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Während die alljährliche Flut uhrmacherischer Neuheiten im Frühling nun ja, ihren Neuigkeitswert verliert, entdeckt Alex Doak eine neue Welle begehrenswerter Zeitmesser, die aus den Tälern der Schweiz und Deutschlands ihren Weg an die Handgelenke findet und sein Herz höherschlagen lässt.
- Text von: Alex Doak
„Wie der Kerl so schön sagt“, sagte Harry Lime in The Third Man (1949), „herrschten in Italien 30 Jahre lang unter den Borgias Krieg, Terror, Mord und Blutvergießen, doch sie brachten Michelangelo, Leonardo da Vinci und die Renaissance hervor.“
„In der Schweiz herrschte brüderliche Liebe; dort gab es 500 Jahre Demokratie und Frieden, und was ist dabei herausgekommen?
„Die Kuckucksuhr.“
Graham Greene könnte durchaus recht gehabt haben, als er Orson Welles’ legendäre Rede vom Riesenrad in Carol Reeds Filmklassiker verfasste, doch für die Schweiz – mit ihrer traditionsreichen Uhrmacherkunst, ihren Kuckucksuhren und ihren Zulieferern – könnten die „Zeiten“ kaum unberechenbarer sein als heute.
Kaum drei Monate nach Watches and Wonders – Genfs Branchenextravaganz, die gewöhnlich die Weichen für das kommende Jahr stellt – lässt die uhrmacherische Kreativität nicht nach, ungebunden an einen einzigen festen Termin im Kalender. Jene pinzettenschwingenden „Ameisen“ am Boden, wie Welles sie beobachtete, werden niemals stillstehen, geschweige denn aufhören, an den von ihnen gefertigten Rädern, Federn und Hebeln zu tüfteln – in bewusster Auflehnung gegen unser digitales Zeitalter. Von Saisonalität oder dem berüchtigten Mangel an nationalem Kolorit ganz zu schweigen.
Wiederauferstandene Marken aus der Gruft, brandneue Farben, kühn verkleinerte Proportionen und unkonventionelle Nerd-Komplikationen, die nach Monokel, Laborkittel oder beidem verlangen … Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch die Kuckucksuhr selbst wieder im „Limetten“-Rampenlicht steht.
Breitling - Top Time B01 Chronograph 41 – Hommage an den Aston Martin DB5
Es ist sicherlich nicht der eingängigste Modellname, doch die – nennen wir sie einmal – „Aston DB5 Breitling“ ist ein vielversprechender Auftakt für den jüngsten Versuch des Autobauers aus Gaydon, seine Markenstärke mithilfe der Uhrmacherkunst auszubauen. Einst war es Jaeger-LeCoultre, dann TAG Heuer, gefolgt von Girard-Perregaux … Doch die Schwingen aus La Chaux-de-Fonds scheinen besser denn je zu denen von James Bonds bevorzugter Automarke zu passen. Zumal Breitling sich für die retro-inspirierte „Top Time“ entschieden hat, die perfekt mit Astons Oldtimer-Ikone DB5 harmoniert: Beide sind auf ihre Weise zeitlos aufregende, unvergleichliche Interpretationen ihres jeweiligen Metiers – vom stilvollen Grand Touring bis zur unerschütterlich präzisen Zeitmessung ebenjener Tour. Markant kantige Rundungen, Sicken, Klasse und alles, was dazugehört.
