
Zeit für Qualität: 270 Jahre Vacheron Constantin
Wie zeitloses Design und ein unverwechselbarer, stets wiedererkennbarer Stil den anhaltenden Erfolg von Vacheron Constantin über 270 Jahre prägten
- Text von: Jonathan Wells
Bei Vacheron Constantin vergeht die Zeit – ununterbrochen seit 1755. Und seither hat der Uhrenhersteller Tag für Tag, Jahrzehnt für Jahrzehnt und Sekunde für Sekunde eines jeden Jahrhunderts in gleichmäßigem Takt die Zeit gemessen – bis ins Jahr 2025 und zum 270-jährigen Jubiläum der Marke. Heute beschäftigt Vacheron in der Westschweiz mehr als 1.100 Kunsthandwerker und Ingenieure und fertigt dort viele der bekanntesten Modelle der Uhrenwelt.
Doch die Kollektionen sind mehr als bloße Namen: Patrimony, Traditionnelle, Historiques – sie sind zu Inbegriffen der Uhrmacherkunst geworden, zu berühmten Namen, geprägt durch jahrelange Verfeinerung und sorgfältige Vollendung. Doch so akribisch ihre Uhrwerke und so kostbar ihre Metalle auch sein mögen: Der Geniestreich der Marke war und ist ihr Design. Für diese Ästhetik – zeitgemäß und zugleich zeitlos – zeichnet ein eigenes internes Team verantwortlich, das alles von der Masterline-Kollektion bis hin zu Vacherons Métiers-d’Art-Zeitmessern gestaltet.

The new Overseas Perpetual Calendar Ultra-thin

Eines der eindrucksvollsten Beispiele für die Fähigkeit des Uhrenherstellers, sich ästhetisch weiterzuentwickeln, ohne dabei seine Identität zu beeinträchtigen, ist die Overseas-Kollektion. Die ursprünglich 1996 vorgestellte Overseas wurde als Antwort der Maison auf die wachsende Nachfrage nach luxuriösen Sportuhren konzipiert. Im Laufe der Jahre wurde die Kollektion mehrfach neu interpretiert und überarbeitet, insbesondere 2004 und 2016. Doch obwohl jede Neuauflage das Design auf ein neues Niveau hebt, sind die Grundprinzipien der Kollektion – zeitlose Eleganz und technische Exzellenz – unverändert geblieben. Mit ihrem innovativen System für austauschbare Armbänder, der charakteristischen Lünette in Form eines Malteserkreuzes und dem schlanken, tonneauförmigen Gehäuse ist die Overseas zu einem prägenden Bestandteil der Markenidentität geworden.
Ein weiteres bedeutendes Vermächtnis des Uhrenherstellers ist seine Fähigkeit, exklusiv zu bleiben und zugleich auf der Weltbühne relevant zu sein. Anders als Marken, die den Markt übersättigen oder ständig in der Popkultur auftauchen, hat Vacheron seine Aura stillen Luxus bewahrt, ohne je nach Allgegenwärtigkeit oder Anerkennung zu streben. In einer Zeit, in der das Konzept des Understatements unterschätzt wird, hebt sich Vacheron deutlich ab: Seine Uhren sind subtile, erlesene Symbole formvollendeter Distinktion.

The Traditionnelle Complete Calendar Openface
Sandrine Donguy ist die Produkt- und Innovationsdirektorin der Marke und betrachtet die Zeit selbst als Schlüssel zu diesem „unermüdlichen Streben danach, die Uhrmacherkunst [von Vacheron] auf ein immer höheres Niveau zu heben“. Die Perfektionierung der hochpräzisen Uhrwerke jeder Kollektion kann ebenso viel Zeit in Anspruch nehmen, doch viele der optisch eindrucksvollsten Uhren der Maison – wie etwa die kürzlich vorgestellte Solaria Ultra Grand Complication – benötigen mitunter mehr als ein Jahrzehnt, um sich vom ersten Konzept bis zum fertigen Produkt zu entwickeln.
Doch was bedeutet schon ein Monat mehr oder weniger, ein Jahr früher oder später, wenn es um das Streben nach Perfektion geht? Ein unverwechselbares Profil braucht Zeit – und nur wenige Marken sind stilistisch so souverän wie Vacheron. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als die ersten Armbanduhren angelegt wurden, bewies die Manufaktur mit ihren avantgardistischen Kreationen eine außergewöhnliche Kreativität. In den 1970er-Jahren widersetzte sie sich dem Siegeszug der Quarzrevolution, und 2006 war sie bereit, mit der maßgeschneiderten Abteilung Les Cabinotiers die verloren geglaubte Kunst komplexer Einzelanfertigungen wiederzubeleben. Und dies sind nur einige der prägenden Momente, die zusammen das bilden, was Donguy zu Recht als „ein einzigartiges Vermächtnis und Erbe“ bezeichnet.



