
Escape Edit: La Serena, Forte dei Marmi
Wo die Hamptons an der Versilia-Küste der Toskana auf Italien treffen – eine Liaison, die nach einem spritzigen Aperitivo und einem prall gefüllten Koffer mit den Designer-Must-haves der nächsten Saison verlangt.
- Text von: Sophia Baccanello
Forte dei Marmi ist Ihnen vielleicht noch kein Begriff. Der Ort ist seit Langem bei stilbewussten Italienern beliebt, die Qualität zu schätzen wissen, blieb jedoch stets im Schatten seiner berühmteren Nachbarn an der Amalfiküste und der ligurischen Küste. Dabei liegt weiter entlang der toskanischen Küste ein Reiseziel, das seinen Reiz viel zu lange für sich behalten hat und seit Generationen makellos gekleidete Urlauber mit seiner dezenten Eleganz und seinem zeitlosen Charme anzieht. Nun öffnet der italienische Badeort seine Strände einem breiteren Publikum und heißt all jene willkommen, die eine kultiviertere Auszeit am Meer suchen – einen Ort, an dem Stil ganz selbstverständlich ist und nicht inszeniert wirkt.

Aerial view of the coastline of Forte dei Marmi.
Auch ich hatte diesen Winkel der Toskana bislang übersehen und mir die Region kaum anders als eine Landschaft aus sanften Hügeln und perfekt gepflegten Weinbergen vorgestellt. Als Forte dei Marmi dann erstmals meine Aufmerksamkeit erregte und mir kurz darauf ein italienischer Freund begeistert versicherte, dass dort nur die schicksten Einheimischen Urlaub machten, war meine Neugier zweifellos geweckt.
Nach einem kurzen Flug nach Pisa erreichten wir die historische Stadt, in der wir die Nacht verbringen würden – und nutzten die perfekte Gelegenheit für das obligatorische Foto, auf dem wir den Schiefen Turm scheinbar im Alleingang abstützen. Eine kurze Suche führte uns ins Il Risotto della Pe', ein unscheinbares Lokal in einem Wohnviertel, in dem Küchenchef Luca die Küche ganz allein führt und hervorragende Carbonara, perfekt gegartes Rinderfilet und, wenn die Saison es zulässt, ein großzügig mit Parmigiano Reggiano verfeinertes Artischocken-Carpaccio serviert. Die malerische Umgebung, das außergewöhnliche Essen und mehr als nur ein paar Gläser Chianti für je 5 € sind ein echtes Erfolgsrezept – und geben einem das Gefühl, ein waschechter Einheimischer zu sein, wenn auch nur für ein Wochenende.
Wenn die Sonne über der bezaubernden Stadt Pisa aufgeht, beginnt Ihre Auszeit erst richtig. Ihr Ziel ist La Serena, ein exklusiver Rückzugsort zwischen der tyrrhenischen Küste und den Marmorgipfeln der Apuanischen Alpen. Einer der aufmerksamen Fahrer des Hotels holt Sie ab und bringt Sie auf einer entspannten Fahrt über Viareggio Richtung Süden, bis die von Beachclubs gesäumte toskanische Riviera in Sicht kommt. Nur wenige Schritte von der Küste entfernt empfängt das frisch renovierte Fünf-Sterne-Hotel La Serena seine Gäste wie bei der Rückkehr in ein zweites Zuhause – ob für ein Wochenende oder einen längeren Aufenthalt.

Red awnings on the hotel's exterior.
Unter einem Blätterdach aus Pappeln hindurch und vorbei an Reihen leuchtend türkisfarbener Fahrräder betreten Sie eine Lobby, die direkt den Seiten von Architectural Digest entsprungen sein könnte. Skulpturen setzen Akzente im Raum, während Regale voller Assouline-Bücher das Herz jedes Designliebhabers höherschlagen lassen. Der Duft frischer Lilien liegt in der Luft, während Sonnenlicht durch die Fenster strömt und selbst bei Gästen, die zum ersten Mal hier sind, sofort ein Gefühl von Ruhe und Vertrautheit entstehen lässt.
The hotel’s primary stairway.
Welcome reception featuring the current artists-in-residence.
Genau diese Atmosphäre möchte Hoteldirektor Stefano bewahren. Hier gibt es weder Förmlichkeit noch Überheblichkeit, sondern nur echte Gastfreundschaft. Dem Hotel gelingt die seltene Balance: Es wirkt weder zu groß noch zu klein, sondern genau richtig. Mehrere einladende Salons bieten ruhige Ecken zum Lesen, für Gespräche oder einfach zum Abschalten; ganz in der Nähe liegt zudem eine sorgfältig zusammengestellte Bibliothek verborgen. Draußen umgeben üppige Gärten den Pool, wo Zitronenbäume ein gesprenkeltes Schattenspiel auf die Liegen werfen, die geradezu dazu einladen, den Nachmittag mit einem Gin Tonic in der einen und einem köstlichen Snack in der anderen Hand zu verbringen.
Poolside cabana.
Poolside lounging area.
Im Obergeschoss setzt sich die zurückhaltende Eleganz in den Zimmern fort. Cremefarbene Wände, weiche Naturmaterialien und sorgfältig ausgewählte abstrakte Kunstwerke schaffen einen beruhigenden Rückzugsort, der zum vollkommenen Entspannen einlädt. Doch der private Balkon ist das eigentliche Highlight. Eingebettet zwischen den Bäumen und mit Blick auf das dahinterliegende Meer wirkt er wunderbar abgeschieden und bietet jenes seltene Gefühl von Privatsphäre und Ruhe, nach dem wir uns alle sehnen.