Vanguart - Orb aus blauer Keramik und Roségold
Vanguarts atemberaubender Aufstieg stand eigentlich nie infrage. Zwei vielseitig begabte Mitgründer mit derartigem Fingerspitzengefühl wie Axel Leuenberger und Jeremy Frelechox findet man nicht alle Tage: Sie entwickelten 15 beziehungsweise 6 Jahre lang futuristische Konzepte für Audemars Piguet Renaud & Papi in Le Locle (hinzu kam eine Station in der Komplikationsschmiede von Girard-Perregaux weiter oben im Tal, in La Chaux-de-Fonds – nur einige schachbrettartig angelegte Straßenzüge vom Vanguart-Hauptsitz entfernt). Die neue Ausführung der „Orb“, veredelt mit babyblauen Keramikelementen, verleiht einem ansonsten höchst ambitionierten technischen Quantensprung eine täuschend verspielte Note – der Preis von rund 160.000 £ unterstreicht diesen Anspruch. Neben einem schwebenden fliegenden Tourbillon bietet sie nun auch ein ungewöhnliches Aufzugssystem: Stellt man über die Krone von „manuell“ auf „automatisch“ um, erwacht ein 2 mm breiter Titanring zum Leben, rotiert am äußeren Rand des skelettierten Uhrwerks entlang und zieht es dabei auf. Erkennbar ist er nur an dem einzelnen darin gefassten Diamanten.
Tudor - Black Bay Chrono 39 „Bumblebee“
Dass sich Tudor aus dem Schatten des Mutterkonzerns Rolex gelöst und selbstbewusst emanzipiert hat, ist eine der größten Geschichten der Uhrenwelt in den vergangenen zehn Jahren. Doch erste Anzeichen für Tudors Eigenständigkeit – also mehr als nur ein anderes Logo auf einer etwas günstiger ausgestatteten Submariner – gab es bereits 1970 mit der hauseigenen „Oysterdate“. Der erste Chronograph der englischen Rose (angetrieben vom robusten, kulissengesteuerten Valjoux 7734) kam mit seinen rasanten, vom Motorsport inspirierten Farbkombinationen direkt aus der Boxengasse. Ganz in dieser Tradition steht auch der leuchtend gelb-schwarze Neuzugang dieses Sommers, der vor Energie nur so zu vibrieren scheint – nun ausgestattet mit Tudors hauseigenem Kaliber MT5813, das auf der „01“-Basiskonstruktion von Breitling beruht und von Tudor angepasst (und, ganz unter uns, sogar verbessert?) wurde.
IWC - Pilot’s Watch Chronograph 41 Mercedes-AMG PETRONAS Formula One™ Team
In mehr als einem Jahrzehnt als „Official Engineering Partner“ des Mercedes-AMG Petronas Formula One Teams hat IWC Schaffhausen eine nicht enden wollende Reihe von Uhren geschaffen, die dem Team gewidmet und für das Team bestimmt sind – und zwar nicht nur für die Fahrer Nummer 1 und 2, George Russell (UK) und Kimi Antonelli (IT). Beim glamourösen Grand Prix von Singapur im Oktober werden die beiden Stammpiloten der Silberpfeile und ihre vor den Kameras agierende Boxencrew von einer Sonderedition des legendären „Pilot’s Chronograph“ von IWC begleitet, einem robusten Cockpitinstrument. Neben den serienmäßigen Gehäusen aus sandgestrahltem Titan Grad 5 und schwarzen Zifferblättern mit Details in Petronas-Grün bietet sie eine exotische Farbgebung und ein Design, das von der Singapur-Orchidee „Vanda Miss Joaquim“ inspiriert und in Zusammenarbeit mit Mercedes-AMG F1 und Adidas entwickelt wurde.
A. Lange & Söhne - Cabaret Tourbillon Honeygold (Ref. 703.050)
Es könnte das Armaturenbrett eines Kontrollraums für einen Atomreaktor aus den Sechzigerjahren sein – nur im Miniaturformat. Kompromisslos funktional und doch in 50 Exemplaren aus exquisit poliertem, rechteckigem „Honeygold“ gefertigt: 18 Karat warm schimmerndes, kratzfestes Edelmetall, das ausschließlich dem sächsischen Uhrenhersteller vorbehalten ist. Unter dem Dach des Genfer Richemont-Konzerns hat dieser seit dem Fall der Berliner Mauer, also seit den 1990er-Jahren, mit urdeutscher Integrität wieder zu alter Stärke gefunden. Ausgestattet mit einem rotierenden „Tourbillon“-Unruhoszillator (im Grunde ein Pendel in Radform) sowie einer Datumsanzeige, die so groß ist, dass sie gleich zwei Fenster benötigt (eine Halbmondbrille hingegen nicht), wirkt die Uhr kompromisslos und zugleich auf geradezu jubelnde, nostalgische Weise „teutonisch“. Dreht man sie jedoch um, ist die jüngere Geschichte schnell vergessen: Die Brücken des handgravierten Uhrwerks erzählen von historischer Romantik, die viele Jahrhunderte weiter zurückreicht.

