönlichkeiten des Teams sehr gut, wie Weltmeisterteams arbeiten. „Ich habe das Gefühl, dass Carlos und ich im Fahrerfeld eine einzigartige Position einnehmen“, räumt Albon ein. „Wir sind zwei erfahrene Fahrer, deren Ego nicht so groß ist, dass sie nur an sich selbst denken, und die bei der Entwicklung eines Autos helfen können. Ich denke, wir befinden uns in einer wirklich guten Lage: Selbst wenn wir nicht dort in die Saison starten, wo wir es uns wünschen, haben wir die richtigen Voraussetzungen, um dennoch ein starkes Comeback zu schaffen.“
Doch trotz allen guten Willens stehen Albon, Sainz und das gesamte Williams-Team in diesem Jahr vor einer gewaltigen Aufgabe. Die Saison 2026 markiert den Beginn eines neuen technischen Reglements mit kleineren, leichteren Autos, aktiver Aerodynamik und einem neuen „Überholmodus“, der das bisherige Drag Reduction System (DRS) ersetzt. Auch die Antriebseinheiten im Herzen der Autos wurden grundlegend überarbeitet: Verbrennungs- und Elektroantrieb tragen nun jeweils zur Hälfte zur Leistung bei, während ausschließlich nachhaltige Kraftstoffe zum Einsatz kommen. Das könnte Williams zugutekommen, indem es die Kräfteverhältnisse neu ordnet und dominante Teams wie McLaren und Red Bull aus der Spur bringt. Es könnte sich aber auch als katastrophal erweisen und all die harte Arbeit und die Fortschritte zunichtemachen, die Williams unter dem bisherigen Reglement erzielt hat. Wie immer hängt alles davon ab, wie gut sich das Team an die neuen Vorschriften angepasst und mögliche Schlupflöcher ausgenutzt hat.

„Wir haben 2025 geopfert, um für 2026 bereit zu sein – die Zeit wird zeigen, ob es sich auszahlt.“ – Sainz
„Die Saison 2026 ist ein unbeschriebenes Blatt – niemand weiß, was passieren wird“, betont Sainz. „Wir haben 2025 geopfert, um für 2026 bereit zu sein – die Zeit wird zeigen, ob es sich auszahlt.“ Doch nur wenige würden Sainz’ erste Saison bei Williams als „Opfer“ bezeichnen. Der Spanier bescherte dem Team mit Platz drei in Aserbaidschan den ersten Podestplatz seit vier Jahren, bevor er in Katar einen weiteren dritten Platz folgen ließ und die Saison als Neunter abschloss. Albon blieb zwar ohne Podestplatz, doch dank konstanter Punkteplatzierungen konnte er trotz dreier Ausfälle in Folge den achten Gesamtrang belegen – einen Platz vor seinem Teamkollegen.
Als ich beide Fahrer frage, ob Williams in diesem Jahr vielleicht einen Rennsieg einfahren könnte, zeigen sie sich vorsichtig optimistisch. „Träumen kostet nichts, also ist nichts unmöglich“, sagt Sainz lächelnd. „Hätte ich den Leuten gesagt, dass ich in meinem ersten Jahr bei Williams zwei Podestplätze holen würde, hätten mir das wohl nicht viele geglaubt. Auch wenn wir 2026 noch ganz am Anfang stehen, sagt mir mein Verstand, dass wir in diesem Jahr unseren ersten Sieg holen werden.“
Albon wiederum ist der Ansicht, dass „die Grundlagen dafür geschaffen sind, ein Topteam zu werden“, auch wenn Williams noch „am Anfang“ stehe. Der thailändisch-britische Fahrer wird im März 30 und gehört damit im Vergleich zu Fahrern wie Arvid Lindblad von Racing Bulls (18), Kimi Antonelli von Mercedes (19), Oliver Bearman von Haas und Isack Hajar von Red Bull (beide 21) zu den Routiniers – ganz zu schweigen vom amtierenden Weltmeister Lando Norris, der gerade einmal 26 Jahre alt ist. „Natürlich wünscht man sich, dass sich der Erfolg früher einstellt, aber einem ist auch klar, dass das nicht über Nacht passieren wird. Es wird noch ein paar Jahre dauern, bis wir so weit sind. Aber ich glaube daran.“
Obwohl der Konkurrenzkampf in der Formel 1 schon immer groß war, ist das Niveau der Fahrer laut Sainz und Albon in den vergangenen Jahren noch einmal gestiegen. „Es ist wahrscheinlich eine der anspruchsvollsten Zeiten, um Formel-1-Fahrer zu sein, denn ich glaube nicht, dass es jemals zuvor ein derart hohes Niveau an Talent und Vorbereitung gegeben hat. Heutzutage gibt es in der Formel 1 sowohl junge Fahrer als auch viel Erfahrung“, sagt Sainz.
Über seinen frischgebackenen Weltmeister, Freund und zugleich Konkurrenten Lando Norris sagt Albon anerkennend, wie gut dieser die turbulente Saison 2025 gemeistert habe. „Jetzt hat er den WM-Titel in der Tasche … er hat sich selbst bewiesen, wozu er fähig ist“, sagt er. „Er hat seine Kritiker definitiv zum Schweigen gebracht und ihnen auf der Strecke die passende Antwort gegeben.“ Albon glaubt, dass 2026 das Jahr sein wird, in dem sich die erfahrenen Fahrer gegen die jüngeren Rookies durchsetzen werden, da die Autos so komplex und mental anspruchsvoll zu fahren sein werden wie nie zuvor. „Wenn die Rookies neu dazukommen, sind sie mit allem zu 100 Prozent ausgelastet. Sie haben keine Kapazitäten, um über irgendetwas anderes nachzudenken … was das Feedback und das Verständnis dafür angeht, was das Auto braucht, werden sie keinen Vorteil haben.“
„Es geht nicht mehr nur um die reine Leistung“, sagt Albon. „Angesichts der mentalen Belastung für die Fahrer in diesem Jahr gibt es vieles zu bedenken. Es ist ohnehin schon kompliziert, und jetzt müssen wir auch noch die aktive Aerodynamik und die Batterie im Auto steuern. Das wird die Fahrer wirklich auf die Probe stellen.“
Albon zählt sich und Carlos zu den erfahrenen Fahrern und glaubt, dass nur die alten Hasen dies meistern können: am Limit zu fahren und dabei noch klar genug zu denken, um das Auto weiterzuentwickeln und das Rennen zu managen.
Natürlich ist das im Moment alles nur Spekulation. Erst wenn im März die Rennen beginnen, werden wir wirklich sehen, welche Teams und Fahrer in der neuen Ära der Formel 1 aufblühen und welche auf der Strecke bleiben. Doch Williams ist für den Erfolg gut aufgestellt. Das Team bringt alle Voraussetzungen für ein Comeback mit, angeführt von seinen beiden herausragenden Talenten Sainz und Albon. Vorausgesetzt, sie haben das richtige Material und das richtige Team hinter sich, könnten wir kurz davorstehen, die Anfänge des Wiederaufstiegs des großen britischen Formel-1-Rennstalls mitzuerleben. „Ich hoffe, dass wir am Anfang einer Reise stehen, an deren Ende Williams Weltmeister sein wird“, sagt Sainz. „Deshalb bin ich hier.“
Mehr erfahren: Die Rückkehr von Williams – ein Blick hinter die Kulissen auf James Vowles und den langen Weg zurück an die Spitze.


