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Wie deine Stadt das Coole getötet hat

Der Gründer und Herausgeber des Magazins Where Is The Cool? über das Aufspüren verborgener Schätze inmitten der Gentrifizierung

Mehrmals im Jahr ziehe ich meinen schönsten Anzug an und mache mich auf die Suche nach angesagten Orten. Ich kann ganze Abende damit verbringen, einfach Türen zu öffnen, ohne wirklich zu wissen, wo ich landen werde. Es kann ein Ort sein, von dem mir jemand erzählt hat, oder ein unscheinbarer Eingang, hinter dem es im Laufe des Abends noch interessant werden könnte. Es kann aber auch ein Gefühl sein, eine Stimmung – oder einfach nur Glück.

Man geht rein, trinkt etwas, merkt, dass es doch nicht das Richtige ist, und geht wieder raus. Man geht rein, isst etwas, merkt, dass es wieder nicht passt, und geht erneut. Und das immer und immer wieder. Die Suche nach coolen Orten ist anspruchsvoll. Sie erfordert Ausdauer, Widerstandsfähigkeit und Abenteuerlust.

Wie ein Goldsucher durchwühlst du Berge von Schlamm, bevor du schließlich auf den Goldklumpen stößt – den einen Fund, der dich all die Zeit vergessen lässt, die du mit der Suche danach verbracht hast.

Obwohl ich schon seit Jahren auf der Suche nach dem Coolen bin, ist es immer noch ziemlich schwierig, „das Coole“ klar zu definieren. Aufgrund seiner dynamischen und flüchtigen Natur könnte ich Leonard Koren1 zitieren, der über Wabi-Sabi2 sagt: „Seine mangelnde Bestimmtheit ist nur ein Aspekt seiner ihm innewohnenden Unvollständigkeit.“ Nun ja, durchaus.

Aber ich glaube, dass es bei der Vorstellung davon, was cool ist, dennoch ein paar gemeinsame Nenner gibt: nämlich Authentizität und Aufrichtigkeit. Ich spreche von Orten, an denen sich die Speisekarte seit der Eröffnung nicht verändert hat; von Orten, die nicht nach deiner Meinung fragen; von Orten, die keinem Konzept oder Trend folgen – weder bei den Gerichten, die sie servieren, noch bei den Tellern, auf denen sie diese servieren. Kurz gesagt: Orte, an denen man noch überrascht werden kann.

Bar für Coolhunting

Ein paar davon gibt es noch in Paris. Aber wie lange noch? Können Ramonas Paella in Belleville, der alte Tresen des P’tit Bar³, die Rue du Mont-Thabor oder die Dessertauswahl in der Auberge du Quincy⁴ im digital vermarkteten und von Instagram bestimmten Wettstreit um den guten Geschmack wirklich bestehen?

Diese seltenen, authentischen und ehrlichen Orte sind in Großstädten, die zu reinen Vergnügungsparks geworden sind, vom Aussterben bedroht. Der Grund? Die Gentrifizierung und der damit zwangsläufig einhergehende Anstieg der Immobilienpreise, der neue Unternehmer zur Risikoscheu verdammt. Die Gäste schuften die ganze Woche wie verrückt, nur um ihre Miete bezahlen zu können. Das macht sie verständlicherweise weniger bereit, sich auf zufällige Entdeckungen oder neue Lokale einzulassen – und umso eher geneigt, bei der vertrauten, standardisierten Zufriedenheit zu bleiben. Hinzu kommt, dass zahlreiche Bars schließen mussten, weil dieselben Innenstadtbewohner sie als zu laut empfanden. Das betrifft jedes Geschäft, jedes Restaurant und jede Bar. Aus Orten avantgardistischer Kultur sind allmählich Orte geworden, die lediglich Erwartungen erfüllen. Heute lassen Betreiber ein Lokal womöglich schon dadurch „alternativ“ erscheinen, dass auf der Tanzfläche lautstark französische Popsongs gesungen oder kostümierte Tänzer engagiert werden.

In den Innenstädten aller Metropolen haben die Mietsteigerungen ihren Tribut gefordert. Lokale müssen rentabel sein und lange Schlangen vor der Tür haben, sonst verschwinden sie einfach – nur um von der nächsten Welle austauschbarer, risikokapitalfinanzierter Konzeptrestaurants ersetzt zu werden. Wenn du also jemals auf eines dieser Kleinode stößt, das sich dank eines unerklärlichen Wunders noch immer hält, dann behalte es nicht für dich. Teile es mit den richtigen Leuten und versuche, es zu genießen. Schließlich sind dies Relikte aus längst vergangenen Zeiten – Portale zu einer verlorenen Welt.

1Ästhetikexperte und laut The New York Times „Verfasser täuschend bescheidener Bücher über täuschend bescheidene Themen wie das Laubharken“

2Die japanische Philosophie, die Vergänglichkeit und Unvollkommenheit würdigt. Nach den Prinzipien des Wabi-Sabi würde ein Bonsai beispielsweise Aststümpfe und Totholz aufweisen, um Verfall und das Verstreichen der Zeit zum Ausdruck zu bringen.

3Eine neun Quadratmeter große Bar in Roquette, die einst von Madame Polo und ihrer Schar aus Katzen und Kanarienvögeln geführt wurde. Schmuddelige Gläser und Kriegsveteranen.

4Probieren Sie die Crème de riz aux raisins

Das sind die besten Hotels in London für einen luxuriösen Urlaub in der eigenen Stadt …

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