
Wilderness 2026 – das war's
Auch nach fünfzehn Jahren ist Wilderness noch immer ein britisches Festival wie kein anderes: Vier unvergessliche Tage lang vereint es in Oxfordshire Weltklasse-Musik, außergewöhnliche Kulinarik und erholsame Wellnessangebote.
- Text von: Harry Jarman
Es gibt nur sehr wenige Festivals, nach denen man sich zugleich völlig erschöpft und rundum erholt fühlt. Wilderness hat dieses Kunststück schon immer vollbracht. Vier Tage lang tanzen bis zum Sonnenaufgang, ausgedehnte Mittagessen unter den Bäumen von Oxfordshire, ein Sprung ins kalte Wasser vor dem Frühstück und Gespräche, die sich wie von selbst bis tief in die Nacht ziehen. Am Montagmorgen kehrt im Cornbury Park wieder Ruhe ein, doch die Erinnerungen bleiben noch lange, nachdem die Zelte verschwunden sind.

Als Wilderness an diesem Wochenende seine fünfzehnte Ausgabe feierte, wirkte es weniger wie ein Festival, das einen Meilenstein erreicht, sondern vielmehr wie eines, das gerade richtig in Fahrt kommt. In einer Zeit, in der so viele Festivals immer größeren Headlinern oder lauteren Spektakeln hinterherjagen, hat Wilderness weiterhin etwas verstanden, das viele andere vergessen haben: Es geht nicht nur darum, wer auf der Bühne steht, sondern auch darum, welches Gefühl das gesamte Erlebnis vermittelt.

Diese Philosophie hat das Wochenende zu einem der unverwechselbarsten Kulturerlebnisse Großbritanniens gemacht: Hier verbinden sich Weltklasse-Musik, außergewöhnliches Essen, anregende Gespräche und eine gehörige Portion fröhlicher Exzentrik auf ganz natürliche Weise – und erinnern daran, warum britische Festivals nach wie vor zu den besten der Welt gehören.

Der Freitag gehörte der Tanzfläche. Eats Everything gab den Ton an, bevor Carl Cox mit einem Headliner-Auftritt eindrucksvoll daran erinnerte, warum er nach wie vor zu den ganz Großen des Techno zählt. Am Samstag wechselten die Genres mühelos: Soulwax begeisterten wie erwartet, bevor die Scissor Sisters den Cornbury Park in eine riesige Open-Air-Party verwandelten.

Einer der prägendsten Momente des gesamten Wochenendes war SISTERS: Curated by Annie Lennox, das beim Wilderness seine weltweite Festivalpremiere feierte. Die gemeinsam mit der feministischen Organisation The Circle ins Leben gerufene einmalige Zusammenarbeit verkörperte genau jene ambitionierte Programmgestaltung, für die das Festival inzwischen bekannt ist. Den krönenden Abschluss bildete natürlich Sweet Dreams (Are Made of This) – einer der unvergesslichsten Festivalmomente des Sommers, bei dem zugleich Spenden für die weltweite Unterstützung von Frauen durch The Circle gesammelt wurden.

The Valley bewies einmal mehr, warum es nach wie vor zu den großartigsten Dancefloors inmitten britischer Wälder zählt. Groove Armada, Nic Fanciulli, Layo & Bushwacka!, 2manydjs und zahllose weitere Acts ließen die Feiernden bis in die frühen Morgenstunden unter den Bäumen tanzen, während The Riddle mit intimen, perfekt kuratierten Sets begeisterte, die unter den Stammgästen des Wilderness längst legendär sind.

Andernorts sorgten geheime Auftritte von Carl Cox, Jake Shears und Professor Green dafür, dass kein Zeitplan einen wirklich auf das bevorstehende Wochenende vorbereiten konnte. Beim Wilderness sind die schönsten Erinnerungen oft diejenigen, die man nie geplant hat.
Abseits der Musik bleibt Wilderness mit seiner Art, Essen zu zelebrieren, einzigartig.

Seit fünfzehn Jahren hebt das Festival die Gastronomie weit über das übliche Festivalessen hinaus – und dieses Jahr bildete da keine Ausnahme. Neben Festbanketten an langen Tafeln mit Andi Oliver, Atul Kochhar, Margot Henderson OBE und Mike Davies gab es exklusive Chef’s-Table-Erlebnisse mit Douglas McMaster, John Chantarasak, Ash Valenzuela-Heeger und Sam Carter.

Das Wellnessprogramm des Festivals hat sich zu einem ebenso beeindruckenden Angebot entwickelt. Morgendliches Schwimmen, Saunagänge am See, Wim-Hof-Workshops, Peloton-Sessions, Klangheilung und die neuen Eisbaderlebnisse boten das perfekte Gegenmittel zu den Ausschweifungen der vergangenen Nacht. Nur wenige Festivals bringen Genuss und Ausgleich so gut in Einklang wie Wilderness. Hier gehen Vergnügen und Wohlbefinden harmonisch Hand in Hand. Vielleicht fühlt es sich deshalb auch nach fünfzehn Jahren aktueller denn je an.