Serena Suite balcony.
En-suite bathroom in the Deluxe Room.
One Bedroom Suite.
Wenn Sie die friedliche Abgeschiedenheit von La Serena ausgiebig genossen haben, erwartet Sie der Glamour von Forte dei Marmi. Leihen Sie sich eines der Fahrräder des Hotels aus und lassen Sie sich vom Rhythmus des italienischen Provinzlebens mitreißen: Radeln Sie durch die fußgängerfreundlichen Straßen und an der von Strandclubs gesäumten Küste entlang, bevor Sie das elegante Einkaufsviertel der Stadt erreichen. Forte dei Marmi kann es mit einigen der exklusivsten Einkaufsziele der Welt aufnehmen – in seinen Straßen finden sich Boutiquen nahezu aller großen Luxusmodehäuser. Das Besondere ist jedoch, wie selbstverständlich sich die Geschäfte der Designermarken neben familiengeführten Cafés, Eisdielen und Fischrestaurants einreihen. Hinter jeder Ecke bietet sich eine neue Gelegenheit für eine Pause bei einem Meeresfrüchte-Risotto, einem handwerklich hergestellten Gelato oder natürlich einem Aperol Spritz. Der perfekte Kompromiss, um selbst die größten Einkaufsmuffel bei Laune zu halten.
Der Reiz der Region reicht weit über ihr stilvolles Zentrum hinaus. Nur einen Katzensprung entfernt liegt Pietrasanta, die historische Künstlerstadt, die für ihre Marmorwerkstätten, aktiven Gießereien und belebten Plätze bekannt ist. Wer etwas mehr Abenteuer sucht, findet bei einer Geländewagentour durch die Carrara-Marmorsteinbrüche einen eindrucksvollen Kontrast. Seit über zwei Jahrtausenden wird in den gewaltigen weißen Bergen Stein abgebaut, der für einige der bedeutendsten architektonischen und künstlerischen Meisterwerke der Welt verwendet wurde. Die markante Landschaft diente zudem als Kulisse für Filme wie Quantum of Solace und The Brutalist. Alternativ können Sie es sich einfach auf einer Sonnenliege in einem der legendären Strandclubs von Forte dei Marmi bequem machen, wo die schwierigste Entscheidung des Tages darin besteht, wann Sie sich umdrehen, damit auch die andere Seite Sonne abbekommt. Dieser Ort lädt dazu ein, einen Gang zurückzuschalten, sich ein wenig verwöhnen zu lassen und sowohl die Eleganz der Stadt als auch die außergewöhnliche Schönheit ihrer Umgebung zu genießen.

Aerial view of the beach clubs lining the coast.
La Serena verkörpert alles, wofür Forte dei Marmi steht: exklusiv und designorientiert, zugleich zeitlos und voller Herzlichkeit. Mit seinem Künstlerresidenzprogramm, das jedes Frühjahr und jeden Sommer stattfindet, hat das Hotel eine Plattform für aufstrebende und etablierte Kunstschaffende geschaffen und bringt den Gästen deren Werke auf eine ebenso natürliche wie ansprechende Weise näher. So ist ein Hotel entstanden, in dem Kunst Teil des Erlebnisses ist, statt nur um der Wirkung willen präsentiert zu werden. Mit seiner begrenzten Zimmerzahl und seiner unaufdringlich selbstbewussten Haltung versucht La Serena nicht, jedem zu gefallen. Vielmehr zieht es Reisende an, die durchdachtes Design, aufrichtige Gastfreundschaft und einen Ort schätzen, der sich wunderbar wie ein Geheimtipp anfühlt. Jede Begegnung ist von einer ganz selbstverständlichen Herzlichkeit geprägt – ob man beim Frühstück mit Namen begrüßt, zum Abendessen in die Stadt gefahren wird oder sich einfach mit Stefano über die Pläne für den Tag unterhält. Zwischen Gästen und Mitarbeitenden ist keinerlei Hierarchie zu spüren, sondern nur ein aufrichtiges Bekenntnis zu jener traditionellen italienischen Gastfreundschaft, bei der man sich weniger wie ein Besucher und mehr wie ein wiederkehrender Freund fühlt.

