New Yorks Immobilienadel
Entdecken Sie die Familien, die den Big Apple geprägt haben und bis heute prägen – von ihrem Einfluss über ihr philanthropisches Engagement bis hin zu ihren Nachfolgern
- Text von: Chris Cotonou
New York’Immobiliendynastien bestehen nicht nur aus großspurigen Trumps. In die Bausubstanz der hoch aufragenden Türme, die in Manhattan und den übrigen vier Stadtbezirken weiterhin wie Pilze aus dem Boden schießen, sind ältere, quasi-aristokratische Familien eingeschrieben, die die unaufhaltsame Urbanisierung der Stadt seit Langem maßgeblich vorantreiben.
Doch das Rampenlicht war gegenüber New Yorks Immobilienadel nie gnädig: Seit Jahrzehnten prangen Geschichten über Skandale und Exzesse, Sex, Drogen und Familienfehden à la „Succession“ auf den Titelseiten der Zeitungen der Stadt – insbesondere aus ihrer Blütezeit zwischen den 1960er- und 1980er-Jahren, als sich unangenehme Verbindungen zu Politikern oder zur Mafia nur allzu schwer übersehen ließen.
Kein Wunder also, dass sie beschlossen haben, ihr Privatleben leiser zu gestalten. Doch New Yorks Immobilienadel ist nach wie vor äußerst präsent und prägt weiterhin den Charakter der Metropole: die Rudins, Dursts, Milsteins, Roses, Fishers, Tishmans und Resnicks. Anders als Trump (von dem sie sich aus naheliegenden Gründen nach Kräften distanziert haben und den sie für einen windigen Hochstapler in zweiter Generation halten) dürften diese Namen den wenigsten etwas sagen. Doch mit ihrem Geschäftssinn, ihrem Vermögen und ihrem Einfluss hinter den Kulissen haben sie genug Macht angehäuft, um die Stadt in ihren schlimmsten wie in ihren besten Zeiten zu formen: Sie sind New Yorks Antwort auf die Tech-Gurus des Silicon Valley, die Ölbarone von Dallas oder die Stahlmagnaten von Pittsburgh. New Yorks Immobilienadel herrscht noch immer unangefochten. Mit einigen Zu- und Abgängen sind es dieselben Familien, die den Immobilienmarkt der Stadt seit mehr als einem halben Jahrhundert dominieren – einer beständigen herrschenden Klasse so nahe, wie New York ihr seit der Ära der Astors und Rhinelanders nicht mehr gekommen ist. Zwar gab und gibt es Fraktionen und Bündnisse (vor allem innerhalb der alten Garde: die Tishmans und Dursts, Tishmans und Rudins, Roses und Rudins usw.), doch nach wie vor machen sie wahrscheinlich ebenso Geschäfte miteinander, wie sie um wertvolle Immobilien konkurrieren, die sich inzwischen vom angesagten Brooklyn bis in die aufstrebenden Viertel der Bronx erstrecken. Gentrifizierung zahlt sich aus – Wohnungen in den Außenbezirken kosten inzwischen im Durchschnitt ebenso viel wie in Manhattan: 4.500 Dollar pro Monat. Gewerbeflächen hingegen könnten sich – zumindest in absehbarer Zukunft – weniger lohnen, da Experten einen Abschwung prognostizieren.
Die Ursprünge der ältesten Dynastien sind schillernde, glanzvolle Beispiele für den amerikanischen Traum: Einwanderer, überwiegend aus Osteuropa, darunter einige aus den fleißigen jiddischen Gemeinschaften, die die Stadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts prägten, wie Robert Tishman (von Tishman Speyer) und David Rose (von Rose Associates). Jüngere Dynastien wie die Milsteins, Macklowes und Roths bringen eine andere Dynamik mit und erlebten ihre Blütezeit in der Gordon-Gekko-Ära der 1980er-Jahre — wobei die meisten von ihnen, wie schon ihre Vorgänger in der Immobilienbranche, lieber in Gewerbe- als in Wohnimmobilien investieren.
