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Smartwatches vs. mechanische Uhren

Smartwatches vs. mechanische Uhren

Das eine Gerät erfasst Ihren Alltag, das andere verleiht ihm Stil. Die Wahl hängt davon ab, ob Sie jederzeit abrufbare Informationen schätzen oder die stille Freude an technischer Meisterleistung am Handgelenk.

In einer bestimmten Art von Vorstandsetage ist die Smartwatch zu einer kleinen diplomatischen Krise geworden. Auf der einen Seite sitzt die mechanische Uhr und tickt mit der gelassenen Selbstsicherheit eines erfahrenen Kabinettssekretärs vor sich hin, der mindestens vier Regierungen hat kommen und gehen sehen. Auf der anderen Seite: ein glänzendes Rechteck oder ein Kreis aus Glas, das beziehungsweise der alle paar Minuten mit Nachrichten, E-Mails und unaufgeforderten Aufforderungen zum Aufstehen vibriert.

Erstere enthält Zahnräder, Hebel und ein winziges schwingendes Herz, das unter einer Lupe von Hand zusammengesetzt wird. Letztere enthält einen Prozessor, Sensoren und mehr Software, als für die Apollo-Missionen zum Mond nötig war. Beide sind heute auf ihre jeweils eigene Art als Luxusausführung erhältlich. Die Frage ist nicht, welche die Zeit anzeigt. Sondern welche die bessere Geschichte erzählt.

Was Luxus bedeutet, wenn ein Prozessor im Spiel ist

Was Luxus bedeutet, wenn ein Prozessor im Spiel ist

Die Uhrenindustrie ließ sich einst ganz einfach einteilen: Quarzuhren waren etwas für Normalsterbliche, mechanische Uhren für Menschen, die wussten, wo das Vallée de Joux liegt, ohne erst nachschlagen zu müssen. Inzwischen gibt es eine dritte Kategorie: Smartwatches, die sich still und leise einen Platz in der Luxusdebatte erobert haben.

TAG Heuer war bei diesem Trend früh dabei. Die Connected-Serie hat sich zur Calibre E5 weiterentwickelt – einer Uhr, die wie ein ernst zu nehmendes Stück Technik aussieht und sich auch so anfühlt, statt wie ein Fitnessarmband auf Weltreise. Gehäuse aus Edelstahl oder Titan, Keramiklünetten, Saphirglas, integrierte Armbänder – alle traditionellen Erkennungsmerkmale sind vorhanden. Zumindest bis das AMOLED-Zifferblatt aufleuchtet und eine Komplikation zeigt, die Ihrem Großvater Herzrasen beschert hätte.

Louis Vuitton ging das Problem auf seine gewohnt vorhersehbare Art an und brachte die Tambour Horizon Light Up heraus, die weniger Wearable-Technologie als vielmehr eine leuchtende Skulptur ist. Gewölbtes Saphirglas über einem Ring aus LEDs mit Monogramm, Gehäuseoberflächen, die der Gepäckabteilung entlehnt sind, und Zifferblätter, die wirken, als hätte sie jemand mit ausgeprägten Ansichten über das nächtliche Paris entworfen.

Hublot entwickelte die Big Bang e, im Grunde ein klassisches Big-Bang-Gehäuse, dessen mechanisches Innenleben durch ein vernetztes Modul ersetzt wurde. Und Garmin brachte – in einem Schritt, den vor zehn Jahren niemand erwartet hätte – die Modellreihen MARQ und Descent auf den Markt: Instrumentenuhren aus Titan und Saphirglas, die nebenbei volle Smartwatch-Funktionalität bieten und über Tauchcomputer verfügen, die deutlich leistungsfähiger sind als jene, die früher wie ein Plastikklotz am Unterarm saßen.

Selbst Apple, das sich normalerweise nicht in die Schweizer Täler verirrt, hat Hermès damit beauftragt, seine Watch mit französischem Leder und französischer Typografie auszustatten, während die Apple Watch Ultra mit ihrem Titangehäuse und Details, die auch an einer aufwendig konstruierten Funktionsuhr nicht völlig fehl am Platz wären, allmählich ins Luxussegment vorgedrungen ist.

