Skip to content
So bekommen Sie einen Körper wie Bond – laut Daniel Craigs ehemaligem Trainer

So bekommen Sie einen Körper wie Bond – laut Daniel Craigs ehemaligem Trainer

Die Schritte, um sich selbst zu einem 007 von Weltklasse zu formen

Jahrzehntelang hatte James Bond die Lizenz zum Töten – doch erst vor relativ kurzer Zeit bekam er auch eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio. Bevor Daniel Craig eine Walther in sein Holster steckte, waren die meisten Darsteller, die in die Rolle des 007 schlüpften durchschnittlich gebaut oder eher etwas schlank. Doch als dann Casino Royale in die Kinos kam und Craig in seiner winzigen blauen Badehose aus dem Wasser stieg, änderten sich die Regeln für immer.

Und diese Entscheidung, einen kräftigeren, muskulöseren Bond zu erschaffen, wurde nicht leichtfertig getroffen. Simon Waterson, der bei allen fünf Filmen als Craigs Personal Trainer fungierte (und auch Pierce Brosnan bei den letzten beiden Bond-Filmen des Iren trainierte), erinnert sich: „Es war ganz klar beabsichtigt, ihn imposanter wirken zu lassen und für einen größeren Überraschungseffekt zu sorgen.“

„Doch Training und professionelle Betreuung sind für Filme immer wichtiger geworden“, sagte Waterson zu uns, „denn die Anforderungen an Schauspieler haben sich verändert. Angesichts der schieren Menge an Stunts, der Arbeitsbelastung und der gewünschten Ästhetik sind sie heute eher mit Athleten vergleichbar. Von Marvel bis Bond ist das wirklich harte Arbeit.“

Und dennoch wollen alle Männer einen Körper wie Bond haben.

Im Folgenden analysieren wir Bonds Körper Film für Film und fragen Waterson, wie er das geschafft hat …

Für Casino Royale verlieh dynamisches Training der Rolle mehr Realismus

„Das Wichtigste“, sagt Waterson über Daniel Craigs Debüt, „war, dass er so aussehen musste, als wäre er in der Lage, seinen Job zu erledigen. Das war also der erste Punkt – die Ästhetik. Und was seine Leistungsfähigkeit anging, musste er außerdem athletisch sein.“

Der erste Film mit einem neuen Bond ist immer eine Herausforderung. Doch Waterson, der Brosnan bereits bei Die Welt ist nicht genug und Stirb an einem anderen Tag unterstützt hatte, war dieser Herausforderung mehr als gewachsen. Er entwickelte für Craig ein Trainingsprogramm, das es seinem Bond ermöglichte, seine Stunts selbst auszuführen und dabei glaubwürdig zu wirken. „Nehmen wir nur die Eröffnungssequenz“, sagt Waterson. „Er musste nicht nur großartig aussehen, sondern auch von einem Gebäude springen, über einen Zaun und dann ein Gerüst hinaufklettern. Es kam sowohl auf die schauspielerische Leistung als auch auf die körperlichen Fähigkeiten an.“

Welche Übungen kamen zum Einsatz? „Das Training dafür bestand aus zwei Komponenten. Es kombinierte dynamische, explosive Bewegungen mit schwerem Krafttraining zum Aufbau von Muskelmasse. Wir versuchen immer, in jede Übung etwas Dynamik einzubauen; dazu gehören etwa Liegestütze mit Bergsteigerbewegung und Dips mit dem eigenen Körpergewicht.“

Für „Ein Quantum Trost“ nahm 007 ab

Es stimmt. Auch wenn Craig genauso kräftig ausgesehen haben mag wie in „Casino Royale“, nahm der Schauspieler für seinen zweiten Auftritt als Superspion tatsächlich ein wenig ab. „Das war eine bewusste Entscheidung“, verrät Waterson. „Die Figur entwickelte sich weiter. Und mit ihrer Mentalität musste sich zugleich auch ihre Körperlichkeit verändern. Daniel wollte außerdem nicht, dass das Publikum zweimal dasselbe zu sehen bekommt – also beschlossen wir, insgesamt rund 4,5 kg abzubauen, sei es an Muskeln oder Fett.“

Das ließ sich relativ leicht umsetzen. Waterson sagt, dass er beim Training von Filmstars stets auf eine ähnliche, einfache Auswahl an Übungen setzt (er hat auch mit Jake Gyllenhaal, Luke Evans und Chris Pratt gearbeitet). Für den Muskelaufbau lässt er seine Klienten beim Training mehr Gewicht verwenden, dafür aber weniger Wiederholungen machen. Um die Muskelmasse zu erhalten, ist es genau umgekehrt: weniger Gewicht, mehr Wiederholungen. Und genau das haben sie für Quantum gemacht.

Welche Übungen haben sie gemacht? „Wir blieben bei denselben Übungen, variierten aber Gewichte, Wiederholungszahlen und Tempi. Wir machten also eine Art Zirkeltraining, allerdings als Split-Training. Dabei teilten wir das Training etwa in Rücken und Bizeps auf und bauten zwischendurch Cardio-Einheiten ein. Außerdem nutzten wir die Akkumulationsmethode, bei der man zunächst eine Übung für den Rücken macht und dann eine weitere und noch eine hinzunimmt. So ermüdet die Muskulatur weiterhin, während gleichzeitig die Herzfrequenz steigt.“

