
Wer wird denn nun der nächste James Bond?
Wer bekommt die Lizenz zum Töten? Jack Lowden, Callum Turner oder Josh O’Connor?
- Text von: Jonathan Wells
Auf der offiziellen – aber eigentlich doch nicht offiziellen – engeren Auswahlliste für den nächsten James Bond stehen drei Namen. Laut The Hollywood Reporter nahmen Jack Lowden, Callum Turner und Josh O’Connor zusammen mit einem vierten, geheimnisvollen Kandidaten Ende Oktober in London an Probeaufnahmen teil.
Natürlich waren alle drei schon einmal in Gentleman’s Journal zu sehen. Turner zierte bereits unser digitales Cover; Josh O’Connor gab uns ein Exklusivinterview, als er 2021 – man höre und staune – Markenbotschafter von Aston Martin wurde; und mit Jack Lowden haben wir uns bereits zweimal zusammengesetzt, um über die Schauspielerei zu fachsimpeln. Beim letzten Mal, als es um Slow Horses ging, sagte er uns: „Es geht um Spionage in der Welt der Geheimdienste – und das macht einfach immer Spaß, ist sexy und aufregend.“
Aber wer wird der nächste 007? Wer von diesen dreien – oder der geheimnisvolle vierte Kandidat (dazu später mehr) – wird wohl die Lizenz zum Töten erhalten? Um das herauszufinden, haben wir die Lebensläufe bisheriger Bond-Darsteller durchforstet, die aktuellen Favoriten unter die Lupe genommen und versucht herauszufinden, wen die Produzenten im Sinn haben könnten ...
Wie alt sind die Bond-Darsteller, wenn sie die Rolle übernehmen?

Das Alter – und die richtige Balance dabei – spielt bei der Besetzung der Rolle offensichtlich eine Rolle. Bond-Darsteller sind in der Regel nicht zu jung (Henry Cavill soll 2005 gegenüber Daniel Craig das Nachsehen gehabt haben, weil er damals mit Anfang zwanzig als zu unerfahren galt). Zu alt dürfen sie aber auch nicht sein: Wer die Rolle von 007 übernimmt, geht eine Verpflichtung ein, die weit über ein Jahrzehnt dauern könnte.
Sean Connery war 32, als James Bond – 007 jagt Dr. No in die Kinos kam; George Lazenby war bei seinem einmaligen Auftritt 29; Roger Moore war 45, als er in Leben und sterben lassen sein Debüt gab; Timothy Dalton war 41 in Der Hauch des Todes; Pierce Brosnan war 42 in GoldenEye; und Daniel Craig war 38 in Casino Royale. Das ergibt ein Durchschnittsalter von 37,8 Jahren – Craig lag bei seinem Einstieg also fast genau im Schnitt.
Das bedeutet auch, dass einige der Kandidaten, die seit Keine Zeit zu sterben im Gespräch sind, inzwischen womöglich zu alt für die Rolle sind. Henry Cavill ist mittlerweile 43, Tom Hardy 49 und Idris Elba 54. Bei keinem von ihnen scheint es besonders wahrscheinlich, dass er in den Smoking schlüpfen wird. Immerhin verriet ein Brancheninsider im April gegenüber Variety, dass der neue 007 „viel jünger als die bisherigen Bonds“ sein werde. Deadline berichtete zudem, dass „jung und frisch“ beim Casting als Leitmotiv galt. Was uns zu … führt.
Wie sehen Bond-Darsteller typischerweise aus?