Auf den ersten Blick sind luxuriöse Smartwatches also kein Widerspruch in sich. Sie sind schlicht Computer, die sich durchaus überzeugend im Gewand altehrwürdigen Reichtums präsentieren.

Im Inneren des Gehäuses | Leiterplatte oder Kaliber

Öffnet man eine Luxus-Smartwatch, endet die Illusion ziemlich abrupt. Während ein traditionelles Uhrwerk eine kleine Stadt aus Rädern und Federn offenbart, mit polierten Kanten und gebürsteten Brücken, kommen beim smarten Pendant eine Leiterplatte, ein integrierter Schaltkreis, ein Akkupack und eine Reihe von Sensormodulen zum Vorschein. Und da ist, beinahe schon komisch unromantisch, das kleine grüne Licht. Es stammt von einer LED, die auf der Haut blinkt, damit die Uhr den Puls des darunter fließenden Blutes messen kann. Das ist zweifellos clever, doch es gibt nichts anzufasen, nichts schwarz zu polieren und nichts, dem ein Finisseur acht Stunden lang mit einem Stäbchen und Schleifpaste liebevolle Aufmerksamkeit widmen könnte.

Ganz anders sieht es bei mechanischen Uhren der Spitzenklasse aus. Bei Patek Philippe, Audemars Piguet oder A. Lange & Söhne ist das Uhrwerk ein Kunstwerk für sich. Brücken werden von Hand angliert, Schraubenköpfe auf Hochglanz poliert und selbst Oberflächen, die nur ein Uhrmacher je zu Gesicht bekommt, mit Streifenschliff und Perlage verziert. Die Royal Oak und ihre Komplikationen sind für die gebürsteten und polierten Stahlflächen ebenso berühmt wie für ihre Kalenderfunktionen. Die Laureato von Girard-Perregaux mit ihren drei Goldbrücken ist im Grunde eine Abhandlung über sichtbare Uhrwerksarchitektur im Gewand einer Sportuhr.

Luxus-Smartwatches versuchen, diese Lücke zu schließen, indem sie Gehäusen, Lünetten und Armbändern größte Aufmerksamkeit widmen. Titan der Güteklasse 5, Keramik, Saphirglas, handgenähtes Kalbsleder und sogar eine ungewöhnlich ausgefeilte Schließentechnik sind allesamt vorhanden. In manchen Fällen ist die Verarbeitung durchaus respektabel. Traditionelle Uhrwerkskunst können sie jedoch nicht glaubwürdig für sich beanspruchen, denn ein Uhrwerk im mechanischen Sinne gibt es nicht. Die Kunstfertigkeit liegt in der Software und im Industriedesign, und so sehr diese auch ihre eigenen Vorzüge haben, ist es bislang noch niemandem gelungen, einen Prozessor von Hand zu anglieren.

Funktion | Die Uhr als Werkzeug versus Statussymbol

Funktion  Die Uhr als Werkzeug statt als Totem

Wenn man rein nach dem Funktionsumfang urteilt, gewinnen Smartwatches haushoch.

Eine Calibre E5 oder Apple Watch Ultra kann Ihnen die Uhrzeit in mehreren Zeitzonen anzeigen, Sie sanft wecken, durch eine unbekannte Stadt navigieren, Ihren Lauf messen, Ihre Herzfrequenz überwachen, Ihren Schlaf aufzeichnen, ein Taxi für Sie rufen, Ihre Nachrichten entgegennehmen, Sie daran erinnern, dass Sie sich seit einer Stunde nicht bewegt haben, und Sie per Fingertipp durch die Schranke der Londoner U-Bahn bringen – und das alles, bevor eine Patek überhaupt mit der Betrachtung ihrer Gangreserve fertig ist. Die Modelle MARQ und Descent von Garmin sind im Grunde Missionscomputer in Titangehäusen, ausgestattet mit Karten, Tauchtabellen, Luftfahrtdatenbanken und Trainingsmetriken, für die man früher drei separate Instrumente und günstige Windverhältnisse benötigt hätte.

