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Der Roadster für Gentlemen: neu interpretiert und noch immer höllisch wild

Der Roadster für Gentlemen: neu interpretiert und noch immer höllisch wild

Der legendäre Vantage von Aston Martin hat ordentlich Muskeln zugelegt UND verfügt über das schnellste Verdeck seiner Klasse

Elegant, charismatisch und dezent – der Vantage von Aston Martin gilt seit Langem als Sportwagen für Gentlemen. Jeremy Clarkson bezeichnete das Modell von 2005 einmal als „das schönste Auto, das je gebaut wurde.“ Und es ist leicht zu verstehen, warum. Anders als seine auffälligeren italienischen Konkurrenten muss diese britische Ikone nicht laut auf sich aufmerksam machen. Sie ist selbstbewusst. Cool. Und sobald man hinter dem Steuer sitzt, wird klar, dass das wirklich Entscheidende unter der Motorhaube steckt.

Zur selben Zeit mutmaßte Clarkson, dass die zunehmenden geopolitischen Spannungen in der Welt dem guten alten V8 und damit auch dem Vantage bald ein Ende bereiten würden. Das ist mehr als ein Jahrzehnt her, und doch gibt es ihn noch immer. Lawrence Stroll, Executive Chairman von Aston Martin, erklärte ausdrücklich: „Wir werden sie so lange weiterbauen, wie wir dürfen.“ Die derzeitige Gesetzgebung sieht vor, reine Verbrenner bis 2030 und Hybridfahrzeuge bis 2035 auslaufen zu lassen. ABER einige Kleinserienhersteller wie Aston könnten für eine Ausnahmeregelung infrage kommen. Hoffentlich bleibt uns dieser Nationalschatz in seiner einzig wahren Form also noch lange erhalten … „Gott sei Dank.“

Die neueste Version des Vantage Roadster hat gegenüber ihrem Vorgänger ein kleines Makeover bekommen. Wie dieser etwas unbeholfene Bekannte, der mit Anfang dreißig plötzlich gesund und enthaltsam lebt und dann beschließt, sich im Fitnessstudio ordentlich Muskeln anzutrainieren. Und sein neu entdecktes Flair macht bei den Radkästen noch lange nicht halt. Seitliche Lufteinlässe flankieren nun den bulligen Frontgrill. Luftauslässe, die man eher mit dem V12 verbindet, sitzen beiderseits der konturierten Motorhaube. Größere, markantere Scheinwerfer sehen weniger wie Katzenaugen und mehr wie … Scheinwerfer aus. Von vorn ist er eine Hommage an den One-77. Doch mein Lieblingsblickwinkel ist mit Abstand der von hinten. Der geschwungene Kofferraumdeckel und der durchtrainierte Heckdiffusor – hier wurde nichts dem Zufall überlassen. Ich weiß nicht, woran es liegt, aber plötzlich hat der Kleine richtig Hintern! Eure flachärschigen Romas und F-Types könnt ihr behalten – diesen Anblick könnte ich den ganzen Tag genießen.

Erstaunlicherweise ist es den Ingenieuren von Aston Martin gelungen, dem gleichen, von AMG abgeleiteten 4,0-Liter-V8-Biturbo zusätzliche 153 PS zu entlocken und seine Leistung damit von 503 auf gewaltige 656 PS zu steigern. Das ist eine Menge Leistung für einen Sportwagen mit Hinterradantrieb und Frontmittelmotor – weshalb das Heck beim beherzten Tritt aufs Gaspedal schon mal etwas unruhig wird. Da fragt man sich unweigerlich, was um alles in der Welt sie vorher gemacht haben.

Abgesehen von den 153 zusätzlichen Pferdestärken unter der Haube hat die eigentliche Aufwertung im Innenraum stattgefunden. Eine glänzende neue Mittelkonsole dominiert das Cockpit. Statt des verwirrenden und umständlichen Sammelsuriums aus billig wirkenden Tasten und Drehreglern des alten Modells, das aus einer Mercedes-Benz C-Klasse übernommen worden war, hat Aston ein eigenes Infotainmentsystem entwickelt, das der Marke würdig ist. Und was für einen Unterschied das macht. Seidenweich laufende Walzen regeln die Klimaanlage und die Lautstärke. Das große Touchscreen-Display ist … irgendwie intuitiv (was heutzutage schon etwas heißen will).

Dennoch fühlen sich die Türen und Ablagefächer etwas hohl und plastikartig an – etwas, das man bei einem Auto dieses Kalibers nicht erwarten würde. Solche Maßnahmen zur Gewichtseinsparung wirken ein wenig übertrieben, wenn unter dem rechten Fuß 656 bhp lauern und das Ganze obendrein 175.000 £ kostet. Mich persönlich stört der eklatante Mangel an Stauraum im Innenraum nicht. Ich mag einen aufgeräumten Innenraum. Und solche Fächer ziehen ohnehin nur unnötigen Krimskrams an. Ich kann jedoch verstehen, dass dies manche Fahrer frustriert, die Parkuhren noch mit Münzen füttern und mithilfe eines Straßenatlas navigieren.

Aber im Ernst: Worauf die Ingenieure besonders stolz sind, ist der Verdeckmechanismus. Bei Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h öffnet sich das Verdeck in weniger als 7 Sekunden. Damit ist es schneller als beim McLaren 720S (11 Sekunden), Ferrari Roma (14 Sekunden) und Audi R8 (20 Sekunden). Vielleicht liegt es an unserem unberechenbaren Wetter, aber Aston scheint mehr Wert auf die Geschwindigkeit des Verdecks gelegt zu haben als jeder andere – typisch britisch!

Höchstgeschwindigkeit 202 mph | 0–60 mph in 3,5 s | 656 PS | 800 Nm Drehmoment | 4,0-Liter-V8-Biturbo | Ab 175.000 £

Weitere Informationen zum neuen Vantage Roadster finden Sie auf der Website von Aston Martin hier.

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