Eiswälder, Gezeiten und Samurai-Rüstungen: Wir präsentieren die bislang typischste Grand-Seiko-Kollektion für Watches & Wonders
Ultrapräzise Spring-Drive-Uhrwerke, filigrane japanische Handwerkskunst und von der Natur inspirierte Zifferblätter prägen die eindrucksvollen neuen Uhren, die Grand Seiko in Genf vorgestellt hat …
- Text von: Jonathan Wells
Grand Seiko hinterlässt auf der Watches and Wonders regelmäßig einen starken Eindruck. Im Jahr 2022 bewies die Kodo Constant-Force Tourbillon, dass eine japanische Manufaktur mit den Besten der Haute Horlogerie mithalten kann: Ihr weltweit erstmals kombinierter Tourbillon- und Konstantkraftmechanismus bildet eine Einheit auf einer einzigen Achse.
2023 bot der Tentagraph der Marke die weltweit längste Gangreserve eines automatischen Hi-Beat-Chronographen mit zehn Halbschwingungen pro Sekunde – und das in Grand Seikos erstem mechanischen Chronographen überhaupt. Im vergangenen Jahr wurde dann die UFA vorgestellt – die präziseste Spring Drive aller Zeiten.
Dasselbe Bekenntnis zu einer unverwechselbaren Ästhetik – und herausragender Präzision – steht auch bei Grand Seikos Präsentation auf der Watches and Wonders 2026 im Mittelpunkt. Und wie wir es von dem Uhrenhersteller inzwischen erwarten, sind die Designs tief in Japans Naturlandschaften und kulturellen Traditionen verwurzelt. Zusammen mit weiteren uhrmacherischen Verfeinerungen – und einigen besonders beeindruckenden Entwicklungen bei den Armbändern – sind dies die bedeutendsten Grand-Seiko-Zeitmesser, die es dieses Jahr in Genf zu entdecken gilt …
Grand Seiko „Ushio“ Diver Spring Drive UFA

Vor „UFA“ gab es „VFA“. In den 1960er-Jahren, als Grand Seiko gerade erst gegründet worden war, kennzeichnete „Very Fine Adjusted“ einige der präzisesten mechanischen Uhren, die je hergestellt wurden. Nach jahrzehntelanger Entwicklung des exklusiven Spring Drive – eines von einer Zugfeder angetriebenen, quarzgesteuerten Uhrwerks – tragen wir heute stattdessen Uhren mit „Ultra Fine Accuracy“-Kalibern am Handgelenk. Das im vergangenen Jahr vorgestellte Uhrwerk 9RB2 erreicht eine Ganggenauigkeit von etwa ±20 Sekunden pro Jahr, und das neu eingeführte 9RB1 hat nun auch seinen Weg in eine Taucheruhr gefunden.
Die Ushio Diver Spring Drive UFA, Teil der Evolution 9 Kollektion des Uhrenherstellers, steht an der Spitze dieser jüngsten Reihe von Neuheiten. Ihr Gehäuse kombiniert hochfestes Titan mit Keramik. Zudem bietet sie eine Wasserdichtigkeit bis 300 Meter, eine Gangreserveanzeige auf dem Zifferblatt (praktisch beim Tauchen) und zwei Zifferblattdesigns, die beide an die Gewässer rund um Japan erinnern.


Denn während die Zifferblätter der bisherigen Modelle der Evolution-9-Kollektion von Japans Eiswäldern und den vom Wind sanft gestreiften Oberflächen der Seen des Landes inspiriert sind – wobei sich eines sogar am nordwärts fließenden Kuroshio-Strom, auch als Schwarzer Strom bekannt, orientiert –, schöpfen die beiden neuen „Ushio“-Modelle – „Ushio“ bedeutet auf Japanisch „Gezeiten“ – ihre Inspiration aus den artenreichen Meeren und mächtigen Strömungen rund um den japanischen Archipel.
Hinzu kommt eine neue, fein verstellbare Taucherfaltschließe – eine deutliche Weiterentwicklung des im vergangenen Jahr vorgestellten, patentierten Designs für elegante Armbanduhren. Die schlankere Schließe nutzt das beliebte Schiebeverstellsystem, das erstmals bei der von Eiswäldern inspirierten UFA zum Einsatz kam, und verfügt nun über ein zusätzliches Verlängerungsglied, das einen noch größeren Verstellbereich ermöglicht – insbesondere beim Tragen über einem Neoprenanzug. Bei dieser Optik passt sie allerdings zu einem dreiteiligen Anzug ebenso gut wie zu einer kompletten Tauchausrüstung.
Grand Seiko „Mystic Waterfall“ Spring Drive 44GS – exklusive, limitierte Boutique-Edition

