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Ein kurzes Interview mit Emmanuel Lawal

Ein kurzes Interview mit Emmanuel Lawal

Ob visuelle Gestaltung, Sound oder Kunst: Dieser vielseitige Designer fühlt sich beim Entwerfen japanisch inspirierter Möbel ebenso wohl wie beim Auflegen von Beats auf der Tanzfläche.

Emmanuel Lawal ist ein vielseitig begabter Mann und einer der herausragendsten Künstler Londons. Seine Arbeit verbindet Musik, Produktdesign, bildende Kunst und räumliches Storytelling. Bekannt ist er außerdem für seine Tätigkeit als DJ, AUDIOCOMINGSOON (sein Musikproduktionsprojekt) sowie sein Designstudio Forestalgia. Dort schafft er Kunst, die sich mit sozialen Beziehungen auseinandersetzt – etwa das jüngst entstandene Modular 001, das von traditionellen japanischen Chabudai- und Horigotatsu-Formen inspiriert ist und diese als niedrige Tisch- und Sitzanordnung neu interpretiert, um Gespräche anzuregen. Entsprechend wurde Lawal vom Design Council in die neu vorgestellte Liste „25 for 2025 Planet Trailblazers“ aufgenommen, eine Gruppe Kreativer, die dafür ausgezeichnet werden, ihre Branchen durch nachhaltiges und sozial engagiertes Design neu zu definieren. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht das Bestreben, Gemeinschaft und emotionale Verbundenheit zu fördern. Seine kreative Laufbahn begann er als DJ, wobei er Musik nutzte, um Atmosphäre zu schaffen und Menschen zusammenzubringen.

Emmanuels Arbeit hat sich dahingehend weiterentwickelt, zu erforschen, wie physische Räume, Objekte und Materialien das Empfinden und die zwischenmenschliche Verbundenheit prägen können. Gleichzeitig schafft sein Design- und Kreativstudio Forestalgia immersive, haptisch erfahrbare Umgebungen, die sich mit Erinnerung, Identität und gemeinsamen Erfahrungen auseinandersetzen.

Mein Onkel Sherif, mein Cousin Obi und unsere Nachbarin Nikki (in die ich verknallt war) waren als Kind meine heilige Dreifaltigkeit. Sie waren alle älter als ich, also erlebte ich das Leben gewissermaßen durch sie mit. Außerhalb meines unmittelbaren Umfelds war Thierry Henry als Kind meine größte Inspiration. Wir schreiben die Saison 2003/2004, ich bin zwölf Jahre alt und Arsenal bleibt die gesamte Premier-League-Saison ungeschlagen. Unvergesslich!

Seit ich denken kann, bin ich kreativ. Einer meiner frühesten Träume war es zwar, professionell Tennis zu spielen, doch dieser Traum währte nicht lange. Mit 17 Jahren galt meine ganze Aufmerksamkeit und Leidenschaft Design und Musik.

Heute inspirieren mich alle Menschen, überall auf der Welt. Ich lerne leidenschaftlich gern und lasse mich daher von jedem inspirieren, der sein Wissen mit mir teilt. Ich sauge Wissen auf wie ein Schwamm. Mein Team besteht aus jüngeren und älteren Menschen, die mich jeden Tag aufs Neue fordern und besser machen. Die Zukunft inspiriert mich.

Meine Liebe zur Musik begann in meiner Jugend, und ihren Anfang nahm sie definitiv zu Hause. Meine Eltern spielten bei jeder Gelegenheit traditionelle nigerianische Musik. Als ich auf die weiterführende Schule kam, war Grime gerade groß im Kommen und zog meine Freunde und mich völlig in seinen Bann. Mit etwa 16 entdeckte ich außerdem Hip-Hop, Funk, Jazz und all die anderen großartigen Musikrichtungen und verlor mich regelrecht in einer Welt voller Entdeckungen. Tatsächlich entdecke ich bis heute immer wieder Neues!

Ich bewundere so viele Menschen in der Musikszene. Die Liste ist bunt gemischt, aber um nur einige zu nennen: Larry June, Westside Gunn, Curren$y, Freddie Gibbs, The Cavemen, Ragz Originale, Qendresa, Casisdead, Men I Trust, Cleo Sol, Blood Orange.

Die meisten Nächte meiner Teenagerzeit erschlich ich mir den Zutritt zu Partys, wobei ich das DJ-Pult stets im Blick hatte. 2015 gingen Ashton Gohil, [ebenfalls DJ bei AUDIOCOMINGSOON und Model], und ich zu Westend DJ in der Hanway Street in London und kauften den Native Instruments S4 Traktor Controller – der Rest ist Geschichte. Wir spielen viele Edits und Mash-ups von Songs, die man vielleicht kennt, vielleicht aber auch nicht. Vor Kurzem legten wir bei einem Friday Late im V&A auf und spielten zu Ehren der südasiatischen Kultur zu 75 Prozent Bhangra-Musik.

In der ersten Staffel der ACS-Show haben wir uns auf herausragende männliche Hauptdarsteller und nicht-binäre Talente konzentriert, da unser Sponsor Mytheresa Men war. Sollte es jemals eine zweite Staffel geben, würden wir den Spieß gerne umdrehen und eine ganze Staffel wegweisenden Frauen widmen.

Abgesehen davon, dass Forestalgia ein kreatives Designstudio ist, dessen Fokus derzeit auf der physischen Form liegt – einschließlich Objekten, die Menschen zusammenbringen –, geht es bei Forestalgia ebenso sehr darum, ein bestimmtes Gefühl zu erzeugen, wie um ein greifbares Produkt. Für mich ist es ein organischer Dämmerzustand – der wichtigste Moment eines jeden Tages. Es ist die in naher Zukunft liegende Verwirklichung dessen, was noch kommen wird.

Ich möchte einzigartige Produkte schaffen und zugleich Veranstaltungen kuratieren, die darauf abzielen, gemeinsame Werte globaler Gemeinschaften zu vermitteln und miteinander zu verbinden. Mit dem Studio möchten wir Menschen aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen zum Gedankenaustausch zusammenbringen – um zu teilen, zuzuhören und gemeinsame Momente zu schaffen.

Mit Modular 001 wollte ich ein Gefühl der Verbundenheit vermitteln! Wir leben derzeit in einer Welt, die Menschen dazu ermutigt, voreinander Angst zu haben. Wir möchten unsere Unterschiede feiern und zugleich das Band stärken, das uns alle miteinander verbindet. Mit Modular 001 träumten wir von einem ungezwungenen Ort, an dem Menschen zusammenkommen, sich austauschen und kreativ sein können. Mir war es besonders wichtig, dass das Objekt zu einem sinnlichen Erlebnis wird. Deshalb waren die optionale Stimmungsbeleuchtung und die Musikkomponente entscheidend, um eine Welt in der Welt zu erschaffen. Das Objekt vereint Form, Gemeinschaft und Musik.

Eine Ausstellung, auf die ich mich ganz besonders freue, ist ganz klar der World Design Congress im Barbican Centre am 9. und 10. September dieses Jahres! Für mich ist die Frieze immer ein Highlight – als Mitglied des Frieze 91 Committee ist es spannend, jedes Jahr so viele neue Talente aufkommen zu sehen. Die Energie und Innovationskraft aufstrebender Künstlerinnen und Künstler inspiriert mich immer wieder, und es ist unglaublich zu sehen, wie ihre Arbeit die Zukunft der zeitgenössischen Kunst prägt.

Dieser Artikel stammt aus der Sommerausgabe 2025 des Gentleman's Journal.

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