Der Desktop-Krempel von Nick Sullivan
Der Creative Director von Esquire USA führt uns durch das Chaos auf seinem Schreibtisch
- Text von: Nick Sullivan

Nick Sullivans Schreibtisch-Sammelsurium, im Uhrzeigersinn von oben links
#1: Schnappschüsse verschiedener Husarenoffiziere aus den 1930er-Jahren. Ich bin ein Liebhaber und kleiner Sammler jener übertrieben aufwendigen, handgefertigten und reich verzierten Paradeuniformen, die bis zum Zweiten Weltkrieg in der britischen Armee – insbesondere bei berittenen Regimentern – weit verbreitet waren. Die Handarbeit im Inneren ist ebenso spektakulär wie das Äußere. Als diese Bilder aufgenommen wurden, waren diese Offiziere vermutlich bereits vom Pferd auf den Panzer umgestiegen, wodurch ihre Uniformen noch mehr wie Relikte aus einer vergangenen Zeit wirken.
#2: Ein zufälliges Stück Eisen, das ich bei einem Mode-Shooting in der Mojave-Wüste gefunden habe. Bei Shootings sammle ich ständig rostige Metallstücke von ausgetrockneten Seeböden auf. Ich habe keine Ahnung, warum. Aber auf dem Kaminsims zu Hause erinnern sie mich an rätselhafte kleine Skulpturen.
#3: Präsidenten von Leo Marx. Angefangen bei George Washington konnte man die gesamte Reihe ehemaliger US-Präsidenten sammeln. Sie wurde bis 1972 fortgeführt, als das Unternehmen verkauft wurde und die Serie mit Richard Nixon ein eher unrühmliches Ende fand.
#4: Der iPod der ersten Generation kam 2001 auf den Markt. Ich kaufte ihn gleich am Erscheinungstag für eine Reise von London nach Auckland und lud zwei Alben darauf. Über Deutschland waren die Batterien leer.
#5: NASA-Astronaut aus Keramik zum 50. Jubiläum, Omega 2019. Alles, was mit den Mondlandungen zu tun hat, fasziniert mich. Durch meine Tätigkeit als Uhrenautor – genauer gesagt über Omega – hatte ich die Gelegenheit, eine ganze Reihe ehemaliger Astronauten kennenzulernen.
#6: Whisky-Werbefigur aus den 1960er-Jahren, möglicherweise für Long John. Ihm fehlt ein geschwungener Spazierstock, aber sein Grinsen heitert mich auf. Normalerweise trinke ich keinen Whisky.
#7: Hermes-Pilotenuhr, ca. 1935, modernes NATO-Armband. Lange Geschichte: Ich habe sie auf eBay für 213 $ in Lettland gefunden. Ihre Herkunft ist zwar unklar, doch alles deutet darauf hin, dass sie zu einer sehr kleinen Serie gehörte, die Mitte der 1930er-Jahre für das Geschäft im Faubourg St Honoré gefertigt wurde. Mit 39,5 mm ist sie für ihre Zeit groß und wurde zweifellos mit Blick auf die zivile oder militärische Luftfahrt entworfen. Sie ist meine absolute Lieblingsuhr.
#8: Aschenbecher des Kaiserlichen Yacht-Clubs, Kiel, Deutschland, frühe 1930er-Jahre. Dies war der königliche Yachtclub Deutschlands, das Pendant zur Royal Yacht Squadron in Cowes. 1937 wurde er vom NS-Staat vereinnahmt und zu einem Instrument seiner Propagandamaschinerie gemacht. Im Zuge dessen wurde der alternde, abgesetzte Kaiser Wilhelm II., der langjährige Kommodore des Clubs, kurzerhand in den Ruhestand versetzt.
#9: Noodle aus dem zweifarbigen Gorillaz-Figurenset, 2003, Kid Robot.
#10: Mercedes 200 T Kombi. Seit meinem Umzug nach New York besitze ich kein Auto mehr. Mit Ausnahme dieses hier. Aber wenn ich eines hätte, wäre ein 200T Kombi mein Traumauto.
#11: Unbekannte arabische Plakette, gefunden auf einem Flohmarkt in Florenz, Italien. Ich konnte bislang weder herausfinden, worum es sich handelt, noch aus welcher Zeit sie stammt. Für mich ist sie einfach ein zufällig entdecktes Schmuckstück.
#12: Aschenbecher aus dem Claridge’s, um 2003. Irgendein Scherzkeks steckte ihn mir beim Abschiedstrunk in die Manteltasche, als ich 2004 London verließ, um nach New York zu ziehen. Er erinnert mich an zu Hause.
#13: ST Dupont Mini-Feuerzeug. Entstanden in Zusammenarbeit mit dem Designer Mike Amiri aus Los Angeles. Ich bin ein Fan von beiden. Selbst dieses kleine Exemplar erzeugt beim Aufklappen das berühmte „Kling“-Geräusch. Traditionell ist ein Mitarbeiter dafür zuständig, sicherzustellen, dass sie alle denselben Ton erzeugen.
#14: Knöpfe des Royal Ocean Racing Club, die bald ein neues Zuhause an einem Blazer von Ring Jacket finden werden.
#15: Mützenabzeichen eines Offiziers der Royal Navy aus dem Zweiten Weltkrieg. Mich fasziniert, wie kunstvoll diese metallbestickten Abzeichen gefertigt wurden. Moderne Abzeichen der Royal Navy wirken im Vergleich geradezu erschreckend billig.
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