Wenn die Vergangenheit ein Anhaltspunkt ist, fällt die Antwort ziemlich eindeutig aus: weiß, männlich und traditionell ziemlich gut aussehend. Wie bei anderen Rollen, die regelmäßig neu besetzt werden – Batman (Michael Keaton, Christian Bale, Robert Pattinson u. a.), Dracula (Gary Oldman, Luke Evans, Nicolas Cage) und auch bei literarisch geprägten Spionen à la Bond wie Jack Ryan (Harrison Ford, Ben Affleck, Chris Pine, John Krasinski) –, dürfte man bei der Besetzung des nächsten 007 eher auf Kontinuität als auf Revolution setzen. Amazon MGM mag die kreative Kontrolle über die Filmreihe übernommen haben, doch Bond bleibt eine der wertvollsten Marken der Filmwelt. Eine radikale Neuerfindung wäre ein beträchtliches Wagnis.
Ian Flemings Romane liefern einige Anhaltspunkte. In Casino Royale wird Bond als „etwa 1,83 Meter groß, schlank und sportlich wirkend“ beschrieben, mit „sehr klaren graublauen“ Augen und einem „schmalen, leicht gebräunten Gesicht“. Bekanntlich orientierte sich Fleming bei seiner Figur in mancher Hinsicht am amerikanischen Sänger und Schauspieler Hoagy Carmichael. Soweit wir feststellen konnten, hat nur ein Schauspieler Carmichael auf der Leinwand verkörpert: der Kanadier Romano Orzari im Film Bix von 1991. Er ist inzwischen über sechzig und dürfte daher nicht infrage kommen. Einer der angeblichen Finalisten ist allerdings etwas über 1,83 Meter groß, schlank und blauäugig. Dazu gleich mehr.
Daniel Craig wich natürlich deutlich vom etablierten Erscheinungsbild ab. Seine Besetzung wurde mit den berüchtigten „James Blonde“-Schlagzeilen quittiert, und doch gilt er heute weithin als einer der besten Bond-Darsteller. Dennoch könnte die damalige Reaktion den Verantwortlichen bei ihrer Entscheidung noch immer im Gedächtnis sein. Vielleicht bevorzugen sie diesmal jemanden, der Flemings ursprünglicher Beschreibung näherkommt.
Das bedeutet nicht, dass das Publikum oder die Studios nicht bereit wären, etablierte Figuren neu zu denken. Michael B. Jordan übernimmt die Hauptrolle in einer neuen Verfilmung von Die Thomas Crown Affäre und tritt damit in die Fußstapfen von Steve McQueen und dem früheren Bond-Darsteller Pierce Brosnan. David Oyelowo ist für die Rolle des Mikael Blomkvist in Skys neuer Adaption von Verblendung vorgesehen und folgt damit auf Michael Nyqvist und Daniel Craig. Und natürlich haben zuletzt Jodie Whittaker und Ncuti Gatwa die Hauptrolle in Doctor Who gespielt – ein Beleg dafür, dass selbst die traditionsreichsten britischen Film- und Fernsehklassiker mit gewohnten Besetzungsmustern brechen können.
Doch es gibt einen Unterschied zwischen der Neuinterpretation einer Figur und der Abkehr von der Vorlage. Die Besetzung von Severus Snape mit Paapa Essiedu in HBOs neuer Serie „Harry Potter“ löste eine lebhafte Debatte aus. Dabei richtete sich ein Teil der Kritik eher auf die Beschreibung des Aussehens der Figur in den Büchern als auf einen Vergleich mit Alan Rickmans Darstellung. Sollten die Bond-Produzenten dies verfolgen, könnte die Lehre daraus sein, dass das Publikum Neuinterpretationen eher akzeptiert, wenn sie dem Wesen der Figur treu bleiben.
Wer besetzt die Rolle des neuen James Bond?

Diese Verantwortung – und der damit verbundene erhebliche Druck – lastet auf Nina Gold, einer erfahrenen Casting-Direktorin, deren Arbeit bereits mit mehreren Emmys ausgezeichnet wurde. Sie hat schon so einige literarische Helden besetzt: von den Kindern aus Die Chroniken von Narnia (gleich zweimal) über Ebenezer Scrooge und Robin Hood bis hin zu Paddington Bär.
Wenn wir uns die angeblich letzten drei Kandidaten ansehen, hat sie Josh O’Connor einmal besetzt – in seiner Rolle als junger König Charles III. in The Crown, die ihm zum Durchbruch verhalf –, Callum Turner hingegen noch nie. Jack Lowden hat sie allerdings schon zweimal besetzt: als MI5-Spion in Slow Horses und als Mordermittler in der demnächst erscheinenden Serie Berlin Noir. Das könnte ein gutes Zeichen für Lowden sein.
Natürlich wird auch Regisseur Denis Villeneuve bei der Besetzung mitreden. Als er Timothée Chalamet für seine Dune-Filmreihe als Paul Atreides besetzte, sagte der Regisseur: „Ich brauchte eine alte Seele im Körper eines Teenagers, und er war der perfekte Schauspieler, um das zu verkörpern.“ Er fügte hinzu, Chalamet sei „jemand, der in so jungen Jahren schon sehr interessante Lebenserfahrungen gesammelt hat, und das war auf der Leinwand spürbar“. Wenn er für Bond nach einem ähnlich breiten Erfahrungsschatz und vergleichbaren Erfolgen sucht, wäre O’Connor dann sein Favorit?
Also, wer wird der nächste James Bond?
Werfen wir einen genaueren Blick auf unsere drei Favoriten: Welche Qualifikationen bringen sie mit, wie haben sie sich bisher zu der Rolle geäußert und wie gut passen sie ins 007-Profil?
Callum Turner