Auch die zweite Neuheit von Grand Seiko zur Watches & Wonders 2026 steht ganz im Zeichen des Wassers – diesmal stammt die Inspiration jedoch eindeutig aus der Welt des Süßwassers. Das ausschließlich im Vereinigten Königreich in der Grand-Seiko-Boutique in der Londoner Bond Street erhältliche Modell „Mystic Waterfall“ wird vom Spring-Drive-Kaliber 9R02 mit Handaufzug angetrieben und greift optisch die Gischt der Tateshina-Otaki-Wasserfälle auf.
Doch dieses Modell ist etwas ganz Besonderes. Die Wasserfälle liegen im Tateshina-Genseirin-Urwald nahe Shinshu – wo Yoshikazu Akahane 1977 erstmals die Idee für das einzigartige Spring-Drive-Uhrwerk der Marke entwickelte – und dienten nicht nur als Inspiration für das Zifferblatt, sondern auch für das 40-mm-Platingehäuse, das von erfahrenen Takumi-Kunsthandwerkern graviert wurde.


Die kunstvollen Gravuren fangen die natürliche Bewegung des herabstürzenden, rauschenden Wassers mithilfe zweier traditioneller japanischer Techniken ein. Für die wirbelnden Muster kommt zunächst die „Leutor“-Handgravur zum Einsatz, ergänzt durch gerade, mit der „Wa-bori“-Technik gravierte Rahmenlinien um die Logos von Grand Seiko und Spring Drive. Da dieser Prozess in Handarbeit erfolgt, gleicht keine „Mystic Waterfall“-Uhr der anderen.
Weltweit werden nur 50 Exemplare erhältlich sein, davon eine sehr geringe Anzahl im Vereinigten Königreich. Jedes verfügt über Zeiger aus 14-karätigem Weißgold, die auf die Edelmetallindizes der Uhr abgestimmt sind. Die Gehäusebodenplatte aus 18-karätigem Gold kann individuell gestaltet werden. Abgerundet wird die vom Wasserfall inspirierte Uhr durch ein traditionelles Kyoto-Lederarmband aus hochwertigem, von Hand bedrucktem japanischem Wagyu-Leder, gefertigt in einer Stadt, die für ihre handwerkliche Lederverarbeitung bekannt ist.
Handwerker gerben Häute zu Himekawa-Yuzen-Leder, einem dampfbeständigen Material, das anschließend mit Indigo-, Sandelholz- und Kirschblütenpigmenten nach traditionellen, aus der Kimono-Herstellung übernommenen Techniken gefärbt wird. Historische Verfahren wie „Sumi-Nagashi“ – die Kunst der Marmorierung mit auf Wasser schwimmender Tusche – erzeugen einzigartige, vom Wasser inspirierte Muster mit metallischen Akzenten, die das Design effektvoll vollenden.
Grand Seiko „Ice Forest at Dawn“ Spring Drive UFA Boutique Exclusive Limited Edition aus 18 Karat Gold

Hier bei Gentleman’s Journal ließen sich einige unserer liebsten Grand-Seiko-Zeitmesser von eisigen Landschaften inspirieren. Von der „Taisetsu Winter Snow“ bis zur „Skyflake“ Quartz greifen die ausdrucksstärksten Modelle im Katalog des Uhrenherstellers häufig die Minusgrade in Japans unwirtlicheren Regionen auf und fangen diesen frostigen Geist in klarem Titan und blau schimmerndem Stahl ein.
Die neue „Ice Forest at Dawn“ interpretiert dieses Motiv auf dunklere, besinnlichere Weise. Inspiriert von den frühen Morgenstunden in den Lärchenwäldern der japanischen Region Suwa, besitzt dieses Modell aus 18-karätigem Gelbgold ein tiefgründiges Zifferblatt mit dezenten vertikalen Linien und feinen Sprenkeln, die an Sterne – oder Eiskristalle – erinnern. Eine faszinierende Ästhetik, die durch den Kontrast mit einem schwarzen Armband aus Krokodilleder noch verstärkt wird.


Hinter diesem bezaubernden Zifferblatt arbeitet dasselbe UFA-Spring-Drive-Kaliber mit einer Ganggenauigkeit von ±20 Sekunden pro Jahr. Zusammen mit einer Gangreserve von 72 Stunden, einem attraktiven Sichtboden und einem vielseitigen, dezenten Gehäusedurchmesser von 37 mm ergibt sich eine Uhr, die ihre Geschichte erzählt, ohne sich je in den Vordergrund zu drängen.
Weltweit werden nur 80 Exemplare erhältlich sein – etwas mehr als vom oben vorgestellten Modell „Mystic Waterfall“, aber dennoch nur sehr wenige in der Grand-Seiko-Boutique in der Londoner Bond Street. Doch bei diesem Modell geht es weder um Exklusivität noch darum, seine Seltenheit zur Schau zu stellen. Vielmehr spiegelt „Ice Forest at Dawn“ seinen Namensgeber wider: still, auf zurückhaltende Weise bemerkenswert und unendlich cool.
Grand Seiko Kirschblüten „Sakura-Wakaba“ Hi-Beat aus 18-karätigem Gold

