
Ein ausgiebiger Ausschank Willem Dafoe
Der preisgekrönte Schauspieler ist eine vielschichtige Persönlichkeit. Hier spricht er über Mondlandungen, Schwertkämpfe und seine Rolle in einem neuen Kurzfilm von Laphroaig ...
- Text von: Jonathan Wells
Es ist sechs Jahre her, seit ich zuletzt mit Willem Dafoe gesprochen habe. Damals sprachen wir über Engel und Akzente, Teufel und Zweifel — während draußen vor dem Fenster Explosionen zischten und knallten. Es war die Bonfire Night in London, doch Dafoes sprühende Beobachtungen konnten es Schlag auf Schlag mit dem Feuerwerk aufnehmen. Heute hängt wieder Rauch zwischen uns in der Luft — allerdings von anderer Art. Denn diesmal beschreibt der Schauspieler einen Schluck jenes ausgesprochen torfigen schottischen Whiskys: Laphroaig.
Dafoes unverwechselbares Gesicht ist das neueste Aushängeschild der laufenden „Unphorgettable“-Reihe der 240 Jahre alten Destillerie. Eine gute Wahl, denn wie sich herausstellt, ist der Schauspieler nicht nur vor der Kamera eine absolut einzigartige Erscheinung, sondern auch im Blending-Labor. Gemeinsam mit Senior Whisky Blender Sarah Dowling hat er kürzlich einen Whisky in limitierter Auflage kreiert, der nach einer kurzen Reifezeit im nächsten Jahr auf den Markt kommen wird. Eine Spirituose, geprägt von Salz und Süße – aber mit einer unerwartet leichten Rauchnote.
„Das war die größte Überraschung“, sagt Dafoe über den Prozess. „Denn ich dachte immer, ich würde sehr torfige und rauchige Whiskys mögen, wissen Sie? Etwas Kräftiges! Aber in Wahrheit – und das wurde mir erst klar, als sie mich Schritt für Schritt heranführten – kann ein zu starkes Raucharoma die feineren Nuancen überdecken. Bei der Verkostung begann ich also zu verstehen, dass diese subtileren Noten nur dann zum Vorschein kommen, wenn etwas weniger Rauch und etwas weniger Torf im Spiel sind.“

Dafoe ist nach eigenem Bekunden kein großer Trinker – doch wenn, dann wäre Whisky stets die Spirituose seiner Wahl (natürlich ohne Eis). Aber das ist kaum verwunderlich, schließlich liegt es ihm im Blut. Unter den genetischen Malzsorten, aus denen sich seine Familienmischung zusammensetzt, finden sich bei Dafoe deutsche, irische und schweizerisch-französische Wurzeln. Seine Großmutter allerdings war Schottin, und seine erste Reise außerhalb seiner Heimat, der USA, führte ihn nach Glasgow. Seine Eltern hingegen waren durch und durch amerikanisch. „Eisenhower-Republikaner“, sagt Dafoe nickend.
„Gute, liebe, fleißige, gottesfürchtige Menschen“, fügt er hinzu. „Aber obwohl ich ein anderes Leben führe als sie, habe ich von ihnen doch eine gewisse Arbeitsethik übernommen. Ich habe gelernt, wie wertvoll Demut und wie wichtig Mitgefühl sind. Sie waren liebe Menschen. Sehr, sehr liebe Menschen.“
Im Rahmen seiner Partnerschaft mit Laphroaig hat der Schauspieler aus seinen Kindheitserinnerungen geschöpft – natürlich nicht aus etwas so Geradlinigem wie Whisky, sondern aus frühen Erinnerungen an seine eigene Erzählfreude und seinen Wagemut. Denn schon als Kind liebte Dafoe Abenteuer, und eine seiner lebhaftesten Erinnerungen gilt einer Expedition, die er in den Kleiderschrank seines Kinderzimmers unternahm.
„Ich erinnere mich, dass ich die ersten Mondlandungen mit großer Begeisterung verfolgte“, erzählt der Schauspieler, „und dabei zusah, wie die Astronauten auf engstem Raum in einer Kapsel eingeschlossen waren. Und als Kind fragte ich mich natürlich: Könnte ich das auch? Wie würde sich das anfühlen? Am ehesten konnte ich diese Erfahrung nachempfinden, indem ich zwei Tage lang im Kleiderschrank meines Zimmers blieb. In Wirklichkeit habe ich es natürlich wahrscheinlich nicht besonders lange ausgehalten, aber der Impuls war da. Manche mögen das seltsam finden, doch darin zeigte sich erstmals mein Wunsch, Situationen zu schaffen, in denen ich mich selbst auf die Probe stellte – eine Art Performancekunst-Übung.“
Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass Dafoes Garderobe Eindruck hinterließ. Ob maßgeschneiderte Looks für den roten Teppich oder avantgardistische Outfits auf der Leinwand: Der Schauspieler ist zwar vor Kurzem 70 geworden, sorgt mit seiner Mode aber nach wie vor für Aufsehen – auch wenn er selbst nie versuchen würde, seinen eigenen Stil einzuordnen oder zu kategorisieren.
„Vielleicht ist genau das ja mein Stil!“, lacht er. „Aber nein, das überlasse ich anderen. Es gibt Sachen, die mich wirklich ansprechen, und andere, in denen ich mich einfach nicht wohlfühle. Sehen Sie, ich bin Schauspieler, also weiß ich ein Kostüm zu schätzen. Gleichzeitig versuche ich aber, mir nicht allzu viele Gedanken darüber zu machen, wie ich mich präsentiere oder was die Leute abseits meiner Arbeit von mir halten. Wie jeder andere orientiere ich mich daran, worin ich mich wohlfühle – und an Stilen, die nicht zu viel darüber verraten, wer ich bin.“
„Ich versuche, mir nicht allzu viele Gedanken darüber zu machen, wie ich mich präsentiere …“
Dafür sorgen größtenteils schon seine Figuren. Dafoe steht seit fast einem halben Jahrhundert vor der Kamera, hat in über 150 Filmen mitgewirkt, und sein Repertoire an Figuren ist so vielfältig, intensiv und vielschichtig wie eine gute Whiskysammlung. Mit Rollen in Platoon und Geboren am 4. Juli hat er das markante, bombastische, uramerikanische Zeug im Regal, daneben finden sich aber auch die frischeren, blumigeren Pastelltöne seiner Arbeiten mit Wes Anderson sowie die tiefgründigeren, komplexen Kollaborationen mit dem Horror-Auteur Robert Eggers. In Yorgos Lanthimos’ gefeiertem, noch relativ jungem Film Poor Things spielte Dafoe sogar erstmals einen Glasgower.
Doch für seine neueste Rolle verschlug es Dafoe ins ländliche Schottland – für den Dreh eines Kurzfilms für Laphroaig. Unter dem Titel The Taste ist ein angemessen abstrakter, exzentrischer Kurzfilm entstanden – geprägt von Minimalismus, monochromen Kulissen und zungenbrecherischer Erzählkunst. Um die Essenz des Wesens des Schauspielers herauszuarbeiten, wandte sich die Destillerie an den legendären Regisseur Tim Pope, den Visionär hinter den ikonischen Musikvideos von David Bowie, Paul Weller und Iggy Pop. Doch auch in dieser Welt fühlt sich Dafoe wohl – seine Frau Giada Colagrande, mit der er seit 20 Jahren verheiratet ist, macht unter dem Namen AGADEZ zeitgenössische Weltmusik mit Groove-Einflüssen. Dafoe erzählt, er habe heute bereits „Tefnut“ gehört, einen Song aus ihrem neuesten Album Queendoms Unplugged. „Es ist ein Konzeptalbum über Göttinnen“, erklärt er, „und jedes Stück handelt von einer Göttin aus einer anderen Kultur.“

