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Das Mercer ist noch immer New Yorks verlockendstes Hotel

Das Mercer ist noch immer New Yorks verlockendstes Hotel

Sat in red-stoned splendour in the heart of SoHo, The Mercer is a temple of understatement and soft power

Zum ersten Mal hörte ich durch Jay-Z vom The Mercer. Nicht direkt. Es ist bemerkenswert, wie selten wir heutzutage miteinander sprechen. Vielmehr war es durch den Song „Otis“ auf dem Album „Watch the Throne“, der im berauschenden Sommer 2011 auf meinem iPod Touch landete, kurz nachdem ich (und alle anderen im bekannten Universum) 21 geworden war – jenem Sommer, in dem ich mindestens eine Nacht pro Woche unruhig auf der Rückbank des Volvo-Kombis eines Bekannten schlief, in einem schlecht sitzenden Smoking, irgendwo auf einem Feld in den Home Counties. Jay-Z schlief nicht in Volvo-Kombis, das war mir schon damals klar, als ich mir den Song mit seinem kreischenden Otis-Redding-Sample in jenem Juli praktisch in Dauerschleife anhörte. Er schlief an einem Ort namens „The Mercer“, den er im Songtext mit herausgebelltem Jubel erwähnte: ein Hotel, wie ich erfuhr, in SoHo in Downtown Manhattan – ein Ort, dessen Name ebenso mythisch klang wie „Atlantis“ oder „El Dorado“. (Später erfuhr ich, dass Jay-Z, Kanye West und ihr Team mehrere Monate lang sechs Zimmer in dem Hotel belegten, während sie das Album aufnahmen und fertigstellten, und dort sogar die erste große Listening-Party in Suite 208 veranstalteten.)

Es ist erstaunlich, wie tief sich drei Silben in die Psyche eines 21-Jährigen einbrennen können. Vom Zentrum Oxfordshires aus betrachtet, klang The Mercer wie ein Ort unvorstellbarer Abenteuer und Coolness. Ich sah mir Fotos davon bei Nacht an. Seine gewaltigen roten Backsteinmauern, vom Alter geglättet und milder geworden, strahlten eine Beständigkeit und ein Selbstbewusstsein aus, die dem Cotswold-Stein schlicht fehlten. Das Kopfsteinpflaster vor seinen hohen Türen schien von all den verführerischen New-York-Klischees zu summen: gelbe Taxis mit wütenden Fahrern; Dampf, der aus der Unterwelt emporquoll.

Es ist schön zu sehen, wie ein Kindheitstraum wahr wird. Die meisten Helden sind es nicht wert, dass man ihnen begegnet, doch an einem sonnigen Nachmittag im Mai stieg ich glücklich aus einem gelben Taxi (dessen Reiz selbst nach vielen Reisen nach New York in den dazwischenliegenden Jahren nicht verblasst) und betrat die ruhige, zurückhaltende Lobby des The Mercer – und fühlte mich augenblicklich beschwingt. Es sind die kleinen Dinge, die einem recht geben. Etwa, dass der Concierge einem keine Schlüsselkarte aus Plastik reicht, sondern einen massiven, glänzenden Metallschlüssel mit breitem Griff, versehen mit markanter amerikanischer Typografie. Mit einem satten Klicken gleitet er ins Schloss der mit gebürstetem Stahl verkleideten Zimmertür, die beruhigend dick und schwer ist. (Da denkt man sich doch: Hier könnte man ein wegweisendes Rap-Album aufnehmen!)

Inside, the room is illuminated airily by a pair of ceiling-height French double doors, which overlook a pleasingly downtown view of iron fire escapes and art-deco cornices. The furnishings are handsome, sophisticated, understated. Whites and pale tones, with warmth and softness donated by glowing amber lamp shades and the sheer luxuriousness of the linens. The bathtub is ludicrously capacious.

Downstairs, the restaurants are a swoony fever-dream of New York chic. Sartiano’s, the Italianate power restaurant, sits below deck in glowering, muscular splendour — a low-lit slouch of Carrara marble, exposed brick and Riva-grade wood. The food is exactly what you’d hope for — fusilli with rugged Tuscan beef ragu; agnolotti in a slick umami reduction; a vast platter of “Sunday sauce” paccheri to share; steaks as thick as bibles in the Florentine tradition.

Das Mercer ist ein geheimnisvoller Ort. Eines späten Vormittags schlenderte ich, beschwingt von jener schwindelerregenden Erschöpfung des ersten Tages, die ein Jetlag unweigerlich mit sich bringt, durch die Lobby hinaus ins Sonnenlicht – in meinem bevorzugten Aufzug aus Baseballkappe, Sonnenbrille und Hängebacken. Einen Moment lang blendete mich das flirrende New Yorker Sonnenlicht – doch schon eine Sekunde später sah ich einen Halbkreis von Paparazzi, die sich über das Kopfsteinpflaster verteilt hatten, begleitet von einer Schar Touristen, die stehen geblieben waren, um zu sehen, auf wen die Paparazzi warteten. Die Möglichkeiten mussten grenzenlos erscheinen. Welche große Berühmtheit oder schillernde Persönlichkeit mochte an diesem speziellen Dienstag im Mercer wohnen? Na, alle natürlich. Nur vielleicht nicht irgendein dümmlich strahlender Engländer, der sich freute, nach fünfzehn Jahren endlich einen lang gehegten Wunsch erfüllt zu haben. Als ich durch die Tür hinausschlenderte, senkten sich die Kameraobjektive in sichtbarer Enttäuschung. Die Taxis hupten, das Kopfsteinpflaster dröhnte, und die wunderbare Verheißung des Mercer blieb bestehen.

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