„Und eine der größten Herausforderungen für unsere Designer“, fügt sie hinzu, „besteht darin, sicherzustellen, dass unsere Uhren weiterhin eine stimmige Verbindung zwischen den heutigen Designtrends und den Erwartungen unserer Kunden herstellen. Kurz gesagt: Unsere Uhren sind der moderne Ausdruck unserer Uhrmachertradition und unseres Know-hows. Wenn ein neues Design unserer Ansicht nach zu weit von unserer Identität entfernt ist, passen wir seine Ästhetik oder technische Aspekte an, um das Gleichgewicht zwischen Tradition und Moderne zu wahren.“
„Unsere Uhren sind der moderne Ausdruck unserer Uhrmachertradition und unseres Know-hows …“
Diese akribische Feinabstimmung spiegelt Vacherons kompromisslosen Ansatz bei der Uhrmacherei wider. Schnelle Erfolge oder Effekthascherei sucht man hier vergebens – alles wird umfassend weiterentwickelt und gründlich erarbeitet. Doch dieser Ansatz, der viel Zeit und Ressourcen erfordert, bringt echte wegweisende Innovationen hervor. 1932 entwickelte die Marke das weltweit erste Weltzeitwerk. 1943 fertigten ihre Uhrmacher eine für damalige Verhältnisse außergewöhnlich flache Minutenrepetition – und übertrafen diese Rekorduhr ein Jahrzehnt später, im Jahr 1955. Erst im vergangenen Jahr zählte eine Grande Complication der Maison mit 63 verschiedenen mechanischen Funktionen den ersten chinesischen ewigen Kalender zu ihren beeindruckenden Komplikationen. Dieses Erbe ist von enormer uhrmacherischer Bedeutung und hat eine Marke geprägt, die dafür bekannt ist, mit der Zeit zu gehen – ohne sich jedoch ihren Trends oder Launen zu beugen. Christian Selmoni, Direktor für das Markenerbe, widmet sich beruflich der Frage, wie dieses bemerkenswerte Gleichgewicht gelingt.
„Kreativität und Innovation“, sagt Selmoni. „Ohne sie hätten wir nicht vier Jahrhunderte überdauern können. Daher haben wir uns stets der Herausforderung gestellt, unsere Uhrmacherkunst im Kontext der jeweiligen Epoche zum Ausdruck zu bringen. Ein schönes Beispiel für diese Fähigkeit, sich an Veränderungen und gestalterische Entwicklungen anzupassen, ist die Epoche des Art déco.“

The mono-pusher chronograph ref. 11059

The ref. 11243 minute repeater in pink and white gold
Selmoni beschreibt die Uhren der 1920er-Jahre als gleichermaßen „spektakulär“ und „raffiniert“. Dem Leiter des Kulturerbes zufolge fanden diese Art-déco-Zeitmesser so großen Anklang, weil sie „mit früheren Entwürfen brachen und zugleich einen erlesenen und eleganten Stil bewahrten“. „Diesen Weg verfolgen wir auch heute“, sagt er. „Wir entwerfen und fertigen Uhren, die perfekt in die heutige Welt passen und zugleich jene Designelemente und jenes technische Know-how in sich vereinen, die unsere Identität geprägt haben.“
Diese Verantwortung – als „Hüter der Marke“ zu fungieren – ist ein wesentlicher Bestandteil von Selmonis Aufgabe. Mit dem Auftrag, das Erbe der Marke in neue Modelle einfließen zu lassen, arbeitet er mit Uhrwerksingenieuren zusammen, konzentriert sich jedoch vor allem auf das Design und die Ästhetik der Uhren. „Das bedeutet aber nicht, dass wir wiederholen wollen, was in der Vergangenheit gemacht wurde“, stellt er klar. „Vielmehr wollen wir unserer Identität in Bezug auf die Uhrmacherkunst treu bleiben.“
„Ohne [Kreativität und Innovation] hätten wir nicht vier Jahrhunderte überdauern können …“
Doch Beständigkeit kann eine Herausforderung sein – nicht zuletzt, wenn eine Marke bereits seit mehr als einem Vierteljahrtausend am Markt ist. Selmoni sieht in dieser Langlebigkeit jedoch einen Vorteil und führt Vacherons Erfolg auf dem Sekundärmarkt auf die weitgehend unveränderte visuelle Identität der Marke zurück. „Der Lauf der Zeit beeinträchtigt die ästhetischen Qualitäten der Uhren nicht“, erklärt er. Wer Gefallen an den neuesten Modellen findet – darunter eine Patrimony Moon Phase Retrograde Date und eine Traditionnelle Tourbillon Perpetual Calendar, die beide im April auf der Watches and Wonders vorgestellt wurden –, dürfte demnach auch die ersten Herrenarmbanduhren mit Tonneau-Gehäuse zu schätzen wissen, die die Marke vor über einem Jahrhundert auf den Markt brachte.
„Die aktuelle Patrimony-Kollektion ist ein besonders schönes Beispiel für diesen zeitlosen, klassischen Stil“, sagt Selmoni. „Die vor 21 Jahren im eigenen Haus entworfene und von den 1950er-Jahren inspirierte Kollektion zählt nach wie vor zu den wichtigsten Kollektionen der Maison, und ihr ursprüngliches Design ist seit ihrer Präsentation im Jahr 2004 unverändert geblieben.“

The Patrimony Moon Phase Retrograde Date
Doch warum sollte man etwas ändern, das sich seit Jahren bewährt hat? Vacherons übergreifende visuelle Identität ist nach wie vor so stark, dass einige der einflussreichsten Institutionen der Kunstwelt auf sie aufmerksam geworden sind und Partnerschaften mit der Maison eingegangen sind – vom Musée du Louvre in Paris bis zum Met in New York City. Selmoni verweist auf zahlreiche weitere Kooperationen – sei es mit venezianischen Kulturausstellungen oder Museen in Pekings Verbotener Stadt – und erklärt, diese belegten, dass Vacheron untrennbar „mit der Welt der Kunst und Kultur verbunden“ sei. Sandrine Donguy teilt diese Einschätzung und fügt hinzu: „Die Wahrung höchster Designstandards ist für die Maison seit Jahrhunderten eine beständige Verpflichtung.“
„Unsere Uhren müssen unseren Stil widerspiegeln“, resümiert Donguy mit Blick auf die starke, unverwechselbare und beständige Tradition von Vacheron. „Und dieser Stil ist eine Verbindung aus zeitlosem Klassizismus, Eleganz und Raffinesse.“
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