Der letzte Film, den Dafoe gesehen hat, war ebenfalls italienisch. Agon ist das Debüt von Giulio Bertelli, der den Film beim diesjährigen Filmfestival von Venedig zeigte. „Es ist eine fiktive Geschichte über drei aufstrebende Sportlerinnen“, sagt Dafoe, „und sie hat mir ziemlich gut gefallen. Der Film hat mich wirklich überrascht, vor allem weil er aus drei Geschichten bestand und ich diese Form normalerweise nicht mag. Aber er hat sie auf wunderschöne Weise miteinander verwoben. Er beleuchtete eindringlich die menschliche Seite, die Belastungen sowie die teils dunklen Seiten und Schwierigkeiten des Daseins als Sportler in der heutigen Zeit.“
Wenig überraschend arbeitet auch Dafoe selbst derzeit an einem Projekt. Sein Arbeitspensum war schon immer beispiellos: Dieses Jahr kommen sechs seiner Filme heraus, letztes Jahr waren es fünf und im Jahr davor sieben. Einzelheiten zu seinem aktuellen Projekt – für das sein üppiger, zerzauster Bart in starkem Kontrast zu dem akkurat gestutzten Schnurrbart steht, den er für Laphroiag trug – sind noch geheim. Der Schauspieler verrät jedoch, dass in der kommenden Woche viel Schwertkampf und Reiten auf dem Programm stehen werden. „Beides Dinge, die ich sehr gerne mache!“ Auch diese Fertigkeiten kann er einer bereits langen und beeindruckenden Liste hinzufügen, zu der das Strickenlernen für The Lighthouse und die Perfektionierung seiner postimpressionistischen Maltechnik für seine Oscar-nominierte Darstellung von Vincent van Gogh gehören.

Dafoe ist also ein Bogen, dessen Sehne gut gespannt ist. Doch so einzigartig der Schauspieler auch sein mag – und unverwechselbarer als ein Single Malt –, über sein öffentliches Image macht er sich nur selten Gedanken. Ob er nun seine Zeilen probt, einen Whisky einschenkt oder sich mit einer legendären Destillerie (aus einer seiner zahlreichen angestammten Heimatregionen) zusammentut: Er hält nie inne, um darüber nachzudenken, wie man sich an ihn erinnern wird.
„Darüber darf man nicht nachdenken“, sagt er. „Das darf man wirklich nicht. Man muss sich darin üben, sich keine Gedanken über das Ergebnis zu machen, sondern stattdessen das Ziel im Auge zu behalten. Und das Ziel ist der Prozess, das Schaffen, die Hingabe. Ich will hier also nicht den Besserwisser spielen, aber wenn man darüber nachdenkt, wie man in Erinnerung bleiben möchte, dann lebt man meiner Meinung nach nicht wirklich. Denn die Zukunft existiert nicht. Die Zukunft entsteht in der Gegenwart.“
Erfahren Sie mehr über Willem Dafoes Zusammenarbeit mit Laphroaig hier.
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