
Drogen für Gucci und Geld umsonst
Geldwäsche ist das Verbrechen, das alle anderen Verbrechen erst ermöglicht, schreibt Oliver Bullough in einem hervorragenden neuen Buch. Warum also tun wir uns so schwer damit, sie zu bekämpfen – und darüber zu sprechen?
- Text von: Joseph Bullmore
- Illustrationen: Freya Anderson
Letzten August setzte ich mich auf der Hochzeit eines Freundes neben einen Mann, dem kurz zuvor eine Million Pfund in einer Reisetasche überreicht worden waren. Bei einem Pferderennen Anfang jenes Sommers hatte ihn ein sehr wohlhabender Bekannter gebeten, einfach aus Jux eine gigantische Summe auf einen krassen Außenseiter zu setzen – und das Pferd hatte gewonnen. Als mein neuer Bekannter kurz darauf zum kreidebleichen Buchmacher zurückkehrte, erfuhr er, dass dieser ihn unmöglich sofort auszahlen könne (und der Verlust ihn womöglich für die gesamte Saison ruinieren würde), es aber vielleicht doch einen Ausweg gebe – sofern er ihm den Gewinn später in derselben Woche ausschließlich in bar auszahlen dürfe. Und so bekam der Mann am darauffolgenden Mittwoch in der Lobby eines Hotels in Mayfair von einem Mann, der sich weigerte, seine Sonnenbrille abzunehmen, eine prall mit Banknoten gefüllte North-Face-Tasche überreicht – und erfuhr bald, woher das Geld offenkundig stammte. „County Lines“, sagte Mr Rayban. „Geldwäsche.“


