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Guillaume Bonn fängt die Kameras seiner Helden ein

In seiner neuesten Serie „Shooters & Explorers“ beklagt der legendäre Dokumentarfotograf Guillaume Bonn eine untergegangene Welt …

Vor einiger Zeit begann ich mit der Arbeit an einem Projekt namens „Shooters and Explorers“. Die Idee war, Kameras zu fotografieren, die Menschen gehörten, deren Arbeit ich bewunderte. Ich wollte die alten analogen Kameras von Bildschaffenden festhalten, die auf ihre ganz eigene Weise Entdecker waren – sei es, weil sie die Fotografie nutzten, um Menschen und Orte zu dokumentieren, oder weil sie das Medium Fotografie selbst erkundeten. Ich wollte die Maschine mit dem Menschen verbinden – und einen Dialog zwischen Technologie, Technik und Vision schaffen.

Malick Sidibe und Seydou Keita waren kommerzielle Fotografen aus Mali, die Porträts von Menschen aufnahmen, die in ihre Studios kamen, und auch auf Hochzeiten und Feiern fotografierten. Damals war ihnen nicht bewusst, dass sie damit zugleich den Geist der 60er-Jahre und den Wind der Unabhängigkeit einfingen, der durch ganz Afrika wehte.

Sidibes Fotos der elegant gekleideten malischen Jugend im Nachtleben könnten heute ohne Weiteres das Thema eines Modeshootings für die italienische Vogue sein. Doch seine Bilder vermitteln auch die elektrisierende Stimmung einer Generation, die ihre neu gewonnene Freiheit von der Kolonialherrschaft auskostet. Das Werk dieser Künstler erinnert an die Porträtmaler an den europäischen Königshöfen des 18. und 19. Jahrhunderts, denn es gewährt Einblicke in die gesellschaftlichen Codes Bamakos zu ihrer Zeit. Es führt uns vor Augen, was die Fotografie zu leisten vermag, wenn sie einen Augenblick für die Nachwelt festhält. Es ist ein eindringlicher Impuls für unser kollektives Gedächtnis.

Eine weitere Fotografin, deren Kameras ich fotografierte, machte es sich zur Lebensaufgabe, die letzten Stämme und ihre Traditionen zu dokumentieren. In ihrem Buch „Vanishing Africa“ griff Mirella Ricciardi die um die Jahrhundertwende verbreitete anthropologische Fotografie neu auf, um das Bild des edlen Wilden Afrikas zu zeigen. Begünstigt durch den rasanten Wandel schuf sie ein neues fotografisches Genre, das sich der Dokumentation der schwindenden Lebensweisen indigener Stämme auf dem gesamten afrikanischen Kontinent widmete.

Der Fotograf Peter Beard lebte gleichzeitig in mehreren Welten und wechselte zwischen primitiven Bedingungen bei seiner Arbeit in Afrika und einem Jetset-Leben in Städten wie Paris und New York. Sein Werk spiegelte dieses Doppelleben wider – eine Kombination aus toten Elefantenkadavern und berühmten Models, die neben lebenden Geparden posierten.

Im Zuge dessen schuf Beard „The End of the Game“, das erstmals 1963 veröffentlicht wurde und bis heute als das bedeutendste und visionärste Buch über Elefanten und den Naturschutz in Afrika gilt. Es war zudem einer der ersten Versuche zu erklären, wie moderne Formen menschlichen Fortschritts Wildtiere und unberührte Natur zerstörten.

Dies waren Fotografinnen und Fotografen, die die Fotografie als Sprache weiterentwickelten und sie nutzten, um das Leben und ihre Zeit, die Gesellschaft und die Geschichte zu beschreiben und zu kommentieren. Carol Beckwith und Angela Fisher bereisten vierzig Jahre lang den afrikanischen Kontinent kreuz und quer, von Norden nach Süden und von Westen nach Osten, um all seine traditionellen Zeremonien für die Nachwelt festzuhalten, bevor sie ausstarben. Auf diese Weise können Fotografinnen und Fotografen, die zum Kanon des menschlichen Verständnisses beigetragen haben, im Bücherregal neben großen Romanautoren, Historikern und Wissenschaftlern stehen.

Bei diesem Projekt war es mir wichtig zu zeigen, dass man mit einer Kamera Bedeutung in die Zukunft tragen kann. Ich fotografierte die Kamera meines Jugendfreundes Dan Eldon, der von Beard beeinflusst worden war und mit Collagen und Sammelalben experimentierte, sich aber auch an die Kriegsfotografie heranwagte.

Wir gingen beide 1993 nach Mogadischu, um die von den USA angeführte Invasion namens „Restore Hope“ zu dokumentieren, die als humanitäre Mission begonnen hatte und schließlich zu einer Jagd auf einen Warlord wurde, der verhaftet und getötet werden sollte, weil er sich geweigert hatte, vor den Vereinigten Staaten von Amerika auf die Knie zu gehen. Dan wurde dort einen Monat nach meiner Abreise im Alter von zweiundzwanzig Jahren getötet, während er seiner Arbeit nachging und Fakten überprüfte, um zu einem besseren Verständnis einer äußerst komplexen Situation beizutragen.

Kürzlich habe ich gelesen, dass die Sprache, die man spricht, bestimmt, wie man denkt. Ebenso glaube ich, dass die Kamera, für die sich ein Fotograf entscheidet, zum Teil seine Sichtweise bestimmt. Die verschiedenen Kameras, die ich im Laufe der Jahre benutzt habe, haben zu unterschiedlichen Arten geführt, die Geschichte zu erzählen, die ich vermitteln möchte. Die Kamera zu wechseln ist für mich wie den Stift zu wechseln. Dadurch schreibe ich anders.

Die Fotografien dieser Serie sind meine Hommage an die analoge Fotografie. Zugleich bringen sie die Sehnsucht nach einer vergangenen Epoche zum Ausdruck, die von einer bestimmten Art des Seins, Denkens, Schaffens und Verstehens geprägt war: einer Zeit, in der eine Kamera noch eine gewisse „Wahrheit“ vermitteln konnte.

Möchten Sie mehr von Guillaume Bonn sehen? Hier erinnert sich der Fotograf an seinen lieben Freund Peter Beard …

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