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Die Kunst der Speisekarte: eine visuelle Geschichte

Ich nehme das Gleiche wie die da …

In meinem Leben gab es zwei deutliche Veränderungen bei Restaurantspeisekarten – eine eher subtile, die andere ziemlich einschneidend. Die erste war das allmähliche Verschwinden sämtlicher Satzzeichen, Großbuchstaben und Währungssymbole um das Jahr 2012 herum aus einer bestimmten Art von Speisekarte im Dalston-Stil (und kurz darauf auch bei einer ganzen Schar regionaler Nachahmer). Sie kennen das: „zerkleinertes Seegras Pfifferling Mehlschwitze Petersilie Muschelbrühe Popcorn aus nachhaltiger Herkunft 17“. Wo hört der Queller auf und wo fängt das Schnitzel an? Dieser Trend machte die Bestellung der Vorspeise zu einem aufregenden Glücksspiel und ging oft mit jenem „Wenn Sie fragen müssen“-Augenrollen der demonstrativ Coolen einher, die sich ständig über den Tisch beugten.

The second was the introduction, slowly and then suddenly, of the covid-safe QR code, usually displayed in the middle of a gastropub table in a stickily laminated piece of card. You scan it on your phone at the fourth attempt, navigate through a clunky, glitching app, and then pay using your hovering face and hope everyone’s burgers come at the same time. For a while, it looked like most places apart from The Wolseley might adopt this new method in perpetuity — the type of minor loss that no-one would eulogise but everyone would rue. (It’s aesthetic, for one thing: there’s no such thing as a pretty QR code, and even the name has a hint of Blade Runner about it.)

Ein neues Buch* von Taschen über europäisches Speisekartendesign führt uns vor Augen, wie glücklich wir uns schätzen können, diesem kleinen Schicksal entgangen zu sein – und wie reizvoll es sein kann, bei Typografie und Layouts groß, kühn und üppig aufzutragen, falls es die minimalistischen Komma-Phobiker interessiert. Der Spaß beginnt mit einer „Speisenfolge“ aus dem Jahr 1808, die aus einem Pub namens The Bailey in Dublin stammt, und plaudert sich von dort munter weiter, mit Zwischenstationen im Paris des Fin de Siècle, im London der Nachkriegszeit und im Ostblock. Restaurants, so heißt es oft, verraten uns viel über die Zeiten, in denen sie beliebt sind, und über die Menschen, die dort essen.

Dann müssen doch sicherlich auch Speisekarten – die schmale Schnittstelle zwischen diesen Menschen und ihrem Essen – ebenso aufschlussreich sein. Sollte dieses Buch, sagen wir, in einem halben Jahrhundert neu aufgelegt werden, wäre es schön, wenn der Abschnitt über die 2020er-Jahre ebenso farbenfroh, lebendig und voller Pomp und Prunk wäre wie die folgenden Beispiele.

Cafe de Paris, Paris, 1936. An art deco example from the roaring Parisian brasserie and nightclub

Restaurant Cattelin, Stockholm, c. 1960. A Swedish institution from 1922 to 2011, it was famed for its garlic squid salad

SS Grosser Kurfürst, 1909. An exotic postcard-style menu from the decks of the German steamship

Swedish Airlines, 1945. The flight crew of this Douglas DC 14 seems to have found a stash of akvavit

MS Kungsholm, 1936. A gala dinner menu from a Swedish-American oceanliner

Hotel Chemnitzer Hof, 1959. New Year’s Eve dinner menu at the mid-century, brutalist hotel in Chemnitz

Éden, Siófok, 1968. An abstract impressionist menu from the shores of Hungary’s Lake Balaton

Milchbar Pinguin, Leipzig c.1965. An East German milk bar design that borrowed heavily from Western sources

Cencio, Milan, c. 1956. A handsome, impressionist scene from the classic Milanese osteria

*Menüdesign in Europa (Taschen, 50 £), herausgegeben von Jim Heimann, ist ab sofort erhältlich.

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