Outside dining terrace.
Dieselbe Philosophie prägt auch das Frühstückskonzept des Hotels. Statt darauf zu bestehen, dass die Gäste für ein traditionelles Frühstück früh aufstehen, serviert La Serena bis mittags Brunch und erspart uns so die morgendliche Hektik, der wir uns wohl alle schuldig machen. Genießen Sie Ihren morgendlichen Espresso aus einer farbenfrohen, vom Art déco inspirierten Tasse, dazu frische Melone und Prosciutto di San Daniele – meine bevorzugte Frühstückskombination –, bevor Sie ein warmes Gericht bestellen und sich zum Start in den Tag noch ein letztes Glas Saft einschenken. Ganz gleich, ob Ihr Tagesplan prall gefüllt oder herrlich leer ist: Das Frühstück ist dazu gedacht, ganz ohne Eile genossen zu werden. Unter den Zitronenbäumen lockt die Aussicht auf einen rundum gelungenen Tag – oder vielleicht auch darauf, überhaupt nichts vorzuhaben, außer sich eine Sonnenliege am Pool zu sichern, wo das aufmerksame Personal dafür sorgt, dass Ihnen alles Gewünschte gebracht wird, ohne dass Sie Ihre Liege verlassen müssen.

Bird's-eye view of the hotel and surrounding grounds.
Für alle, die ihren Urlaub an unvergesslichen kulinarischen Erlebnissen messen, ist ein Abend im Lumarea ein Muss. Hier empfängt der stets aufmerksame Riccardo die Gäste und lässt sich nicht lange bitten, einen klassischen Aperitivo oder – mit etwas Glück – eine seiner eigenen Kreationen zu servieren, bevor Küchenchef Giuseppe seine sorgfältig inszenierte Symphonie der Aromen anstimmt. Die von den Jahreszeiten geprägten Degustationsmenüs des Restaurants zelebrieren die Frische regionaler Erzeugnisse, begleitet von außergewöhnlichem hausgemachtem Brot und handgemachter Pasta. Dank seiner langjährigen Erfahrung in Sterneküchen komponiert Giuseppe jedes Gericht aus drei oder vier wohlüberlegten Elementen – seien es Gemüse, Getreide, Meeresfrüchte oder Kräuter. Seine Küche ist in den Traditionen Süditaliens verwurzelt: schlicht, voller Emotionen und unverkennbar mediterran, verfeinert durch moderne Techniken und höchste Präzision.
Lumarea Restaurant.
Homemade pasta dishes from Chef Giuseppe.
Bei einer ständig wechselnden Speisekarte beginnt das Abendessen vielleicht mit einem Trio von Assaggi, die jeweils eine einzelne herausragende Zutat in den Mittelpunkt stellen, während eine Auswahl hausgemachter Brote dazu verführt, sich satt zu essen, bevor das eigentliche Menü überhaupt begonnen hat. Zu den raffinierten Gängen könnten wunderbar gerösteter Knollensellerie gehören, dessen einzelne Schichten immer neue Geschmackstiefen offenbaren, oder perfekt gegarter Hummer, serviert mit einer gehaltvollen Bisque. Was auch immer auf den Tisch kommt: Jeder Teller vermittelt jene Behaglichkeit, Großzügigkeit und besondere Atmosphäre, die italienische Esskultur in ihrer schönsten Form auszeichnen. Kein Essen hier ist ohne die perfekte Weinbegleitung vollständig. Mit einem Keller, der mehr als zweitausend Flaschen umfasst, stimmt Riccardo jeden Gang gekonnt auf eine sorgfältig ausgewählte Begleitung ab – sei es ein spritziger Franciacorta, ein vollmundiger Brunello oder zum Abschluss ein wunderbar ausgewogener Dessertwein. Zusammen mit seiner unaufdringlichen Gastfreundschaft und den großzügig eingeschenkten Gläsern ist dies eine Kombination, die einen erholsamen Schlaf beinahe garantiert.
La Serena und damit auch Forte dei Marmi empfingen mich auf eine Weise, die sich mit Worten kaum beschreiben lässt. Hier verlieren Zeitpläne ihre Bedeutung, Uhren werden nebensächlich und an die Stelle der Eile tritt etwas ungleich Ruhigeres und Erfüllenderes. Hat man es einmal erlebt, kann man kaum glauben, dass man es nicht schon früher entdeckt hat. Eine Auszeit? Es fühlt sich vielmehr wie ein Nachhausekommen an.

La Serena
Die Zimmer im La Serena sind ab 500 EUR für zwei Erwachsene im Doppelzimmer inklusive Frühstück buchbar. Das Hotel ist vom 30. April bis zum 29. September geöffnet.
Der Flughafen Pisa (PSA) ist der nächstgelegene und praktischste – mit dem Auto sind es nur 35 Minuten. Florenz bietet eine größere Auswahl an internationalen Verbindungen. Für Privatflüge ist Pisa das bevorzugte Terminal; die Anreise kann über VistaJet, NetJets oder einen Anbieter Ihrer Wahl organisiert werden.