Mechanische Luxusuhren hingegen messen die Zeit und vielleicht noch ein oder zwei andere Dinge. Ein Chronograph stoppt Ihre Rundenzeiten, eine GMT-Uhr behält auf Ihrer Reise eine weitere Zeitzone im Blick, und ein ewiger Kalender erinnert Sie daran, dass der Februar mal wieder Schwierigkeiten macht. All das wird durch rein mechanischen Erfindungsreichtum bewerkstelligt und ist, objektiv betrachtet, großartig. Doch selbst die komplizierteste mechanische Uhr wird weder Ihre VO₂max berechnen noch Sie vor Auffälligkeiten bei Ihrem Ruhepuls warnen – es sei denn, Sie entwickeln eine ganz spezielle Wahnvorstellung.

Das ist keine Kritik. Es ist lediglich die Feststellung, dass mechanische Uhren und Smartwatches an unterschiedlichen Enden des Nützlichkeitsspektrums angesiedelt sind. Die eine ist ein Multifunktionswerkzeug, das sich als Schmuckstück tarnt. Die andere ist ein Schmuckstück, das ganz nebenbei zu einer äußerst raffinierten Form der Zeitmessung fähig ist.

Zeithorizonte | Software-Updates versus Generationen

Bei der Frage der Langlebigkeit spielt die mechanische Uhr ihre Stärken aus.

Eine Luxus-Smartwatch unterliegt dem Technologiezyklus. TAG hat in kaum einem Jahrzehnt bereits die fünfte Generation seiner Connected auf den Markt gebracht. Apple aktualisiert das Innenleben seiner Watch mit der Regelmäßigkeit einer Haushaltsrede. Garmins Spitzenmodelle erhalten alle paar Jahre neue Sensoren, Displays und Chipsätze. Irgendwann, meist nach dem dritten oder vierten größeren Softwareupdate, wirken ältere Modelle zunehmend langsamer oder werden nach und nach nicht mehr unterstützt. Akkus altern. Displays brennen ein. Sensoren werden von neueren Technologien überholt. Die Uhr bleibt zwar physisch tragbar, rückt aber aus dem Zentrum des Ökosystems.

Eine mechanische Uhr hingegen ist auf eine wesentlich längere Lebensdauer ausgelegt. Die gesamte Werbestrategie von Patek Philippe beruht auf der Vorstellung, dass man lediglich ihr vorübergehender Hüter ist und die Uhr eines Tages gelassen in das Leben eines künftigen Verwandten mit besserem Haar hinübergleiten wird. Selbst eine weniger exklusive mechanische Uhr wird, sofern sie alle paar Jahre fachgerecht gewartet wird, jahrzehntelange Strapazen munter tickend überstehen – auf eine Weise, mit der bislang kein Produkt der Unterhaltungselektronik mithalten kann.

Auf dem Gebrauchtmarkt zeigt sich dieser Unterschied schonungslos. Eine fünf Jahre alte Smartwatch dürfte unabhängig davon, wie kostspielig ihr Gehäuse ist, ungefähr so begehrt sein wie ein gebrauchter Gaming-Laptop. Sie funktioniert zwar noch, hat aber den Prozessor von gestern und den Akku vom letzten Jahr. Eine fünf Jahre alte mechanische Uhr hingegen, insbesondere von einem der großen Namen, ist womöglich kaum weniger wert als beim Verlassen der Boutique – und in einigen berüchtigten Fällen sogar deutlich mehr.

Luxus-Smartwatches sind daher auf dieselbe Weise luxuriös wie ein sehr gut ausgestattetes Auto: hochwertig, ausgesprochen leistungsfähig, aber letztlich dazu bestimmt, irgendwann technisch überholt zu sein. Mechanische Luxusuhren ähneln eher Möbeln oder Kunstwerken – Dingen, von denen man erwartet, dass sie ihren ersten Besitzer überdauern.

Bedeutung | Daten oder Drama

Bedeutung – Daten oder Drama

Darüber hinaus stellt sich die Frage, was genau die jeweilige Art von Uhr über Sie aussagen soll – abgesehen davon, wie Sie zu Benachrichtigungen stehen.

Eine TAG Connected E5 oder Louis Vuitton Tambour Horizon Light Up lässt auf eine gewisse Technikaffinität und den Wunsch schließen, beim Zählen der Schritte keine ästhetischen Kompromisse einzugehen. Sie vermittelt, dass Sie vielleicht ein Faible für Zahlen haben und ein Designer-Zifferblatt dem standardmäßigen digitalen Einheitsbrei vorziehen. Das ist funktionaler Luxus – genau wie ein hochwertiges Paar Laufschuhe oder eine maßgeschneiderte Wachsjacke.

