
Die Vanguart Orb im Test: die Zukunft der unabhängigen Haute Horlogerie
Dieser elegante Grenzgänger besticht durch sein geschwungenes Profil, kontrastierende Oberflächen und ein komplexes Uhrwerk aus 395 Einzelteilen.
- Text von: Justin Hast
In den vergangenen Jahren sind zahlreiche neue Anbieter in der Uhrenbranche aufgetaucht, insbesondere im Einstiegssegment – eine Entwicklung, die wir als Uhrenliebhaber sehr begrüßen. Äußerst selten hingegen betritt ein spannender, avantgardistischer unabhängiger Uhrenhersteller gleich im obersten Segment die Bühne. Dafür gibt es viele Gründe, unter anderem die enormen Kosten für die Entwicklung eines unverwechselbaren Gehäuses, einer interessanten Komplikation und eines Manufakturkalibers. In dieser Liga sind jedoch genau das die Merkmale, die man braucht, um erfolgreich zu sein. Als ich also die Gelegenheit bekam, die Vanguart Orb selbst in Augenschein zu nehmen, war ich hellauf begeistert, denn mir wurde sofort klar, dass dieser Schweizer Uhrenhersteller eine Gehäuseform geschaffen hat, die sich von allem anderen auf dem Markt unterscheidet: Sie ist schon von der anderen Seite des Raumes aus zu erkennen und wird mit einer technischen Meisterschaft gefertigt, dank der sie sich nahtlos neben den traditionsreicheren Namen einreiht.

Vanguart Orb, from 150,000 CHF, vanguart.com
Vanguart wurde 2017 von einem Team erfahrener Uhrmacher und Designer gegründet, die ihr Handwerk allesamt bei großen Namen der Branche erlernt haben. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung von Zeitmessern, die mit Konventionen brechen. Entsprechend beruht die Philosophie der Marke auf der Verbindung modernster Technik mit traditioneller Haute Horlogerie.
Die Orb ist in zwei Varianten erhältlich: als Modell aus Titan der Güteklasse 5 sowie in einer Ausführung, die Titan mit 18-karätigem Roségold kombiniert. Das Ganze ist in einem symmetrischen Gehäuse untergebracht, das Kreativdirektor Thierry Fischer als „eine harmonische Form, die an Relikte der Vergangenheit und Visionen der Zukunft erinnert“ beschreibt. Trotz seiner Abmessungen von 41 mm x 10,5 mm wirkt das Gehäuse der Orb dank seines geschwungenen Profils und der integrierten Bandanstöße, die sich dem Handgelenk anschmiegen, ausgesprochen kompakt und elegant.
Darüber hinaus zeugt die exquisite Handveredelung des Gehäuses vom Streben der Marke nach handwerklicher Perfektion: Aufwendig gestaltete Winkel und Öffnungen erfordern den Einsatz verschiedener Techniken; mehrere Saphirgläser, darunter ein markantes konkaves Frontglas, kommen zum Einsatz; und das Zusammenspiel der sorgfältig von Hand bearbeiteten – sandgestrahlten, satinierten und hochglanzpolierten – Oberflächen verleiht dem Äußeren eine dynamische Wirkung.
Angetrieben wird die Uhr von einem bahnbrechenden Manufakturwerk aus 395 Komponenten, das aus Titan der Güteklasse 5 gefertigt ist, mit 21.600 Halbschwingungen pro Stunde arbeitet und über eine Gangreserve von 60 Stunden verfügt. Seine symmetrische Architektur kommt durch beide Uhrgläser besonders schön zur Geltung. Bei 6 Uhr befindet sich ein fliegendes Ein-Minuten-Tourbillon, während eine einzigartige Multifunktionskrone bei 3 Uhr über ein innovatives Übertragungssystem bedient wird: Statt sie herauszuziehen, wird sie hineingedrückt, um zwischen Handaufzug, automatischem Aufzug und Zeiteinstellung zu wechseln. Der jeweils gewählte Modus wird auf dem bei 12 Uhr sichtbaren Federhaus angezeigt. Darüber hinaus ist in den Rotor ein 2 mm großer Diamant im Brillantschliff eingelassen, der bei Bewegung der Uhr zu schweben scheint und sich im Handaufzugsmodus automatisch bei 12 Uhr ausrichtet. Für höchsten Bedienkomfort ermöglichen Schnellwechseltasten an den Bandanstößen einen mühelosen Wechsel zwischen Kautschuk- und Lederarmband.
Die Preise beginnen bei 150.000 CHF für die Titanausführung, während das Modell in Roségold 180.000 CHF kostet. Alles in allem erfüllt sie zweifellos die Ansprüche all jener, die eine elegante, innovative Alternative zu den üblichen Verdächtigen suchen.
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