
Robert Redford: Der König des Hollywood-Stils
Robert Redfords Auftritte, die allen die Schau stahlen
- Text von: Jonathan Wells
Während der Dreharbeiten zu „Die drei Tage des Condor“ (1975) nahm Robert Redford den Kostümbildner Joseph Aulisi beiseite und machte ihm einen dezenten Vorschlag. Die Jeans seiner Figur sei seiner Meinung nach ein wenig zu lang – doch ihren abgetragenen Schlaghosen-Look wollte er nicht verlieren. Also schlug er einen „Hollywood-Saum“ vor: Die Hose sollte gekürzt und der ausgefranste Saum anschließend wieder angenäht werden. Es war eine winzige, fast unmerkliche Änderung, doch sie verriet etwas Bezeichnendes über den verstorbenen Robert Redford: Dieser Mann verstand die Macht des Stils.
Denn obwohl der legendäre Schauspieler ein bemerkenswertes Werk hinterlässt, liegt Redfords wahres Vermächtnis womöglich in der Art, wie er sich kleidete – auf der Leinwand wie im Privatleben. Sein Stil war weder laut noch theatralisch. Und doch besaß er jene beiläufige Authentizität, die nur von einem Mann ausgehen konnte, der sowohl seinen eigenen Charakter als auch den jeder seiner Rollen verstand.
Und oft ließ er die Grenzen zwischen beiden verschwimmen. Ein Jahr nach Die drei Tage des Condor drehte Redford Die Unbestechlichen (1976) und arbeitete eng mit dem Kostümbildner Bernie Pollack zusammen, um einen nahezu dokumentarischen Realismus zu erzielen. Cordanzüge und Button-down-Kragen zeugten in jedem Detail von wohlüberlegter Zurückhaltung. Doch bei der Premiere des Films in Washington, D.C. erschien Redford in einem Paisleyhemd mit einem Kragen, der breiter war als Washington selbst – und bewies damit, dass er selbst dann noch den Rahmen sprengen konnte, wenn das Publikum glaubte, seinen Stil durchschaut zu haben.
Denn genau wie seine Figuren hatte auch Redfords Garderobe viele Facetten. Er konnte eine Bolotie zur Abendgarderobe tragen oder bei seinem ersten Besuch der Croisette in Cannes 1972 einen Trainingsanzug aus Frottee bis oben hin schließen – und jedem Look seine ganz persönliche Note verleihen. Seine auffälligeren Filmoutfits – der berühmte marineblaue Condor-Caban, seine Schiebermütze aus Der Clou (1973), der rosafarbene Ralph-Lauren-Anzug in Der große Gatsby (1974) – mögen die jüngsten Rückblicke dominiert haben, doch es sind die dezenteren modischen Entscheidungen des Schauspielers, die die Herrengarderobe bis heute prägen.
Bei Gatsby arbeitete der Schauspieler beispielsweise mit der Kostümbildnerin Theoni V Aldredge zusammen, die später für ihre Arbeit an dem Film einen Oscar gewinnen sollte. Trotz all des Glanzes und Glamours der Kostüme wusste Redford, dass die pastellfarbenen Hemden, die in einer Schlüsselszene besonders zur Geltung kamen, für das Herzstück sowohl der Garderobe als auch der Geschichte unverzichtbar waren. Mit der Anfertigung dieser Hemden im Vintage-Stil wurde Turnbull & Asser aus der Jermyn Street beauftragt (abseits des Sets hielt Redford bei Hemden Anto of Beverly Hills die Treue, den Meistern seines bevorzugten Spearpoint-Kragens).
Selbst bei solchen Historienfilmen schien Redford einfach in seinen eigenen Kleiderschrank zu greifen. In The Way We Were (1973) trug er verschiedene College-Strickwaren und -Pullover und prägte damit den Stil einer ganzen Generation adretter amerikanischer Herrenmode à la Ralph Lauren. Und Jeremiah Johnson (1972) entfachte mit seiner ikonischen rot karierten Jacke und dem Lagenlook im Grenzerstil erneut die Begeisterung für robuste Westernkleidung, die bis heute in moderner Arbeitskleidung nachhallt.

Diese Western-Looks, die auch in The Electric Horseman (1979) im Mittelpunkt standen, sollten Redford treu bleiben. Selbst in späteren Jahren, als er dem Sundance Film Festival in Utah vorstand, blieb seine Uniform weitgehend unverändert: Bootcut-Jeans von Levi’s, handgearbeitete Gürtel, abgetragene Stiefel und karierte Flanellhemden. Natürlich gab es Abweichungen – etwa Anzüge mit weich fallenden Schultern Mitte der 90er und einen kurzen Flirt mit monochromem Minimalismus um 2005 –, doch letztlich kehrte er immer wieder zum Ranch-Stil zurück.
Doch noch mehr als Westernkleidung war der Film stets Redfords größte stilistische Inspirationsquelle – und die Einflüsse wirkten in beide Richtungen. Nachdem er in Downhill Racer (1969) mitgespielt hatte, für den der in Seattle ansässige Hersteller Roffe den Schauspieler mit eleganter Skibekleidung ausstattete, wurde Redford zum lebenslangen Kunden und ließ sich noch jahrzehntelang maßgeschneiderte Anzüge von der Marke anfertigen. Hinzu kamen seine Accessoires, die seinem Look den letzten Schliff verliehen: die Brillen von Persol und Randolph, die Modelle mit Drahtgestell und die dunklen, runden Fassungen, die er zunächst am Set trug und später in seinen persönlichen Stil übernahm. Redford wusste stets, was eine Brille für ein weltberühmtes Gesicht bewirken konnte – ebenso wie er verstand, was ein Kostüm für eine Figur leisten konnte.
Natürlich war er vieles: Aktivist, Umweltschützer, Regisseur und Schauspieler. Doch Redfords größte und nachhaltigste Gabe war vielleicht sein Gespür für Authentizität – die Fähigkeit, alles, was er trug, eingelebt, mühelos und natürlich wirken zu lassen. Und das ist vielleicht Regel Nummer eins im Redford-Stilhandbuch: Wer den Details genügend Aufmerksamkeit schenkt, dessen Stil spricht für sich.

Rollkragenpullover mit Zopfmuster
Inspiriert von „So wie wir waren“
Runde Brille
Inspiriert von Spy Game
Rosa Baumwollhemd
Inspiriert von „Der große Gatsby“
Graue Flanelljacke
Inspiriert von „Die drei Tage des Condor“
Lammfellmantel
Inspiriert von „Downhill Racer“
Western-Bootcut-Jeans
Inspiriert von „Der elektrische Reiter“
Wer einen weiteren Meister des dezenten Leinwandstils erleben möchte, sollte sich noch einmal die Momente ansehen, in denen Steve McQueen bewies, dass er der stilvollste Mann der Welt war.


