
Uhr der Woche: Tissot Visodate 39 mm
Mit 72 Jahren jung wie eh und je gibt eine Schweizer Uhrenlegende einem ihrer zeitlosen Klassiker ein weiteres Rendezvous
- Text von: Alex Doak
„Heute ein fleißiger Student; morgen wird er Städte bauen.“
So dachte Tissot über die „fleißigen Studenten“ des Jahres 1954, denn sie standen kurz davor, nicht weniger als Städte zu bauen! Ganz so, wie – laut einem anderen Plakat – les amateur enthousiastes schon à demain Könige des Jazz sein würden!



Mit der Werbekampagne „Leaders of Tomorrow“ verschaffte der Uhrenhersteller der Haute Horlogerie weit über die Gipfel des Juragebirges hinaus Gehör und traf mit erfrischendem Elan den Nerv der aufblühenden Jugend jener Zeit. Zwei der vom Schweizer Künstler René Groebli aufgenommenen Fotografien wurden in der Ausgabe des „New York Color Photography Annual“ von 1957 sogar zu den besten Bildern des Jahres gekürt.
Und nun, da die „Visodate“ – Tissots äußerst erschwingliche Kombination aus Zeitanzeige und verwegen eingefasstem Datumsfenster – mit ähnlich zeitgemäßer Coolness neu aufgelegt wird, tickt eine Geschichte, die bereits 1954 begann, aktueller denn je weiter. (Natürlich mit weniger geschlechtsspezifischen Botschaften – doch Hut ab vor der augenzwinkernden historischen Selbstironie der Marketingabteilung.)



Die Visodate ist seit Jahrzehnten eine feste Größe an der Schnittstelle zwischen der Eleganz der Jahrhundertmitte und zeitgenössischer Extravaganz – unbeeindruckt vom Rampenlicht, das dem Retro-Kassenschlager der vergangenen Jahre zuteilwurde, auch bekannt als Tissots phänomenales Siebzigerjahre-Revival „PRX“. Das gewölbte Zifferblatt, die schlanke Silhouette und das charakteristische trapezförmige Datumsfenster im „Pagoden“-Stil bei 3 Uhr zeugen von einer langen Entwicklung, bei der die Visodate ihrem überraschend schlichten Grundkonzept stets treu geblieben ist: einem Mechanismus zur augenblicklichen Datumsanzeige, der einen sauberen Wechsel um Mitternacht ermöglicht – eine Funktion, die im Einstiegssegment der Luxusuhrenbranche erstaunlicherweise noch immer häufig fehlt.
Sie versucht gar nicht erst, cool zu sein – und genau das macht sie natürlich ausgesprochen cool. Die Visodate ist genau die Art von Uhr, die Liebhaber empfehlen, wenn jemand sagt: „Ich möchte etwas Klassisches, das auch in zehn Jahren nicht altmodisch wirkt.“


Ganz unaufdringlich trifft sie genau den Punkt, den viele Uhren verfehlen: Tradition, Design und solide Schweizer Präzision vereinen sich hier mit einer geradezu verblüffenden Erschwinglichkeit.
Angesichts der Geschichte von Tissot mag die Visodate zwar 1954 ihr offizielles Debüt gefeiert haben, doch ihre Ursprünge lassen sich auf frühere Komplikationen zurückführen. So etwa auf die „Calendrier“ aus den 1940er-Jahren, die erste Armbanduhr von Tissot mit Datumsanzeige: Ein zusätzlicher, pfeilförmiger Zeiger wies dabei auf rote Ziffern am Rand des Zifferblatts.
Das Konzept, Stunden- und Datumsanzeige miteinander zu kombinieren, erlebte in den Sechzigerjahren einen regelrechten Boom und brachte eine beeindruckende Modellreihe hervor, darunter die Visodate „Camping“, die Visodate „Seastar Automatic“, die Visodate „Seastar Seven“ und die Visodate „T12“. Letztlich die bevorzugte Uhr einer neuen Generation, die ihre Zukunft selbst gestalten wollte.
Die für 2026 herausgeputzte Visodate präsentiert sich mit einem schlanken 39-mm-Gehäuse, das leicht am Handgelenk sitzt. Ergänzt wird es durch ein gewölbtes „Box“-Saphirglas und einen transparenten Saphirglasboden auf der Rückseite, der eines der preislich attraktivsten mechanischen Gesamtpakete der modernen Uhrmacherei zur Schau stellt: das Powermatic-80-Uhrwerk des Mutterkonzerns Swatch Group mit bis zu 80 Stunden Gangreserve. In seinem Inneren arbeitet eine Unruhspirale aus der Metalllegierung Nivachron, die besonders widerstandsfähig gegen Magnetfelder und Temperaturschwankungen ist.
(… und Städte und Jazz!)