A. Lange & Söhne
Cabaret Tourbillon Honeygold (Ref. 703.050)
£258,000.00(300.000 €)
RM 64-01 Colnago-Fahrräder x Tadej Pogačar
Nur wenige Athleten haben ihre Sportart so schnell und nachhaltig dominiert wie Tadej Pogačar. Im Alter von gerade einmal 20 Jahren sorgte er in den Farben des UAE Team Emirates mit Platz drei bei der Vuelta a España 2019 für seinen Durchbruch in der Radsportwelt. Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Textes hat der slowenische Fahrer mit seinem fünften Gesamtsieg bei der Tour de France den Rekord eingestellt und reiht sich damit neben Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault und Miguel Indurain in den Kanon der erfolgreichsten Tour-Fahrer ein. Ein typisches Beispiel für Monsieur Milles untrügliches Gespür für neue Talente – und seine unbeirrbare Loyalität, ungeachtet aller Höhen und Tiefen. Inspiriert von der beeindruckenden Leichtigkeit von Pogačars Colnago-Rennrad überträgt Milles RM 64-01 Tourbillon Colnago die röhrenförmige Architektur des italienischen Fahrradherstellers originalgetreu in lackiertes Titan – einschließlich der damit verbundenen Torsionssteifigkeit.
Vacheron Constantin - Overseas Automatik
Eine stilvolle und feminine Größe mit 34,5 mm, aber … nicht mehr per se „feminin“. Bis vor Kurzem hätte man bei diesem Durchmesser von der traditionsreichen und vornehmen Genfer Manufaktur Vacheron Constantin wohl kaum gehört, er vereine „sportliche Eleganz mit raffinierten Proportionen, die perfekte Vielseitigkeit bieten, wobei die sechseckige, vom Malteserkreuz inspirierte Lünette in der Ausführung ohne Diamantbesatz optisch im Mittelpunkt steht“. Doch die Zeiten haben sich verändert – gerade im Geschäft mit der Zeit. Der ehrwürdigste unter den Schweizer Uhrenherstellern hat seine sportlichere Overseas-Linie tatsächlich auf dieses feine Gleichgewicht abgestimmt: aufwendig veredelte, lackierte Zifferblätter, warm und ansprechend, wahlweise in Roségoldoptik oder in kräftigen, tiefroten Farbtönen, die einen ausdrucksstarken, zeitgemäßen Charakter verleihen. Tragen Sie sie mit Selbstbewusstsein – unabhängig vom Umfang Ihres Handgelenks (oder vielleicht gerade deswegen).
Gallet - Hommage an die Multichron Yachting „Big Eye“
„Breitling bleibt die Kernmarke und der Eckpfeiler unseres neuen ‚House of Brands‘“, erinnert uns Georges Kern, CEO des Lieblingsuhrenherstellers eines jeden Fliegers (IWC: Wir lieben euch immer noch), „doch ab Anfang September dieses Jahres wird Gallet das Einstiegssegment im Luxusbereich bedienen, das von so vielen Uhrenmarken vernachlässigt wird.“ Und damit steht Gallet am einen Ende von Breitlings neuem Multimarkenuniversum, während die ebenfalls wiederbelebte Universal Genève das obere Ende markiert. „Ein entscheidendes Puzzleteil, das uns die Rückkehr in ein Preissegment ermöglicht, aus dem sich Breitling und viele Wettbewerber in den vergangenen Jahren zurückgezogen haben“, stellt Kern treffend fest. Gemeint ist die ‚Yachting Big Eye‘, die neue Übersicht in das Chaos der Vorstartphase einer Regatta bringt, wenn die Rennyachten in den letzten Minuten vor dem Startschuss um die beste Position an der Startlinie kämpfen.