Eine Patek, eine Royal Oak oder eine Lange Saxonia hingegen sagt rein gar nichts über Ihren Ruhepuls aus, dafür aber umso mehr über Ihr Verhältnis zur Tradition. Sie vermittelt, dass Sie langlebige Mechanismen schätzen, Gefallen an der Vorstellung finden, dass jemand an einer Werkbank sitzt und einzelne Komponenten von Hand verziert, und Komplikationen bevorzugen, die sich um den Kalender statt um Ihren Posteingang drehen. Ob all das tatsächlich auf Ihren Charakter zutrifft, ist unerheblich. Die kulturelle Symbolik ist so fest verankert, dass allein eine solche Uhr am Handgelenk den Mythos auf Sie überträgt.

Aus diesem Grund ersetzt die Luxus-Smartwatch für viele Sammler die mechanische Uhr nicht. Sie existiert neben ihr – im übertragenen, wenn nicht gar im wörtlichen Sinne oft am anderen Handgelenk – und kümmert sich um all die profanen Notwendigkeiten des modernen Lebens, während die mechanische Uhr den feierlichen Anlässen vorbehalten bleibt. Vielleicht tragen Sie die Apple Watch Ultra im Fitnessstudio und die Royal Oak zum Abendessen, in der Gewissheit, dass nur eine von beiden noch als begehrenswert gelten wird, wenn Ihre Enkel einst den Nachlass unter sich aufteilen.

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Entscheidungshilfe: Smartwatches vs. mechanische Uhren

Also, luxuriöse Smartwatches oder mechanische Uhren: Welche davon soll den schmalen Platz an Ihrem Handgelenk einnehmen?

Wenn Sie sich für Gesundheitsdaten, Navigation, Nachrichten, Zahlungen und ganz allgemein für das Dasein als vernetzter Bürger interessieren, ist eine Luxus-Smartwatch absolut sinnvoll. Wenn Sie sich schon ein Funkgerät ums Handgelenk schnallen, kann es wenigstens so aussehen, als hätte es seinen Platz am Tisch verdient. Eine TAG Connected aus Titan, eine Garmin MARQ an einem hochwertigen Metallarmband, eine Apple Watch Hermès an Leder, das nach einem Pariser Streitgespräch duftet – sie alle vereinen Funktionalität mit Geschmack.

Wenn Sie sich hingegen für Beständigkeit begeistern, für das stille Vergnügen eines gleitenden Sekundenzeigers, angetrieben von einer Feder, die man hören kann, wenn die Welt tatsächlich einmal still ist, dann sind die Argumente für eine mechanische Uhr unwiderlegbar. Noch keine Smartwatch hat zu einem ernst zu nehmenden Buch über die Architektur ihres Uhrwerks inspiriert. Und noch nie wurde ein Firmware-Update als schmerzlich schön beschrieben.

Die naheliegende, vernünftige Lösung besteht darin, nicht so zu tun, als müsse man sich für das eine oder das andere entscheiden. Tragen Sie eine Luxus-Smartwatch, wenn Sie deren Funktionen benötigen – mit einem hochwertig gefertigten Gehäuse und Armband, damit sie Ihr ästhetisches Empfinden nicht verletzt. Tragen Sie eine mechanische Uhr, wenn Sie die Zeit spüren möchten, statt sie nur abzulesen. Die eine hilft Ihnen, die moderne Welt zu bewältigen, die andere erinnert Sie daran, dass es das Konzept der Zeit schon sehr viel länger gibt als E-Mails.

In zehn Jahren werden die Smartmodule von heute mindestens einmal ersetzt worden sein. Die Patek, die Royal Oak, die Lange werden noch immer da sein und mit denselben kleinen, unbeirrbaren Uhrwerken weiterticken. Und wenn wir ehrlich sind, wird vermutlich auch die Person, die beides besitzt, noch dieselbe sein – nur etwas müder und mit einer längeren Liste von Benachrichtigungen, die sie ausnahmsweise einmal bewusst ignoriert.

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