Die Heritage-Kollektion der Marke erhält auf der diesjährigen Watches & Wonders Zuwachs durch drei neue Modelle. Dazu gehören zwei Damenuhren – die „Hana-Ikada“ und die „Hana-Ikada Blue“ – mit jeweils 32,3-mm-Gehäusen und Zifferblättern, die von Kirschblütenblättern inspiriert sind, die auf der Oberfläche eines Flusses zur Ruhe kommen. Die hier gezeigte „Sakura-Wakaba“, ein 38-mm-Modell, ist ebenfalls von der sanften Schönheit des symbolträchtigen Nationalbaums Japans inspiriert.
Benannt nach einer der 24 japanischen Jahreszeiten – jener Phase, in der die Kirschblüten erblühen und sich die ersten frischgrünen Blätter zeigen –, vermittelt das Zifferblatt der „Sakura-Wakaba“ mit sanften silbrig-grünen Farbtönen das Gefühl einer warmen Frühlingsbrise. Es ist ein ungewöhnlicher Farbton, der das Interesse jener Sammler wecken dürfte, die sich vor einigen Jahren vom Trend zu kräftigeren grünen Zifferblättern angezogen fühlten (eine Farbpalette, die Grand Seiko selbst bei Modellen wie der „Green Birch“ und der „Genbi Valley“ aufgegriffen hat).


Auch ein weiteres traditionsreiches Uhrwerk spielt hier eine Rolle: das erstmals 1968 vorgestellte Hi-Beat-Kaliber, das dank der hohen Schwingungsfrequenz seines internen Regulators (Unruh und Spiralfeder) nach wie vor eine hohe mechanische Präzision bietet. Insgesamt ist dies eine elegante Uhr mit einem klassischen braunen Armband aus Krokodilleder, einem Gehäuse aus 18-karätigem Gelbgold mit Sichtboden und einem dezenten Datumsfenster.
Und trotz all ihrer Romantik und poetischen Inspiration ist sie vielleicht die traditionellste unter den Neuheiten von Grand Seiko. Sie ist ein wahrhaft zeitloser Zeitmesser – und führt die beständige Philosophie des Uhrenherstellers fort, wonach jedes Modell das Land, aus dem es stammt, würdigen und widerspiegeln soll.
Grand Seiko „Iwao Blue“ Spring Drive mit Handaufzug – exklusiv in der Online-Boutique

Neu in der Elegance-Kollektion ist ein neues Modell in tiefem Blau mit einem 38,5-mm-Edelstahlgehäuse und einem passenden Armband. Wir haben bereits neue Grand Seiko-Modelle gesehen, die Meeresströmungen und Eiswäldern Tribut zollen, doch dieses Design ist von etwas Rauem inspiriert: Felsformationen an der Küste. Diese als „Iwao“ bekannten Felsen und Felsvorsprünge sind von den japanischen Alpen bis zum Kirigamine-Hochland zu finden. Ihre raue, natürliche Struktur spiegelt sich auf dem Zifferblatt dieser Neuerscheinung wider.
Hinzu kommt ein weiterer Einfluss: der satte, dunkelblaue Farbton. Er ist als „Katsu-iro“ bekannt, eine tief in der japanischen Geschichte verwurzelte Farbe, die traditionell mithilfe jahrhundertealter Indigo-Färbetechniken erzielt wird. Berühmt wurde der Farbton durch seine Verwendung bei Samurai-Rüstungen, wo er sowohl wegen seiner Symbolkraft als auch seiner markanten Tiefe geschätzt wurde. Auch diese Uhr bleibt einem der Grundprinzipien der Samurai-Philosophie treu: Gi, der handwerklichen Integrität, die sich in der sorgfältigen Fertigung der „Iwao Blue“ widerspiegelt.


Das doppelt gewölbte Saphirglas ist robust, die Dreifachfaltschließe vermittelt ein beruhigendes Gefühl von Sicherheit, und das Spring-Drive-Kaliber mit Handaufzug arbeitet so zuverlässig und präzise wie eh und je. Auch die Art und Weise, wie Grand Seiko hier zwei beständige japanische Traditionen vereint, hat etwas ungemein Stimmiges: die Ehrfurcht vor der Natur und den tiefen Respekt vor dem kulturellen Erbe des Landes. Felsenfest und stark wie ein Krieger – von einer widerstandsfähigen Stahluhr kann man kaum mehr verlangen.
In ihrer Gesamtheit wirken diese jüngsten Neuheiten wie mehr als nur eine Reihe neuer Referenzen – sie bringen auf den Punkt, was Grand Seiko am besten kann. Verwurzelt in der Landschaft, geprägt vom kulturellen Erbe und angetrieben vom unermüdlichen Streben nach Verbesserung, verkörpert jede Uhr eine unverkennbar japanische Balance zwischen Vergangenheit und Zukunft. Und es ist diese stille Beständigkeit – dieses Bekenntnis zur Weiterentwicklung, ohne dabei je die eigenen Wurzeln aus den Augen zu verlieren –, die Grand Seiko weiterhin von anderen abhebt.
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