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Nick Wakeman, Gründerin von Studio Nicholson, über den Start ihrer Marke als Ein-Frau-Unternehmen

Nick Wakeman, Gründerin von Studio Nicholson, über den Start ihrer Marke als Ein-Frau-Unternehmen

Die in London ansässige Designerin spricht über die Philosophie der Marke, Cillian Murphy und Jake Gylenhaal sowie ihren nächsten Schritt

Nick Wakeman, Kreativdirektorin und Gründerin von Studio Nicholson, entwirft zeitlose Kleidung. Mit 30 Jahren Erfahrung meidet die Designerin Trends und baut stattdessen seit 2010 eine schnörkellose Kultmarke auf, deren Produkte auf Langlebigkeit ausgelegt sind. Studio Nicholson hat seinen Sitz im Osten Londons und richtet sich sowohl an Männer als auch an Frauen. Die Marke bildet die Mitte zwischen Phoebe Philos zugänglichem Celine und dem minimalistischen Modegiganten Cos. Sie zeichnet sich durch hervorragende Passformen und Stoffe aus, denn Wakeman, die ihr Handwerk im Textildesign an der Chelsea School of Art perfektionierte, ist überzeugt, dass diese beiden Komponenten ein Kleidungsstück – wie etwa die beliebten charakteristischen Hosen der Marke – seiner Trägerin oder seines Trägers würdig machen.

„Vor 15 Jahren, kam ich nach London zurück, nachdem ich außerhalb der Stadt gelebt hatte, und dachte: ‚Was soll ich mit dem Rest meines Lebens anfangen?‘ Offenbar genau dasselbe wie zuvor. Ich hatte meine alte Marke an eine japanische Unternehmensgruppe verkauft, die nie etwas damit gemacht hat. Also machte ich genau dasselbe noch einmal, nur diesmal mit mehr Erfahrung. In meiner Auszeit hatte ich genug Yoga gemacht und war daher bereit, wieder zum Workaholic zu werden.

Ich schaute in meinen Kleiderschrank und sah all die Herrenmode, die ich über die Jahre gesammelt und für mich hatte maßschneidern und anpassen lassen. Da beschloss ich, dasselbe für Frauen zu machen. Die Idee war, dass man sich im Dunkeln anziehen konnte: Die ersten Stücke – Hemden, Strickwaren und Hosen – waren modular aufgebaut, sodass alles zusammenpasste. Grundlage ist das Mantra „Die Form folgt dem Stoff“. Die erste Kollektion entstand für Frühjahr/Sommer 2011. Ich beschloss, dass die Marke erschwinglich, aber nicht billig sein und in den besten Webereien und Fabriken der Welt gefertigt werden sollte. Rund 20 Prozent der Stoffe stammen aus Japan, 80 Prozent aus Italien. Unsere Webereien entwickeln gemeinsam mit uns neue Stoffe.

Die erste Kollektion kam anfangs nur langsam in Gang, doch dann kam ein Freund aus Tokio, sah sie sich an und sagte, er würde sie kaufen und vertreiben. Schon bald war sie dort in 15 großen Geschäften erhältlich – das war der Anfang. Die Marke kam in Japan einfach sehr gut an. Damals führte ich Studio Nicholson allein von meinem Küchentisch aus. 2017 stellte ich dann ein kleines Team zusammen und brachte, nachdem mir klar geworden war, dass unsere Hauptkundschaft männlich war, eine Herrenkollektion auf den Markt. Sie kam deutlich schneller in Gang. Ohne unsere japanischen Kunden wären wir heute nicht hier. Wir hätten schlichtweg nicht überlebt.

Mittlerweile bringen wir vier Herrenkollektionen pro Jahr heraus, zwei saisonale Kollektionen und zwei modulare Capsule Collections, die jeweils in mehreren Lieferungen erscheinen. Bei der Damenmode sind es acht Drops pro Jahr. Ich würde nur zu gern in die Berge verschwinden und eine winzige Kollektion entwerfen, denn das ist schon eine ganze Menge. Ich bin gerade dabei, den Umfang der Kollektionen erneut um etwa 30 Prozent zu reduzieren. Wir orientieren uns nicht an Trends, greifen aber ihre feinen Nuancen auf. Farbe spielt für mich keine große Rolle. Es sind alles neutrale Töne, hier und da mit einem Farbtupfer. Letztlich geht es aber darum, etwas zu schaffen, ohne das man nicht leben kann. Genau das versuche ich immer wieder. Wenn du also eine Jeans trägst: Wie fühlst du dich, wenn du darin gehst? Fühlst du dich verdammt unbesiegbar? Fühlst du dich wie die beste Version deiner selbst?

Inspiration finde ich überall. Zu Beginn der Saison gebe ich den Designern ein Briefing und erstelle ständig Moodboards. Pro Woche mache ich etwa sechs, und meine ganze Inspiration und Unterhaltung ziehe ich aus Filmen und Fotografien, insbesondere aus den Jahren 1991 bis 1998. Außerdem lese ich viel und arbeite mich durch die Bibliotheken des CSM.

Wir haben einige großartige Kunden in der Filmbranche. Die Hemden und Hosen wurden von Cate Blanchett in Tár getragen. Danach war Cillian Murphy häufig in Studio Nicholson auf der Leinwand zu sehen – aus unserer Bill Pant bekommt man ihn gar nicht mehr heraus. Mittlerweile hat er so viele davon. Im Januar war Jake Gyllenhaal eine Stunde lang bei uns im Showroom in Paris. Ihm gefiel die Kollektion sehr, und er trug unsere Kleidung während der gesamten Pressetour für Road House. Wir haben gerade die Kleidung für The Room Next Door bereitgestellt. Wenn der Film erscheint, wird Studio Nicholson also durchgehend darin zu sehen sein. Außerdem kaufen Julianne Moore, Tilda Swinton und Regisseur Pedro Almodóvar regelmäßig Stücke von uns.

Zusammenarbeit macht Spaß. Bei einer früheren Kooperation habe ich einige Möbel entworfen, was mir sehr viel Freude bereitet hat. Außerdem steht demnächst eine Zusammenarbeit mit Paraboot an. Bereits im Sommer haben wir gemeinsam einen wunderschönen Bootsschuh aus hochwertigem Rindsleder herausgebracht. Jetzt folgt der Michael, Paraboots legendärer Derby-Schuh, in einem exklusiven, satten, dunklen Rosinenton aus Hirschleder und mit Schnürsenkeln im Bergsteigerstil. Mit dieser Partnerschaft wollten wir unser Bekenntnis zu erstklassigen Materialien und zur ausschließlichen Zusammenarbeit mit ausgewiesenen Fachleuten unterstreichen. So erhält man den bestmöglichen Zugang zu Textilien und Stoffen.

Ich tauche gerade in die Welt der Düfte ein. Ich stelle mich gerne neuen Herausforderungen – und zwar ständig! Vielleicht sind als Nächstes Bettwäsche oder Wohnaccessoires an der Reihe. Darüber sollte ich einmal nachdenken.“

Dieser Beitrag stammt aus unserer Herbstausgabe 2024. Mehr darüber erfahren Sie hier.

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