Charlie Cummings for Gentleman’s Journal
Turner wird im Februar 37, etwa zu der Zeit, in der die Dreharbeiten beginnen sollen. Damit liegt er altersmäßig genau im Median aller bisherigen Bond-Darsteller. Außerdem ist er knapp 1,88 Meter groß und hat die „graublauen“ Augen des Bond aus den Romanen. Auf dem Papier ist er unser Mann. In der Praxis ist es etwas kniffliger.
Er hat bereits in Produktionen mit Spionagebezug mitgewirkt, etwa in The Capture und der demnächst erscheinenden Serie Neuromancer, aber einen Agenten hat er bislang noch nicht gespielt. Und nach den verhaltenen Kritiken zu seiner jüngsten romantischen Komödie One Night Only – darunter eine in NME, die seinen mangelnden Charme bemängelte – stellt sich die Frage: Hat er die natürliche Anziehungskraft und Präsenz, um die Rolle auszufüllen?
Tatsächlich stand er, soweit wir herausfinden konnten, bislang nur ein einziges Mal an erster Stelle der Besetzungsliste: 2017 bei The Only Living Boy in New York. Anfang November sprach sich allerdings Pierce Brosnan, mit dem er in diesem Film vor der Kamera stand, für Turner aus. „Er ist unglaublich stark“, sagte der ehemalige Bond-Darsteller. Ein prominenter Fürsprecher ist sicher hilfreich – aber ob diese Unterstützung am Ende den Ausschlag gibt?
Zumindest dürfte uns seine Partnerin Dua Lipa einen ordentlichen Bond-Song liefern, falls er die Rolle tatsächlich ergattert.
Jack Lowden

Charlie Gray for Gentleman’s Journal
Lowden sieht dem Bond aus den Romanen zwar etwas weniger ähnlich, kommt ihm aber dennoch näher, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Er ist 1,85 Meter groß und hat blaue Augen, auch wenn sein Gesicht etwas runder ist als das „schmale, leicht gebräunte Gesicht“, das Fleming beschreibt. Das weiß er selbst. 2019 sagte er gegenüber Gentleman’s Journal, er rechne nicht damit, als „einer dieser Typen mit stählernem Blick, wie wir sie seit jeher kennen“ in Betracht gezogen zu werden.
Doch inzwischen ist sein Stern weiter aufgegangen: Er hat mindestens acht Staffeln von Slow Horses abgedreht, in denen er den MI5-Agenten River Cartwright spielt – und das könnte ein gutes Omen sein. Roger Moore, Timothy Dalton und Pierce Brosnan spielten allesamt gewandte Geheimagenten oder Ermittler, bevor sie die Rolle übernahmen. Und was seine Qualitäten als romantischer Held angeht: Demnächst wird er auch als Mr Darcy, der romantische Traum schlechthin, in Netflix’ neuer Verfilmung von Stolz und Vorurteil zu sehen sein. Er weiß also durchaus, wie man Herzen höherschlagen lässt.
Hinzu kommt die bereits bestehende Verbindung zur Casting-Leitung, die man nicht unterschätzen sollte. Und was das Alter angeht? Nächstes Jahr wird er 37.
Josh O’Connor