Für Skyfall mussten die schmal geschnittenen Anzüge berücksichtigt werden

„Die Anzüge“, sagt Waterson, „wurden dann etwas körperbetonter – und es war eine bewusste Entscheidung, die Figur schneller und effizienter zu machen, was sich auch in ihrem Körperbau widerspiegelte. Ich arbeite immer eng mit der Kostümabteilung zusammen, weil sie die Maße und Passformen kennen muss. Aber man möchte nicht so aussehen, als würde man einen übergroßen Anzug tragen, nur weil man sich ein paar ordentliche Muskeln antrainiert hat. Es sollte ein schöner, gut sitzender Anzug sein, aber er darf nicht zu eng sein – denn sonst schränkt er die Bewegungsfreiheit und den Tragekomfort ein.“

Skyfall, ein Film, in dem sich der elegant gekleidete Bond auf einem Zug eine Schlägerei liefert, auf einen fahrenden U-Bahn-Waggon springt und einen Komodowaran als Trittstein benutzt, drehte sich daher vor allem darum, Bond muskulös, aber zugleich schnell zu halten. Ob er nun das Geländer einer Rolltreppe in der U-Bahn hinunterrutschte oder mit voller Geschwindigkeit durch Whitehall rannte – Waterson räumt ein, dass dies eine Herausforderung war. „Es gibt nur sehr wenige Menschen, die im Anzug das tun, was Bond beziehungsweise Daniel in einem Bond-Film tut“, sagt Waterson lachend. „Deshalb muss man beim Körperbau sehr genau darauf achten, dass sie in diese Kleidung passen.“

Welche Übungen haben sie gemacht? „Da uns die vielen Bewegungsabläufe sehr bewusst waren, haben wir auch plyometrische Elemente eingebaut – also Übungen mit Auf-und-ab-Bewegungen, bei denen man vom Boden hochkommt. Zum Beispiel vom Kreuzheben in einen Liegestütz, dann in den Stand und anschließend wieder zurück ins Kreuzheben.“

Bei Spectre war Geduld der Schlüssel zum Erfolg

Während Craigs Zeit als Bond alterte der Schauspieler um 15 Jahre. Daher musste Waterson dafür sorgen, dass Craig für die Dreharbeiten zu „Spectre“ trotz seines nahenden 50. Geburtstags noch immer einen beeindruckenden Körper aufbauen konnte.

„Wenn man sich die fünf Filme ansieht“, sagt Waterson, „war der Ablauf normalerweise immer derselbe. Aber [hier] dauerte es einfach etwas länger – und das lag am Alter. Wenn man jedoch eine gute Grundlage geschaffen hat, reagiert das Muskelgedächtnis in der Regel recht schnell und erinnert sich. Wenn man etwas wieder aufnimmt, hat man diese Bewegungsabläufe und Muster bereits im Kopf. So stellt sich auch das ganze Körpergefühl wieder ein.“

„Man muss einfach ein wenig mehr Geduld haben“, sagt Waterson und fügt hinzu, dass Bond in Spectre auf dem Höhepunkt seines Könnens zu sehen war. Gleich zu Beginn des Films finden wir uns in Mexiko-Stadt wieder, wo 007 im Einsatz ist. Von da an reiht sich bis zum Finale auf der Themse nahezu ohne Unterbrechung ein Stunt und Nervenkitzel an den nächsten. Um diese charakterliche Stärke herauszuarbeiten und zu festigen, konzentrierte sich Waterson auf zwei zentrale Grundsätze: Kraft und Stabilität.

Welche Übungen haben sie gemacht? „Wir begannen mit Goblet Squats auf einem BOSU Balance Trainer, um Instabilität zu erzeugen – das war großartig für die Beine und die Rumpfmuskulatur. Anschließend machten wir für den Rumpf viele Roll-outs und Planks.“

Für „Keine Zeit zu sterben“ wollte Craig einen starken Abschluss der Saga

Als wir Craig als Bond in „Keine Zeit zu sterben“ wiedersehen, lebt er zurückgezogen und im Ruhestand auf Jamaika. Man hätte es Craig, damals 51, verzeihen können, wenn er sich passend zur Handlung ein wenig hätte gehen lassen. Doch wie Waterson sagt, wollten das weder der Schauspieler noch die Produzenten.

„Überhaupt nicht“, sagt Waterson. „Es wurde erwartet – und Daniel erwartete auch von sich selbst –, dass er in körperlicher Bestform erscheint. Aber das lag nicht unbedingt an der Ästhetik des Films, sondern daran, dass es harte Arbeit ist. Sieben Monate Dreharbeiten? Überall auf der Welt? Man arbeitet von morgens bis abends, ist ständig unterwegs und wechselt zwischen verschiedenen Zeitzonen.“

„Man muss also körperlich fit genug sein, um die Dreharbeiten durchzustehen; es geht nicht unbedingt darum, fit genug zu sein, um im Film großartig auszusehen. Diese Ästhetik ist ein Nebenprodukt der Arbeit und der Leistung. Uns war aber dennoch sehr bewusst, dass er alle fünf Filme miteinander verbinden wollte, indem er eine einigermaßen ähnliche körperliche Verfassung beibehielt und der Figur ein kompetentes Erscheinungsbild verlieh.“

Welche Übungen haben sie gemacht? „Um beim Sprinten eine gute Stabilität zu erreichen, trainierten wir mit zwei schweren Sandsäcken und führten seitliche Bewegungen, laterale Bewegungen, horizontale Bewegungen und Box Steps aus. All diese Übungen beanspruchen die Gesäßmuskulatur intensiv und sorgen dafür, dass die Muskeln wirklich effizient arbeiten. Das verleiht einem die nötige Explosivität und Kraft zum Sprinten.“

Lust auf mehr 007? Hier kommt das ultimative Ranking der James-Bond-Darsteller ...

Weitere Artikel