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Charlie Rowe über „Wolf Hall“, die Fashion Week und die Zusammenarbeit mit George Clooney

Charlie Rowe über „Wolf Hall“, die Fashion Week und die Zusammenarbeit mit George Clooney

Der britische Schauspieler sprach vor seiner allerersten Modenschau mit dem Gentleman's Journal

Als wir uns während der London Fashion Week zusammensetzen, erzählt mir der Schauspieler Charlie Rowe, dass er noch nie zuvor bei einer Modenschau war. „Ich bin total aufgeregt“, sagt der 28-jährige Schauspieler im Büro seines Pressesprechers im Zentrum von London, kurz bevor er ins Auto steigen und zur Show der chinesischen Marke Mithridate fahren soll. Man würde es ihm nie glauben, denn wie viele andere Schauspieler (Paul Mescal, Josh O’Connor und Co.) sieht er wie ein routinierter Fashion-Week-Gast aus: Er trägt ein übergroßes, mitternachtsblaues Seidenhemd des Labels, das er mit einer eigenen Shorts und klobigen Loafern kombiniert hat. Unter dem Saum der Sportshorts ist gerade noch sein Beintattoo zu erkennen – die von einem Freund angefertigte, filigrane Strichzeichnung eines Gitarre spielenden Mannes.

Kleidung gehört zu dem, was am Schauspielberuf Spaß macht“, erzählt er mir. „Ich hatte wirklich großes Glück, dass ich viele Rollen übernehmen durfte, bei denen die Kleidung tatsächlich interessant ist. Dabei kann ich meinen angeborenen Drang, mich schick zu machen, so sehr ausleben, dass meine übliche Alltagsuniform einfach aus Jeans und T-Shirts besteht. Allerdings möchte ich meine Alltagslooks etwas abwechslungsreicher gestalten. Da geht noch mehr.“

Charlie Rowe

Credit: Richard Dowker

Rowe arbeitet, seit er acht Jahre alt ist. Er wollte schon immer Schauspieler werden, erzählt er mir, und kennt kein anderes Leben. „Ich bin damit aufgewachsen“, sagt er. „Meine Mutter war früher Schauspiellehrerin, und mein Vater war Schauspieler und hat jede Menge Sprechrollen übernommen. Meine Tante ist Theaterschauspielerin, genau wie meine Großmutter. Sie sind eine ganze Truppe von Theaterleuten aus Nordlondon.“

Charlie Rowe

Credit: Richard Dowker

Rowe hatte die unterschiedlichsten Rollen – vom dystopischen Drama aus dem Jahr 2010 Alles, was wir geben mussten, in dem er eine jüngere Version von Andrew Garfields Figur spielte, bis hin zu Rocketman und Slow Horses. Obwohl er schon viel gemacht hat, wird die Schauspielerei für Rowe erst dann richtig interessant, wenn die Kleidung ins Spiel kommt. „Ich habe vier oder fünf Historiendramen gedreht, in denen die Kleidung einfach völlig verrückt ist“, sagt er. „Mein nächstes Projekt, das in ein paar Wochen beginnt, ist Wolf Hall. Die Kostüme sind absurd. Meine Figur trägt ihren Reichtum zur Schau. Er ist ein ziemlicher Frauenheld, der heiraten möchte, und seine Outfits haben das gewisse Etwas. Sie sind ein wenig extravagant.“ Wolf Hall setzt die erste Staffel der Serie über Thomas Cromwell und Heinrich VIII. fort, die 2015 ausgestrahlt wurde. Darin spielt Rowe Gregory Cromwell, eine Rolle, die zuvor von Tom Holland verkörpert wurde. In dieser Rolle kann er den Tudor-Look voll ausleben: ein großer Schlapphut, geschmückt mit Federn (wahrscheinlich Fasan), Halskrausen und große, extravagant-prachtvolle Ärmel. „Für Alles, was wir geben mussten musste ich mich wie ein Schuljunge kleiden, aber die Kostüme waren damals wirklich cool.“ Danach folgte 2018 das Historiendrama Vanity Fair, in dem es ihm Spaß machte, sich für die Rolle des unsympathischen George Osborne herauszuputzen.

Charlie Rowe

Credit: Richard Dowker

Abgesehen von den großen Klamotten wird die kommende Serie Wolf Hall Rowe wahrscheinlich einem breiten Publikum bekannt machen. Sie flimmert in Großbritannien gerade zu einer Zeit über die Bildschirme, in der die Abende dunkler werden und die Kamine angezündet werden. Der ideale Stoff fürs Hauptabendprogramm. Außerdem steht für Rowe ein weiteres Projekt an, das seinen Bekanntheitsgrad ebenfalls in ungeahnte Höhen katapultieren dürfte. Gerade hat er die Dreharbeiten zu einem viel diskutierten, bislang noch unbetitelten Film abgeschlossen – in Noah Baumbachs groß angelegter Produktion wird er neben George Clooney, Adam Sandler, Laura Dern und so ziemlich allen anderen wichtigen Persönlichkeiten Hollywoods zu sehen sein. „Es war eines der entspanntesten Sets, an denen ich je gearbeitet habe. Alle waren so herzlich und einladend.“

Charlie Rowe

Credit: Richard Dowker

Obwohl Rowe inzwischen schon weit in seiner Karriere fortgeschritten ist, kann das alles seiner Aussage nach immer noch ziemlich beängstigend sein. „Ich habe nach wie vor panische Angst davor, in sechs Monaten einen anderen Job zu brauchen“, sagt er. „Ich weiß, dass ich Karriere mache, aber ich weiß nicht, ob man jemals wirklich daran glaubt, dass diese Karriere tatsächlich existiert oder von Dauer ist. Ich bin seit zwanzig Jahren Schauspieler, also scheint es wohl zu funktionieren.“ Und wie geht er mit diesem Unbehagen um, das der Schauspielberuf mit sich bringt? „Damit sind sowohl Angst als auch Adrenalin verbunden“, erklärt er. „Aber irgendwie schafft man es immer. Dadurch bekommen Vorsprechen eine besondere Bedeutung. Ich betrachte das nicht als selbstverständlich, denn selbst als berufstätiger Schauspieler sind Aufträge rar. Man lernt außerdem, seine Kreativität in andere Bahnen zu lenken, etwa in die Musik oder Regiearbeit, was ich gerade mache, oder indem man Modenschauen besucht, bei denen echte Kreativität zu spüren ist.“

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