Im Jahr 2023 erweist sich dies angesichts der hohen Zinsen und leer stehender Büros als schlechte Investition, und für die Gewerbeimmobilien der Stadt werden negative Folgen erwartet. Schätzungsweise 50 Prozent davon stehen leer, weshalb derzeit darüber diskutiert wird, die gesetzlichen Bestimmungen zu lockern, damit gewerblich genutzte Bürogebäude in Wohnimmobilien umgewandelt werden können – womöglich auf nachdrückliches Betreiben einflussreicher Persönlichkeiten wie Charles S Cohen und des leidgeprüften Steven Roth. In den 1980er-Jahren hätte das niemand vorhersehen können.
Und selbst Immobilienkönige sind vor Nachfolgeproblemen nicht gefeit. Man denke nur an die Roys aus, nun ja, der Fernsehserie „Succession“ – und an die missliche Lage von Kendall, Roman und Shiv, die um das Unternehmen ihres Vaters konkurrieren. New Yorks reale Roys sind nicht anders: An der Spitze jeder Dynastie steht meist ein starker Patriarch, von Aby Rosen bis Daniel Tishman. Gerade von der Familie Tishman ist bereits bekannt, dass sie durch Fehden zerrüttet und in verschiedene Lager gespalten ist (so sehr, dass ihre Mitglieder im selben Restaurant oder bei einem Abendessen nicht einmal nebeneinandersitzen wollen). Auch die Milstein-Brüder sind zerstritten. Der Druck innerhalb der einzelnen Familien ist enorm – insbesondere für diejenigen, denen es bestimmt ist, ein Imperium zu erben. Wie sollen solche Kinder, die in eine Welt des Reichtums hineingeboren wurden, denselben unermüdlichen Drang ihrer Eltern entwickeln, sich aus ärmlichen Verhältnissen nach oben zu arbeiten, wenn viele von ihnen bei null angefangen haben? Diese Einstellung kann man schlicht nicht kaufen. Und so setzen diese Familien, wenn sie in die zweite, dritte und manchmal vierte Generation gehen, bei ihren Investitionen verstärkt auf Sicherheit, um Verluste zu vermeiden, die ihr Imperium zum Einsturz bringen könnten. Vielleicht ist das ein weiterer Grund dafür, dass sie heute weniger im Rampenlicht stehen als früher.
Ein weiteres Merkmal des New Yorker Immobilienadels ist sein philanthropisches Engagement. Zynismus liegt hier nahe: Dass die Milsteins 50 Millionen Dollar in eine presbyterianische Herzklinik stecken, könnte direkt aus einer HBO-Politserie stammen, in der Oligarchen mit dem Stadtrat einen Deal über ... gewisse Vorteile schließen (der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt). Ähnliches gilt für die Rudins, die in ihrem gesamten Portfolio Nachhaltigkeitsprogramme betreiben, die Roses und die Tishmans, die sich aktiv für bezahlbaren Wohnraum eingesetzt haben. Viele dieser philanthropischen Aktivitäten eignen sich hervorragend zur Selbstdarstellung – ein politischer Akt, der aufrichtig gemeint sein oder dazu dienen mag, das Ansehen des Familiennamens in ganz New York zu steigern. Wie dem auch sei: All das geht weiterhin Hand in Hand mit ihrem Einfluss darauf, wie die Stadt aussieht und sich anfühlt, und festigt ihre Stellung als mächtige herrschende Klasse, die ihren Gemeinschaften etwas zurückgibt. Unabhängig von ihren Beweggründen ist der Immobilienadel eine faszinierende Spezies, die darum ringt, die Könige des Big Apple zu bleiben. Jeder gibt und nimmt bisweilen auch, um sich ganz oben zu halten – selbst wenn die Zukunft des Immobilienmarktes ungewiss ist. Das müssen Sie über die wichtigsten Akteure wissen.
New Yorker Dynastien
Jüngere Garde
Tishman
Rockefeller Centre
Die Wurzeln der Familie reichen bis ins Jahr 1898 zurück. Infolge einer Berichten zufolge erfolgten Aufspaltung verwaltet sie ihre Portfolios heute entweder unter Tishman-Speyer, das von Rob Speyer geleitet wird, oder unter TISHMAN. Zu den Gebäuden zählen das Rockefeller Center, das MetLife Building und CitySpire.