In unseren Augen ein Außenseiter – auch wenn er es angeblich unter die letzten vier geschafft hat. O’Connor ist vielleicht der beeindruckendste Schauspieler unter den gehandelten Namen: Er hat eine erstaunliche Bandbreite an Figuren verkörpert, von Priestern über Polizisten bis hin zu Landarbeitern und Grabräubern. Und doch wirkt irgendetwas nicht ganz stimmig.
Wie Turner und Lowden ist er im idealen Alter und würde während der Dreharbeiten 37 werden. Außerdem ist er 1,85 Meter groß und hat blaugrüne Augen. Tatsächlich sieht er Lazenby ein wenig ähnlich.
Aber kann man sowohl König Charles III. als auch James Bond spielen? Frühere 007-Darsteller haben sich durchaus an Monarchenrollen versucht: Connery als Richard Löwenherz, Dalton als Heinrich V. und sogar Brosnan als Ludwig XIV. Doch viele sehen in O’Connor noch immer den Mann aus seiner Durchbruchrolle. Er spielte sie verblüffend gut, aber hat sie dem Schauspieler dauerhaft die Aura des Charmes genommen? Man kann sich nur schwer vorstellen, wie ihm der Imagewechsel gelingen soll, der sein unbeholfenes Herumdrucksen aus unseren Köpfen verbannt und durch einen souveränen Superspion ersetzt, der rund um die Welt im Einsatz ist.
Der mysteriöse Vierte

Und wer ist das letzte Mitglied dieser Fab Four? Manche haben Harris Dickinson ins Spiel gebracht, aber er ist noch damit beschäftigt, John Lennon in Danny Boyles Beatles-Filmen zu spielen, und hat sich auch schon im Kingsman-Franchise versucht. Einige andere Namen, die bei den Wettquoten weit oben stehen, sind bereits über vierzig (James Norton, Richard Madden), die können wir also getrost ausschließen.
Andere lassen sich aus anderen Gründen von der Liste streichen. Jacob Elordi ist Australier, und obwohl George Lazenby das auch war, ist schwer vorstellbar, dass man eine so prestigeträchtige Rolle einem Schauspieler von außerhalb der Britischen Inseln anvertrauen würde (mit seinen 1,96 Metern ist er außerdem zu groß, um irgendwo unauffällig undercover zu ermitteln). Robert Pattinson ist Batman, und gleich zwei Franchises wären doch etwas gierig (siehe: Henry Cavill und Superman). Nicholas Hoult und Joe Alwyn weichen ein wenig zu stark von der Beschreibung in den Romanen ab, während sowohl Jack O’Connell als auch Aaron Taylor-Johnson die raue, ungeschliffene Art von Craigs Bond mitbringen – und Villeneuve scheint sich eher an den früheren, eleganteren Versionen zu orientieren. Louis Partridge wurde ebenfalls ins Spiel gebracht, aber da er gerade erst 23 geworden ist, könnte er noch zu jugendlich wirken – wie bei Cavill wäre es dann schlicht der falsche Zeitpunkt.
Wir würden wetten, dass der vierte Kandidat ein eher unbekanntes Gesicht ist. Einige Namen, die uns ins Auge gefallen sind und auch bei den Buchmachern noch im Rennen sind, lauten Jack Barton, Fabien Frankel und Leo Suter. Suters jüngster Fernsehauftritt in Lynley lässt vermuten, dass er den Charme, die Statur und das typisch Britische mitbringt, um die Rolle überzeugend auszufüllen. Frankel mag nicht die passende Größe, Augenfarbe oder das richtige Erscheinungsbild haben, aber er hat diese geschmeidige Eleganz. Und Barton liegt, von seinen Initialen einmal abgesehen, mit 31 auf der richtigen Seite des mittleren Bond-Alters, hat sein Können in SAS: Rogue Heroes bewiesen und sieht aus wie Hoagy Carmichael. Wenn der Name dieses vierten Kandidaten aber noch nicht einmal durchgesickert ist, können wir uns kaum vorstellen, dass einer von ihnen die Rolle ergattert.
Unser abschließendes Urteil?
Wir setzen auf Callum Turner. Ist er die beste Wahl? Das bleibt abzuwarten. Was seine Ausstrahlung angeht, haben wir gewisse Bedenken, aber optisch passt er definitiv in die Rolle. Und ein Bond-Titelsong von Dua Lipa wäre einer für die Ewigkeit.
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