Rudin
Dock 72
Als Louis Rudinsky 1905 sein erstes Gebäude in Manhattan kaufte, war der Grundstein für das Rudin-Imperium gelegt. Rund 30 Familienmitglieder halten Eigentumsanteile an den Immobilien.
Rose
Anagram Columbus Circle
Rose Associates wurde 1925 von David Rose gegründet und gehörte zu den ersten Unternehmen, die sich auf dem New Yorker Immobilienmarkt etablierten. Später verwaltete das Unternehmen mehr als 31.000 Immobilien. Heute wird es von Amy Rose Silverman geführt und ist eines der wenigen Unternehmen der Branche in Frauenhand.
LeFrak
LeFrak City
Mit einem Vermögen von über 6 Mrd. US-Dollar kontrolliert die Familie LeFrak eines der größten Immobilienimperien New Yorks, das 1901 von Harry LeFrak gegründet wurde. Am bekanntesten ist sie für LeFrak City im Stadtbezirk Queens.
Milstein
Bristol Plaza
Mit einem Vermögen von über 3 Milliarden US-Dollar gehören die Milsteins zu den wohlhabendsten und einflussreichsten Familien der amerikanischen Immobilienbranche. Morris Milstein gründete das Familienunternehmen im Jahr 1919.
Tisch
Loews Regency Hotel
Die 1946 von den inzwischen verstorbenen Brüdern Preston Robert und Laurence Tisch gegründete Dynastie wird heute von ihren Ehefrauen Joan und Wilma geführt, die sich das Familienvermögen mit ihren Söhnen teilen. Rob Tisch gilt als Urheber des Begriffs „Power Breakfast“.
Durst
One World Trade Centre
Die Dursts besitzen in New York und Philadelphia Immobilien mit einer Gesamtfläche von mehr als 16 Millionen Quadratfuß, darunter eine Beteiligung am One World Trade Centre. Ihr Vermögen wird auf 8,1 Milliarden US-Dollar geschätzt.
Alte Garde
Rosen
Paramount Hotel
Der gebürtige Deutsche Aby J. Rosen gründete 1991 gemeinsam mit einem Partner die RFR Holding, deren Portfolio heute einen Wert von über 15,5 Milliarden US-Dollar hat. Rosen ist ein leidenschaftlicher Kunstsammler und besitzt mehr als 800 Werke der Nachkriegszeit, darunter über 100 Arbeiten von Andy Warhol.
Cohen
3 East 54th Street
Cohen Brothers Realty & Construction wurde in den 1950er-Jahren von Eddie, Mortimer und Sherman Cohen gegründet und zählt zu den bedeutendsten Investoren für Gewerbeimmobilien in New York, insbesondere für Bürogebäude der Klasse A. Heute wird das Unternehmen von Charles S. Cohen geleitet.
Silverstein
World Trade Centre
Silverstein Properties wurde 1957 von Larry Silverstein gegründet. Heute ist das Unternehmen der fünftgrößte Vermieter von Gewerbeimmobilien in New York City und vor allem für den Wiederaufbau des World Trade Centers bekannt, bei dem es 2006 zu einem Streit mit den Tishmans kam. Larry steht weiterhin an der Spitze des Unternehmens.
Roth
The Lucida
Steven Roth ist Vorsitzender des Immobilienfonds Vornado Realty Trust, der über 1,86 Millionen Quadratmeter Büro- und Einzelhandelsfläche verfügt. Roth steht derzeit bei seinem Vorhaben, das Gebiet rund um den New Yorker Verkehrsknotenpunkt Penn Station umzugestalten, vor Herausforderungen.
Macklowe
432 Park Avenue
Harry B. Macklowe, bekannt durch die anhaltenden Rechtsstreitigkeiten um 432 Park Avenue, ist auch wegen seines schillernden Privatlebens regelmäßig Thema in den New Yorker Medien. Seine Gebäude sorgten für Kontroversen, da sie als „hässlich“ und baulich mangelhaft gelten.
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